Das Malereiarchiv


Dank antiker Autoren wie Plinius oder Pausanias kennen wir viele Namen antiker Maler, die Themen ihrer Werke und ihre charakteristischsten Handfertigkeiten. Gleichermaßen erfahren wir durch sie, welche Bildhauer für ihre Arbeit geschätzt wurden und in seltenen Fällen gar, welche Fassmaler an den berühmten Statuen Hand anlegten.

Die Untersuchung der antiken Malerei und der Bemalung antiker Skulpturen blieb trotz allem in der Forschung über Jahrhunderte kaum beachtet. Der Grund war die geringe Zahl an erhaltenen Gemälden sowie der schlechte Erhaltungszustand der Farbreste auf den Statuen.

Abb.01: UV-Aufnahme der Audienzszene auf der Innenseite eines Schildes am Alexandersarkophag  (Aufnahme von V. Brinkmann nach H.-Chr. Wolters und V. v. Graeve) (Istanbul, Archäologisches Museum, IN 370)
Abb.01: UV-Aufnahme der Audienzszene auf der Innenseite eines Schildes am Alexandersarkophag
(Aufnahme von V. Brinkmann nach H.-Chr. Wolters und V. v. Graeve) (Istanbul, Archäologisches Museum, IN 370)


Im Jahr 1966 promovierte Volkmar von Graeve, später Lehrstuhlinhaber an der Universität Bochum, über den Alexandersarkophag. Durch die Kontakte und das Wissen seines Freundes und Kommilitonen Hans Christof Wolters erweiterte von Graeve die Arbeit auf eine Untersuchung der Farbigkeit des Sarkophages. Hans Christof Wolters Onkel Christian Wolters, Restaurator am Doerner-Institut in München, machte mit Hilfe von fotografischen UV-Langzeitaufnahmen unter einer Quarzlampe verblasste Farbreste auf dem Filmmaterial sichtbar. Von Graeve und der junge Wolters wandten die Technik am Alexandersarkophag an und fanden neben qualitativ äußerst hochwertigen Farbfassungen auch Malereien an den Innenseiten der Schilde, auf den Brustpanzern und den Pferdedecken. Auf die Dissertation folgte für Volkmar von Graeve 1976 die Habilitation über die Gemälde auf den Grabstelen von Demetrias.

Im Jahr 1988 erhielt Volkmar von Graeve seinen Ruf
an die Ruhr-Universität. Was er nach Bochum mitbrachte und hier fortsetzte waren zahlreiche Projekte zur Untersuchung antiker Malerei. Wichtige Forschungsschwerpunkte waren zum Beispiel: Thessalische Grabstelen, die Grabstelen von Alexandria, Pompejanische Wandmalereien, die Marmorbilder aus Herkulaneum und Malereien von makedonischen Gräbern.

Abb.02: Vinzenz Brinkmann an der UV-Blitzanlage (1982)
Abb.02: Vinzenz Brinkmann an der UV-Blitzanlage (1982)


Im Laufe der Jahre entwickelten von Graeve und Wolters wie auch ihre nun wachsende Schülerschaft die Untersuchungstechniken weiter.
Wichtig war etwa Wolters Idee der Entwicklung einer starken Blitzanlage, welche die Langzeitbelichtung mit der Quarzlampe ersetze und damit einen schnellere Arbeitsrhytmus und schnellere Resultate mit sich brachte.

In langen Kampagnen untersuchten die Forscher die Farbspuren und Malereien auf zahlreiche antiken Oberflächen. Sie untersuchten und fotografierten diese mit verschiedensten Lichtquellen und dokumentierten die Funde akribisch.

 

Unter den Schülern fanden sich etwa Vinzenz Brinkmann (Kurator am Liebieghaus Frankfurt und Apl. Professor an der Goethe Universität Frankfurt) und Ulrike Koch-Brinkmann (tätig etwa an den Universitäten Augsburg, Göttingen und Tübingen), die die Polychromieforschung an antiken Skulpturen stets mit neuesten Techniken weiterentwickeln und ihre Funde in plastischen Rekonstruktionen sichtbar machen. Letztere gehen in der außerordentlich erfolgreichen Ausstellung „Bunte Götter“ durch die ganze Welt. Auch Richard Posamentir, Professor an der Eberahrd-Karls Universität Tübingen ist Schüler von Graeves und veröffentlichte neben seiner Dissertation zu den bemalten attischen Grabstelen eine Monographie zur Polychromie der Grabstelen von der Chersonesos.

Abb.03: Marmorbild aus Herculaneum mit den sog. Knöchelspielerinnen des athenischen Malers Alexandros (Neapel, Museo Archeologico Nazionale)
(Abb. aus: I. Baldassarre — A. Rouveret — M. Salvadori — A. Pontrandolfo, Römische Malerei. Vom Hellenismus bis zur Spätantike (Köln 2002) 143)

Abb.04: UV eines Ausschnittes von dem Marmorbild
in Abb. 3 (© Volkmar von Graeve)


Das Malereiarchiv am Bochumer Institut beherbergt das Fotomaterial der Kampagnen Von Graeves. Es wurde vor allem auf Ektachromen aufgenommen, die in säurefreiem Papier und säurefreien Kartons konserviert werden. Zum Teil findet sich das Bildmaterial auf Kleinbild-Dias. Darüber hinaus lagern im Archiv zahlreiche Umzeichnungen der durch Von Graeve wieder sichtbar gemachten Malereien auf Grabstelen und Marmorplatten. Schließlich bewahrt das Archiv die Dokumentation der Fotokampagnen sowie der Funde Von Graeves im Rahmen seiner Untersuchungen.

Das Bochumer Malereiarchiv ist durch ein spezielles Klimasystem geschützt.

 

Abb.05: Umzeichnung des Marmorbildes in Abb. 3  (© Volkmar von Graeve)
Abb.05: Umzeichnung des Marmorbildes in Abb. 3
(© Volkmar von Graeve)