Prof. Dr. Maren Lorenz | Younes Ait Harma, M.Ed. | Kerstin Lischka, M.A.
Lehrstuhlinhaberin
Von Mannsbildern, Hausmüttern und Frauenzimmern. Geschlechterdebatten in Renaissance, Reformation und Aufklärung
Mo 16:00h - 18:00h,
GABF 05/707
Jahrhunderte lang haben katholische wie protestantische Ehelehren dichotome Geschlechterrollen vorgegeben, wie sie im monotheistischen Kulturraum bis in die 1980er Jahre hinein in allen europäischen Ländern die Grundlagen für Recht und Gesetz lieferten und den sozialen Alltag als patriarchale Gesellschaften prägten. Widerspruch gab es jedoch immer wieder, so dass Geschlechterstereotypen wie -hierarchien immer wieder neu legitimiert und ihre Begründungen sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst werden mussten. Die seit dem Mittelalter hitzig geführte Debatte über ungleiche Rechte und Pflichten von Männern und Frauen wurde nach der Reformation in neuem Gewand und in neuen Medien weitergeführt. Während der Aufklärung, insbesondere im Vorfeld der europäischen Revolutionen, stritt man über rationale und intellektuelle Fähigkeiten und damit eigentlich über politische und ökonomische Teilhabe von Frauen (u.a. Anderen), doch traten erste Stimmen auch für die vollständige 'bürgerliche Verbesserung der Weiber' ein. Stets verbunden waren diese Debatten vor dem Hintergrund einer diversifizierten Stände- und bald auch Kolonialgesellschaft mit Grundfragen zu Männlichkeit und Weiblichkeit, der Notwendigkeit der Integration neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaften in Europa.
Im Seminar sollen zentrale Texte und ProtagonistInnen der intellektuellen Debatten aus England, dem Alten Reich und Frankreich vorgestellt und in ihrem jeweiligen konkreten historischen Kontext verortet werden. Besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die spezifischen Argumentations- und Legitimationsstrategien, die anvisierten Zielgruppen und auf den Rahmen, d.h. die sozialen und medialen Orte, an denen diese Auseinandersetzungen ausgetragen wurden. Die Arbeit mit zentralen Quellentexten wird dabei im Zentrum stehen.
Einführende Literatur:
Geöffnet für: Gender Studies, MaRS, Matilda, Religionswissenschaften
Es wird zum vertiefenden Verständnis die ergänzende Teilnahme an der V zur Aufklärung empfohlen.
Von Frauen, Männern und begrenzter Ambiguitätstoleranz – Grundlagen und neuere Entwicklungen der Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit
Di 10:00h - 12:00h,
GABF 04/356
Mittlerweile unstrittig ist, dass Selbst- und Fremdzuschreibungen sowie Normierungen von Männlichkeit und Weiblichkeit keine Konstanten darstellen, sondern historischen Wandlungsprozessen unterliegen. Von der Frauenforschung zur Geschlechtergeschichte, über Sexualitätsgeschichte und Gay/Queer History bis zur Männlichkeitsgeschichte, wurden und werden insbesondere seit den 1990er Jahren immer neu perspektivierte Dekonstruktionen vorgenommen. Dabei verstand sich die Genderforschung immer als interdisziplinäres Projekt. Die Körpergeschichte wirft darüber hinaus grundsätzliche Fragen nach dem biologischen Substrat von Zweigeschlechtlichkeit und dessen historischer Variabilität wie normativen Effekten auf. – Das OS gibt Einblicke in die Entwicklung und die wichtigsten Forschungsbereiche der historischen Genderforschung. Neben methodisch-theoretischen Fragen, insbesondere zur Intersektionalität der Kategorie Geschlecht, werden die Entwicklung und der Forschungsstand wichtiger Themenfelder wie z.B. Macht, Körper, Sexualität, Arbeit und Gewalt ebenso in den Blick genommen wie neue Herausforderung einer (postkolonialen) Globalgeschichte.
Es handelt sich um einen Lektürekurs! Zu jeder Sitzung muss von allen ein Text vorbereitet werden, der dann im Plenum gemeinsam besprochen wird. Am Ende wird eine kommentierte Bibliographie zu einer selbstgewählten Fragestellung die individuelle schriftliche Leistung darstellen.
Einführende Literatur:
Geöffnet für: Gender Studies, MaRS, Matilda, Religionswissenschaften
Zurück zu den Quellen! Archivbasiertes Arbeiten mit handschriftlichen Dokumenten der Frühen Neuzeit
Di 14:00h - 16:00h,
GABF 04/356
Die Übung vermittelt Logik und Struktur moderner Archive, deren Aufgabe die Bereitstellung von Quellen für ganz unterschiedliche Zwecke ist. Zur Erprobung archivgestützter Forschung führt sie in die analogen und v.a. die neuen digitalen wissenschaftlichen Hilfsmittel der Recherche, das Verständnis für Reichweite und Grenzen der Interpretation archivalischer Quellen ein.
Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit einer Auswahl typischer Textarten des 16. bis 18. Jahrhunderts. Anhand von (unter Anleitung) selbst zu recherchierenden digitalisierten handschriftlichen Originalquellen werden insbesondere Lesekenntnisse in Kurrentschrift und quellenkritische Grundlagen vermittelt. Die individuelle quellenkritische Erschließung (Transkription) und kontextualisierende Einordnung einer handschriftlichen Quelle stellt die abschließende Prüfungsleistung dar.
Obligatorisch ist die vollständige Teilnahme am Archiv-Blocktag (Dienstag, 19. MAI, 10–17 Uhr) im LAV NRW Abt. Rheinland in Duisburg! Eine Ersatzleistung dafür ist nicht möglich.
Einführende Literatur:
Geöffnet für: Gender Studies, MaRS, Matilda, Religionswissenschaften
Die Epoche der Aufklärung als ambivalentes Zeitalter der Reformen
Mi 16:00h - 18:00h,
HGA 30
Gemeinhin werden westliche oder europäische Gesellschaften meist als Ergebnis der Aufklärung bezeichnet. Normen und Werte wie Menschenrechte, Gewissens-, Religions- und Forschungsfreiheit, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, das Recht auf Bildung und die Trennung von Kirche und Staat seien in der Aufklärung entwickelt, erkämpft und längerfristig umgesetzt worden. Wissenschaft und Rationalität, der Glaube an Fortschritt durch Vernunft und Rationalität, im Sinne einer Entwicklung zum Guten, hätten sich gegenüber religiöser Normativität und Rigidität durchgesetzt; auch die geistigen Fundamente für Demokratie als politische Mitbestimmung aller seien damals gelegt worden. Darum gilt diese Phase verschiedener miteinander verflochtener intellektueller wie sozialer Prozesse in Europa zwischen ca. 1650 bis um 1800 trotz der in den 1960er-Jahren diskutierten Dialektik der Aufklärung (Horkheimer/Adorno) darum als etwas unbedingt Positives.
Die VL wird aus europäischer Perspektive, mit besonderem Fokus auf den deutschsprachigen Raum, einen Überblick über die wichtigsten Felder, ProtagonistInnen und deren Vernetzungen, technischen und medialen Bedingungen sowie gesellschaftliche Auswirkungen geben, dabei aber auch Ambivalenzen, Widersprüche und blinde Flecken aufzeigen, die sich bis heute global auswirken.
Einführende Literatur:
Geöffnet für: Alle, insbesondere Gender Studies, Matilda, Religionswissenschaften, History, Philosophy and Culture of Science (HPS+)
Die erste Sitzung findet am 29.04. statt.
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Die fremden Nachbarn. Jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum (ca. 1400 1800)
Mo 14:00h - 16:00h,
GABF 05/707
Eines der konstituierenden Elemente für die Entwicklung frühneuzeitlicher Strukturen von Staatlichkeit im Alten Reich war ein stehendes Heer, das dem jeweiligen Territorialfürsten direkt unterstand, um dessen Herrschaftsanspruch nach innen und außen durchzusetzen. Dieser Umstand ist in der Geschichtsforschung zur Frühen Neuzeit unumstritten und aus der Perspektive von oben gut erforscht. Studien über die Betroffenen auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene sind jedoch rar. Ziel des Seminars ist es demnach die Perspektive umzukehren, um die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen militärischen sowie staatlichen Institutionen, regionalen Gegebenheiten und Individuen im 18. Jahrhundert zu erarbeiten und zu verstehen. Wie beeinflussten militärische und staatliche Normen, Institutionen und strukturelle Bedingungen die alltäglichen Lebenswelten einfacher Soldaten, Invaliden, Veteranen, Soldatenfrauen, -kinder sowie -witwen und -waisen? Welche Handlungsspielräume sowie Strategien hatten und nutzten diese Menschen, um mit dieser Gemengelage umzugehen? Welchen Einfluss hatte ihr alltägliches Leben auf juristische, organisatorische und strukturelle Entwicklungsprozesse der stehenden Heere im 18. Jahrhundert? Diese Fragen sollen über die Kombination von alltags- und sozialhistorischen Zugängen, regionalen Fallstudien und Quellen bearbeitet werden. Darüber werden zudem wichtige theoretische Konzepte zur Frühen Neuzeit vorgestellt und quellenkritisches Arbeiten wird eingeübt. Das Seminar setzt eine hohe Lesebereitschaft von Forschungsliteratur und frühneuzeitlichen Quellen, die Fähigkeit Frakturschrift zu lesen bzw. die Bereitschaft sich diese schnellstmöglich anzueignen voraus.
Einführende Literatur:
wissenschaftliche Mitarbeiterin
Bis dass der Tod euch scheidet? Ehe, Sexualität und Trennung in der Frühen Neuzeit (1500–1800)
Mi 16:00h - 18:00h,
GABF 05/707
In der Frühen Neuzeit (ca. 1500–1800) veränderten sich in Europa die rechtlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Ehe, Sexualität und Ordnung grundlegend. Während ehelicher Geschlechtsverkehr als Voraussetzung für eine gültige Ehe galt, wurden voreheliche oder außereheliche Beziehungen oftmals als Unzucht geahndet. Ehe, Sexualität und Geschlecht standen im Zentrum kirchlicher, obrigkeitlicher und sozialer Auseinandersetzungen.
Die Übung beleuchtet anhand ausgewählter Quellen, wie Ehekonflikte verhandelt wurden, welche Trennungsgründe akzeptiert waren und wie sich geschlechtsspezifische Rollenerwartungen und soziale Normen in der Praxis niederschlugen. Im Fokus stehen insbesondere körperliche Trennungsgründe, das frühneuzeitliche Eherecht und die Spielräume der Betroffenen vor Gericht.
Ziel ist es, zentrale Methoden der historischen Quellenanalyse zu erproben und die Wechselwirkungen zwischen Norm und Alltag im frühneuzeitlichen Eheverständnis kritisch zu hinterfragen.
Einführende Literatur
Lehrstuhlinhaberin
Die fremden Nachbarn. Jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum (ca. 1400 1800)
Mo 16:00h - 18:00h,
HGA 10
Die Geschichte der Juden im Alten Reich ist seit den Kreuzzügen mit dem Beginn einer Abfolge von Pogromen und erneuten Ansiedlungsbemühungen durch Schutzprivilegien eine äußerst wechselvolle und ambivalente. Sie geht jedoch nicht in Opferdiskursen auf. Neben einer Einführung in die religiöse und soziale Binnenstruktur sowie einem Überblick über die europäische Verbreitung der Aschkenasim und Sephardim stehen einerseits Hintergründe und Auswirkungen des immer wieder neu von den christlichen Obrigkeiten aber auch anderen Interessengruppen zementierten und antijüdisch motivierten Sonderstatus der Juden als Christusmörder und geldgierige Wucherer im Fokus. Andererseits werden die erst in den letzten Jahrzehnten ins Interesse der Forschung gerückten Spiel- und Handlungsräume vorgestellt, mit denen jüdische Gemeinden wie Individuen immer wieder und nicht selten auch erfolgreich versuchten, ihren durchaus nach Geschlecht oder sozialem Stand erheblich variierenden Status abzusichern bzw. zu verbessern. Die VL will diese jüdischen Lebenswelten aus einer Vielzahl von Perspektiven als teils erzwungene, teils selbstgewählte Parallelwelt beleuchten, wobei die gleichzeitig untrennbare Verflochtenheit mit der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft im Zentrum stehen wird.
Einführende Literatur:
Geöffnet für MaRS, MATILDA, Gender Studies, Religionswiss.
Es wird ein ergänzendes Hauptseminar angeboten.
Diskriminieren, Kriminalisieren, Sanktionieren. Techniken und Mechanismen von Marginalisierung als Elemente von Staatlichkeit in der Frühen Neuzeit
Di 10:00h - 12:00h,
GABF 04/356
Soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Marginalisierung bestimmter Gruppen waren zentrale Elemente der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft. Während manchen Ständen eigene Gerichtsbarkeit zugestanden wurde, waren als randständig definierte Personen und Gruppen besonderen Gesetzen und Regelungen unterworfen bzw. von Rechten ausgeschlossen oder sogar zur Verfolgung freigegeben. Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten waren davon in verschiedenem Maße ebenso betroffen wie Personen der sogenannten unehrlichen Berufe oder soziale und ökonomische Außenseiter wie Bettler, Prostituierte oder Menschen ohne festen Wohnsitz. Sie alle wurden faktisch oder ganz legal wirtschaftlich, sozial und rechtlich benachteiligt. Zum besseren Verständnis wird darum zunächst in die lokalen und rechtlichen Strukturen der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft eingeführt, um dann verschiedene Gruppen in ihren jeweiligen Lebenswelten zu untersuchen. Im Vordergrund stehen dabei die epochenspezifischen Perspektiven in Hinblick auf Definitions- und Argumentationsformen und deren gesellschaftliche Umsetzung in Form sozialer und legaler Stigmatisierung. Anhand ausgewählter Quellenbeispiele sollen insbesondere auch die Grenzen der historischen Erkenntnis sichtbar (gemacht) werden.
Einführende Literatur:
Die Bereitschaft zur Quellelektüre wird vorausgesetzt, ebenso Fraktur-Lesekompetenz.– Je nach Größe des Kurses / bei Interesse, werden auch gemeinsam einzelne Quellen in deutscher Kurrentschrift gelesen. (Geöffnet für Gender Studies, MARS, MATILDA, Religionswissenschaften) Ergänzend wird eine V zum Judentum in der FNZ angeboten.
Juden als Minderheit im Alten Reich. Leben zwischen Ghetto, Vertreibung und Emanzipation
Di 16:00h - 18:00h,
GABF 05/703
Bereits zur Römerzeit lebten Juden auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Doch erst in den 1970er Jahren entdeckte die deutsche Historiographie diese religiöse Minderheit als Gegenstand einer Sozial- und Kulturgeschichte unter wechselnden Stichworten, zunächst der Diskriminierung im Rahmen eines Opferdiskurses, dann der Akkulturation und Integration. Im Gegensatz zu den urbanen Siedlungszentren des MAs und der Aufarbeitung des Holocausts / der Shoah rückte die FNZ erst in den 1990er Jahren in den Fokus der Forschung. Hier setzt das Hauptseminar an, das ein Spektrum der politik-, sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Zugänge zum jüdischen Leben im Alten Reich aufzeigen will. Aspekte der den Alltag und das Familienleben strukturierenden religiösen und sozialen Riten der (überwiegend) Aschkenasim, werden ebenso thematisiert, wie die rechtlichen, berufsständischen und fiskalischen Rahmenbedingungen und daraus entstehenden Konflikte, aber auch Kooperationen mit Obrigkeiten und christlicher Nachbarschaft. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Verhältnis von Wandel und Kontinuität im Zusammenhang mit zentralen historischen Prozessen wie Reformation/Gegenreformation und Aufklärung.
Einführende Literatur:
Geöffnet für MaRS, MATILDA, Gender Studies, Religionswiss. Es wird eine begleitende Vorlesung zum Thema angeboten.
Das Ich und die Welt. Selbstzeugnisse der Frühen Neuzeit als historische Quellen
Mi 16:00h - 18:00h,
GABF 05/707
Selbstzeugnisse sind Quellen, in denen die Selbstwahrnehmung historischer Subjekte zum Ausdruck kommt oder deren Denken, Fühlen und Handeln durch Dritte beschrieben wird. Diese können freiwillig oder unfreiwillig hinterlassen worden sein, wie Briefe, Tage- und Haushaltsbücher, Reise- und Lebensberichte, oder von Dritten erstellte sogenannte Ego-Dokumente wie Rechtsakten, z.B. Verhörprotokolle und Gutachten, Visitationsakten, Testamente, Bittschriften oder Gnadengesuche, in denen Selbstaussagen verzeichnet bzw. wiedergegeben werden. Die Entdeckung dieser durch das Forschungsinteresse an alltags- bzw. emotionsgeschichtlichen Fragen und nicht anhand spezifischer Textarten definierten Quellengruppe in den 1990er Jahren, führte zu einer Zunahme an Forschung über sonst eher unterrepräsentierte Gruppen wie die Landbevölkerung, städtische Unterschichten, soziale Randgruppen, aber auch Frauen und Kinder. Wegen der scheinbar größeren Unmittelbarkeit der Informationen über die Verfasstheit des Individuums wird Selbstzeugnissen oft vorschnell hohe Authentizität und v.a. Zugang zu vergangenen Emotionen zugeschrieben. Doch auch diese Quellen müssen einer sorgfältigen Quellenkritik unterzogen werden. Die Erarbeitung bzw. Identifikation kontext- bzw. standesspezifischer Schreibkonventionen, sprachliche Besonderheiten und insbesondere der Entstehungskontext und die oft fragmentarische bzw. isolierte Überlieferung aus der Mikroperspektive stehen in der LV im Vordergrund
Einführende Literatur:
Geöffnet für MaRS, MATILDA, Gender Studies, Religionswissenschaften.
WICHTIG: am Mi 29.10 findet kein OS statt, wegen des Forschungstages der Fakultät!
Dirnen, Diebe, Deserteure. Quellen zur Kriminalität und Strafgerichtsbarkeit im 18. Jahrhundert
Mo 14:00h - 16:00h,
GABF 04/711
Kriminalität bezeichnet die Gesamtheit der Verhaltensweisen, die von den sozialen und rechtlichen Kontrollinstanzen der jeweiligen Gesellschaft als Normverstöße verfolgt und sanktioniert werden. Somit ist Kriminalität auch historisch variabel und soziokulturell konstruiert. Deutschsprachige Territorien des Alten Reiches waren im 18. Jahrhundert direkt oder indirekt in einer Vielzahl von Kriegen involviert, sodass Formen von Gewalt und Delinquenz stets präsent waren und sich gewisse Gewöhnungseffekte etablierten. Damit wurden etwa Gewaltdelikte anders bewertet und betrachtet als heute. Anhand verschiedener Quellen wird in der Übung der Fokus auf drei Gruppen im 18. Jahrhundert gesetzt, die nach zeitgenössischem Verständnis Kriminaldelikte begingen und mit der frühneuzeitlichen Strafgerichtsbarkeit in Berührung kamen: Rand-gruppen (Juden, Fahrende, etc., (ehemalige) Soldaten und Frauen. Dabei sollen auch Einblicke in Wechselwirkungen zwischen den betroffenen Menschen und den sich im Laufe der Frühen Neuzeit ausdifferenzierenden staatlichen Strukturen und Instanzen, die Strafverfolgung und -gerichtsbarkeit erst ermöglichten, gewährt wer-den. Darüber sollen wichtige historiographische Interpretationsvorschläge zur Frühen Neuzeit diskutiert werden. Die Übung setzt eine hohe Lesebereitschaft von frühneuzeitlichen Quellen und Forschungsliteratur voraus. Viele der zu behandelnden Quellen liegen in Frakturschrift vor, weshalb entsprechende Lesekenntnisse Voraussetzung sind, beziehungsweise schnellstmöglich erworben werden sollten.
Einführende Literatur:
wissenschaftlicher Mitarbeiter
Dirnen, Diebe, Deserteure. Quellen zur Kriminalität und Strafgerichtsbarkeit im 18. Jahrhundert
Mo 14:00h - 16:00h,
GABF 04/711
Kriminalität bezeichnet die Gesamtheit der Verhaltensweisen, die von den sozialen und rechtlichen Kontrollinstanzen der jeweiligen Gesellschaft als Normverstöße verfolgt und sanktioniert werden. Somit ist Kriminalität auch historisch variabel und soziokulturell konstruiert. Deutschsprachige Territorien des Alten Reiches waren im 18. Jahrhundert direkt oder indirekt in einer Vielzahl von Kriegen involviert, sodass Formen von Gewalt und Delinquenz stets präsent waren und sich gewisse Gewöhnungseffekte etablierten. Damit wurden etwa Gewaltdelikte anders bewertet und betrachtet als heute. Anhand verschiedener Quellen wird in der Übung der Fokus auf drei Gruppen im 18. Jahrhundert gesetzt, die nach zeitgenössischem Verständnis Kriminaldelikte begingen und mit der frühneuzeitlichen Strafgerichtsbarkeit in Berührung kamen: Rand-gruppen (Juden, Fahrende, etc., (ehemalige) Soldaten und Frauen. Dabei sollen auch Einblicke in Wechselwirkungen zwischen den betroffenen Menschen und den sich im Laufe der Frühen Neuzeit ausdifferenzierenden staatlichen Strukturen und Instanzen, die Strafverfolgung und -gerichtsbarkeit erst ermöglichten, gewährt wer-den. Darüber sollen wichtige historiographische Interpretationsvorschläge zur Frühen Neuzeit diskutiert werden. Die Übung setzt eine hohe Lesebereitschaft von frühneuzeitlichen Quellen und Forschungsliteratur voraus. Viele der zu behandelnden Quellen liegen in Frakturschrift vor, weshalb entsprechende Lesekenntnisse Voraussetzung sind, beziehungsweise schnellstmöglich erworben werden sollten.
Einführende Literatur: