NACH OBEN

Prof. Dr. Maren Lorenz

Lehrstuhlinhaberin

040161 Hauptseminar:

Von Mannsbildern, Hausmüttern und Frauenzimmern. Geschlechterdebatten in Renaissance, Reformation und Aufklärung

Mo 16:00h - 18:00h,
GABF 05/707

Jahrhunderte lang haben katholische wie protestantische Ehelehren dichotome Geschlechterrollen vorgegeben, wie sie im monotheistischen Kulturraum bis in die 1980er Jahre hinein in allen europäischen Ländern die Grundlagen für Recht und Gesetz lieferten und den sozialen Alltag als patriarchale Gesellschaften prägten. Widerspruch gab es jedoch immer wieder, so dass Geschlechterstereotypen wie -hierarchien immer wieder neu legitimiert und ihre Begründungen sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst werden mussten. Die seit dem Mittelalter hitzig geführte Debatte über ungleiche Rechte und Pflichten von Männern und Frauen wurde nach der Reformation in neuem Gewand und in neuen Medien weitergeführt. Während der Aufklärung, insbesondere im Vorfeld der europäischen Revolutionen, stritt man über rationale und intellektuelle Fähigkeiten und damit eigentlich über politische und ökonomische Teilhabe von Frauen (u.a. Anderen), doch traten erste Stimmen auch für die vollständige 'bürgerliche Verbesserung der Weiber' ein. Stets verbunden waren diese Debatten vor dem Hintergrund einer diversifizierten Stände- und bald auch Kolonialgesellschaft mit Grundfragen zu Männlichkeit und Weiblichkeit, der Notwendigkeit der Integration neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaften in Europa.

Im Seminar sollen zentrale Texte und ProtagonistInnen der intellektuellen Debatten aus England, dem Alten Reich und Frankreich vorgestellt und in ihrem jeweiligen konkreten historischen Kontext verortet werden. Besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die spezifischen Argumentations- und Legitimationsstrategien, die anvisierten Zielgruppen und auf den Rahmen, d.h. die sozialen und medialen Orte, an denen diese Auseinandersetzungen ausgetragen wurden. Die Arbeit mit zentralen Quellentexten wird dabei im Zentrum stehen.

Einführende Literatur:

Geöffnet für: Gender Studies, MaRS, Matilda, Religionswissenschaften
Es wird zum vertiefenden Verständnis die ergänzende Teilnahme an der V zur Aufklärung empfohlen.

040225 Oberseminar:

Von Frauen, Männern und begrenzter Ambiguitätstoleranz – Grundlagen und neuere Entwicklungen der Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit

Di 10:00h - 12:00h,
GABF 04/356

Mittlerweile unstrittig ist, dass Selbst- und Fremdzuschreibungen sowie Normierungen von Männlichkeit und Weiblichkeit keine Konstanten darstellen, sondern historischen Wandlungsprozessen unterliegen. Von der Frauenforschung zur Geschlechtergeschichte, über Sexualitätsgeschichte und Gay/Queer History bis zur Männlichkeitsgeschichte, wurden und werden insbesondere seit den 1990er Jahren immer neu perspektivierte Dekonstruktionen vorgenommen. Dabei verstand sich die Genderforschung immer als interdisziplinäres Projekt. Die Körpergeschichte wirft darüber hinaus grundsätzliche Fragen nach dem biologischen Substrat von Zweigeschlechtlichkeit und dessen historischer Variabilität wie normativen Effekten auf. – Das OS gibt Einblicke in die Entwicklung und die wichtigsten Forschungsbereiche der historischen Genderforschung. Neben methodisch-theoretischen Fragen, insbesondere zur Intersektionalität der Kategorie Geschlecht, werden die Entwicklung und der Forschungsstand wichtiger Themenfelder wie z.B. Macht, Körper, Sexualität, Arbeit und Gewalt ebenso in den Blick genommen wie neue Herausforderung einer (postkolonialen) Globalgeschichte.

Es handelt sich um einen Lektürekurs! Zu jeder Sitzung muss von allen ein Text vorbereitet werden, der dann im Plenum gemeinsam besprochen wird. Am Ende wird eine kommentierte Bibliographie zu einer selbstgewählten Fragestellung die individuelle schriftliche Leistung darstellen.

Einführende Literatur:

Geöffnet für: Gender Studies, MaRS, Matilda, Religionswissenschaften

040195 Übung für Fortgeschrittene:

Zurück zu den Quellen! Archivbasiertes Arbeiten mit handschriftlichen Dokumenten der Frühen Neuzeit

Di 14:00h - 16:00h,
GABF 04/356

Die Übung vermittelt Logik und Struktur moderner Archive, deren Aufgabe die Bereitstellung von Quellen für ganz unterschiedliche Zwecke ist. Zur Erprobung archivgestützter Forschung führt sie in die analogen und v.a. die neuen digitalen wissenschaftlichen Hilfsmittel der Recherche, das Verständnis für Reichweite und Grenzen der Interpretation archivalischer Quellen ein.

Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit einer Auswahl typischer Textarten des 16. bis 18. Jahrhunderts. Anhand von (unter Anleitung) selbst zu recherchierenden digitalisierten handschriftlichen Originalquellen werden insbesondere Lesekenntnisse in Kurrentschrift und quellenkritische Grundlagen vermittelt. Die individuelle quellenkritische Erschließung (Transkription) und kontextualisierende Einordnung einer handschriftlichen Quelle stellt die abschließende Prüfungsleistung dar.

Obligatorisch ist die vollständige Teilnahme am Archiv-Blocktag (Dienstag, 19. MAI, 10–17 Uhr) im LAV NRW Abt. Rheinland in Duisburg! Eine Ersatzleistung dafür ist nicht möglich.

Einführende Literatur:

Geöffnet für: Gender Studies, MaRS, Matilda, Religionswissenschaften

040010 Vorlesung:

Die Epoche der Aufklärung als ambivalentes Zeitalter der Reformen

Mi 16:00h - 18:00h,
HGA 30

Gemeinhin werden westliche oder europäische Gesellschaften meist als Ergebnis der Aufklärung bezeichnet. Normen und Werte wie Menschenrechte, Gewissens-, Religions- und Forschungsfreiheit, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, das Recht auf Bildung und die Trennung von Kirche und Staat seien in der Aufklärung entwickelt, erkämpft und längerfristig umgesetzt worden. Wissenschaft und Rationalität, der Glaube an Fortschritt durch Vernunft und Rationalität, im Sinne einer Entwicklung zum Guten, hätten sich gegenüber religiöser Normativität und Rigidität durchgesetzt; auch die geistigen Fundamente für Demokratie als politische Mitbestimmung aller seien damals gelegt worden. Darum gilt diese Phase verschiedener miteinander verflochtener intellektueller wie sozialer Prozesse in Europa zwischen ca. 1650 bis um 1800 trotz der in den 1960er-Jahren diskutierten Dialektik der Aufklärung (Horkheimer/Adorno) darum als etwas unbedingt Positives.

Die VL wird aus europäischer Perspektive, mit besonderem Fokus auf den deutschsprachigen Raum, einen Überblick über die wichtigsten Felder, ProtagonistInnen und deren Vernetzungen, technischen und medialen Bedingungen sowie gesellschaftliche Auswirkungen geben, dabei aber auch Ambivalenzen, Widersprüche und blinde Flecken aufzeigen, die sich bis heute global auswirken.

Einführende Literatur:

Geöffnet für: Alle, insbesondere Gender Studies, Matilda, Religionswissenschaften, History, Philosophy and Culture of Science (HPS+)

Die erste Sitzung findet am 29.04. statt.

Younes Ait Harma, M.Ed.

wissenschaftlicher Mitarbeiter

040085 Seminar:

Die fremden Nachbarn. Jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum (ca. 1400 1800)

Mo 14:00h - 16:00h,
GABF 05/707

Eines der konstituierenden Elemente für die Entwicklung frühneuzeitlicher Strukturen von Staatlichkeit im Alten Reich war ein stehendes Heer, das dem jeweiligen Territorialfürsten direkt unterstand, um dessen Herrschaftsanspruch nach innen und außen durchzusetzen. Dieser Umstand ist in der Geschichtsforschung zur Frühen Neuzeit unumstritten und aus der Perspektive von oben gut erforscht. Studien über die Betroffenen auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene sind jedoch rar. Ziel des Seminars ist es demnach die Perspektive umzukehren, um die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen militärischen sowie staatlichen Institutionen, regionalen Gegebenheiten und Individuen im 18. Jahrhundert zu erarbeiten und zu verstehen. Wie beeinflussten militärische und staatliche Normen, Institutionen und strukturelle Bedingungen die alltäglichen Lebenswelten einfacher Soldaten, Invaliden, Veteranen, Soldatenfrauen, -kinder sowie -witwen und -waisen? Welche Handlungsspielräume sowie Strategien hatten und nutzten diese Menschen, um mit dieser Gemengelage umzugehen? Welchen Einfluss hatte ihr alltägliches Leben auf juristische, organisatorische und strukturelle Entwicklungsprozesse der stehenden Heere im 18. Jahrhundert? Diese Fragen sollen über die Kombination von alltags- und sozialhistorischen Zugängen, regionalen Fallstudien und Quellen bearbeitet werden. Darüber werden zudem wichtige theoretische Konzepte zur Frühen Neuzeit vorgestellt und quellenkritisches Arbeiten wird eingeübt. Das Seminar setzt eine hohe Lesebereitschaft von Forschungsliteratur und frühneuzeitlichen Quellen, die Fähigkeit Frakturschrift zu lesen bzw. die Bereitschaft sich diese schnellstmöglich anzueignen voraus.

Einführende Literatur:

  • Mann, Michael: Vom Soldatenstande. Überlegungen zu einer Alltagsgeschichte von Soldaten im 18. Jahrhundert. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 81/2 (2022), S. 516-551.

Kerstin Lischka, M.A.

wissenschaftliche Mitarbeiterin

040120 Übung zu speziellen Methoden und Theorien:

Bis dass der Tod euch scheidet? Ehe, Sexualität und Trennung in der Frühen Neuzeit (1500–1800)

Mi 16:00h - 18:00h,
GABF 05/707

In der Frühen Neuzeit (ca. 1500–1800) veränderten sich in Europa die rechtlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Ehe, Sexualität und Ordnung grundlegend. Während ehelicher Geschlechtsverkehr als Voraussetzung für eine gültige Ehe galt, wurden voreheliche oder außereheliche Beziehungen oftmals als Unzucht geahndet. Ehe, Sexualität und Geschlecht standen im Zentrum kirchlicher, obrigkeitlicher und sozialer Auseinandersetzungen.

Die Übung beleuchtet anhand ausgewählter Quellen, wie Ehekonflikte verhandelt wurden, welche Trennungsgründe akzeptiert waren und wie sich geschlechtsspezifische Rollenerwartungen und soziale Normen in der Praxis niederschlugen. Im Fokus stehen insbesondere körperliche Trennungsgründe, das frühneuzeitliche Eherecht und die Spielräume der Betroffenen vor Gericht.

Ziel ist es, zentrale Methoden der historischen Quellenanalyse zu erproben und die Wechselwirkungen zwischen Norm und Alltag im frühneuzeitlichen Eheverständnis kritisch zu hinterfragen.

Einführende Literatur

  • Fleßenkämper, Iris: „Von ehelicher Zusage, fleischlicher Vermischung und heimlicher Verlöbnis“: Normen und Praktiken der Eheschließung in der frühneuzeitlichen Grafschaft Lippe, in: Frühneuzeit-Info 25 (2014), S. 199–212.
  • Lutz, Alexandra: Ehepaare vor Gericht. Konflikte und Lebenswelten in der Frühen Neuzeit, Frankfurt a.M. u.a. 2006.
  • Westphal, Siegrid/ Schmidt-Voges, Inken / Baumann, Anette (Hgg.): Venus und Vulcanus. Ehen und ihre Konflikte in der Frühen Neuzeit (Bibliothek altes Reich, 6), München 2011.

Lehre im Wintersemster 2025/26

Prof. Dr. Maren Lorenz | Younes Ait Harma, M.Ed.

Prof. Dr. Maren Lorenz

Lehrstuhlinhaberin

040008 Vorlesung:

Die fremden Nachbarn. Jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum (ca. 1400 1800)

Mo 16:00h - 18:00h,
HGA 10

Die Geschichte der Juden im Alten Reich ist seit den Kreuzzügen mit dem Beginn einer Abfolge von Pogromen und erneuten Ansiedlungsbemühungen durch Schutzprivilegien eine äußerst wechselvolle und ambivalente. Sie geht jedoch nicht in Opferdiskursen auf. Neben einer Einführung in die religiöse und soziale Binnenstruktur sowie einem Überblick über die europäische Verbreitung der Aschkenasim und Sephardim stehen einerseits Hintergründe und Auswirkungen des immer wieder neu von den christlichen Obrigkeiten aber auch anderen Interessengruppen zementierten und antijüdisch motivierten Sonderstatus der Juden als Christusmörder und geldgierige Wucherer im Fokus. Andererseits werden die erst in den letzten Jahrzehnten ins Interesse der Forschung gerückten Spiel- und Handlungsräume vorgestellt, mit denen jüdische Gemeinden wie Individuen immer wieder und nicht selten auch erfolgreich versuchten, ihren durchaus nach Geschlecht oder sozialem Stand erheblich variierenden Status abzusichern bzw. zu verbessern. Die VL will diese jüdischen Lebenswelten aus einer Vielzahl von Perspektiven als teils erzwungene, teils selbstgewählte Parallelwelt beleuchten, wobei die gleichzeitig untrennbare Verflochtenheit mit der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft im Zentrum stehen wird.

Einführende Literatur:

  • Battenberg, Friedrich: Juden in Deutschland vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, München 2001.
  • Elukin, Jonathan: Living Together, Living Apart. Rethinking Jewish-Christian Relations in the Middle Ages, Princeton: Princeton University Press, 2007. https://doi.org/10.1515/9781400827695
  • Herzig, Arno: Jüdische Geschichte in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 2002 (1997).
  • Herzig, Arno et al.: Jüdisches Leben in Deutschland, Bundeszentrale für Politische Bildung (online) 2010: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/juedisches-leben-in-deutschland-304/

Geöffnet für MaRS, MATILDA, Gender Studies, Religionswiss.
Es wird ein ergänzendes Hauptseminar angeboten.

040201 Übung für Fortgeschrittene:

Diskriminieren, Kriminalisieren, Sanktionieren. Techniken und Mechanismen von Marginalisierung als Elemente von Staatlichkeit in der Frühen Neuzeit

Di 10:00h - 12:00h, 
GABF 04/356

Soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Marginalisierung bestimmter Gruppen waren zentrale Elemente der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft. Während manchen Ständen eigene Gerichtsbarkeit zugestanden wurde, waren als randständig definierte Personen und Gruppen besonderen Gesetzen und Regelungen unterworfen bzw. von Rechten ausgeschlossen oder sogar zur Verfolgung freigegeben. Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten waren davon in verschiedenem Maße ebenso betroffen wie Personen der sogenannten unehrlichen Berufe oder soziale und ökonomische Außenseiter wie Bettler, Prostituierte oder Menschen ohne festen Wohnsitz. Sie alle wurden faktisch oder ganz legal wirtschaftlich, sozial und rechtlich benachteiligt. Zum besseren Verständnis wird darum zunächst in die lokalen und rechtlichen Strukturen der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft eingeführt, um dann verschiedene Gruppen in ihren jeweiligen Lebenswelten zu untersuchen. Im Vordergrund stehen dabei die epochenspezifischen Perspektiven in Hinblick auf Definitions- und Argumentationsformen und deren gesellschaftliche Umsetzung in Form sozialer und legaler Stigmatisierung. Anhand ausgewählter Quellenbeispiele sollen insbesondere auch die Grenzen der historischen Erkenntnis sichtbar (gemacht) werden.

Einführende Literatur:

  • Häberlein, Mark: Minderheiten, Obrigkeit und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit. Integrations- und Ausgrenzungsprozesse im süddeutschen Raum, St. Katharinen 2001.
  • Rheinheimer, Martin: Arme, Bettler und Vaganten. Überleben in der Not 1450-1850, Frankfurt a.M. 2000.
  • Roeck, Bernd: Außenseiter, Randgruppen, Minderheiten. Fremde im Deutschland der frühen Neuzeit, Göttingen 1993.
  • Von Hippel, Wolfgang: Armut, Unterschichten, Randgruppen in der Frühen Neuzeit, München 2013 (1995).

Die Bereitschaft zur Quellelektüre wird vorausgesetzt, ebenso Fraktur-Lesekompetenz.– Je nach Größe des Kurses / bei Interesse, werden auch gemeinsam einzelne Quellen in deutscher Kurrentschrift gelesen. (Geöffnet für Gender Studies, MARS, MATILDA, Religionswissenschaften) Ergänzend wird eine V zum Judentum in der FNZ angeboten.

040169 Hauptseminar:

Juden als Minderheit im Alten Reich. Leben zwischen Ghetto, Vertreibung und Emanzipation

Di 16:00h - 18:00h, 
GABF 05/703

Bereits zur Römerzeit lebten Juden auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Doch erst in den 1970er Jahren entdeckte die deutsche Historiographie diese religiöse Minderheit als Gegenstand einer Sozial- und Kulturgeschichte unter wechselnden Stichworten, zunächst der Diskriminierung im Rahmen eines Opferdiskurses, dann der Akkulturation und Integration. Im Gegensatz zu den urbanen Siedlungszentren des MAs und der Aufarbeitung des Holocausts / der Shoah rückte die FNZ erst in den 1990er Jahren in den Fokus der Forschung. Hier setzt das Hauptseminar an, das ein Spektrum der politik-, sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Zugänge zum jüdischen Leben im Alten Reich aufzeigen will. Aspekte der den Alltag und das Familienleben strukturierenden religiösen und sozialen Riten der (überwiegend) Aschkenasim, werden ebenso thematisiert, wie die rechtlichen, berufsständischen und fiskalischen Rahmenbedingungen und daraus entstehenden Konflikte, aber auch Kooperationen mit Obrigkeiten und christlicher Nachbarschaft. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Verhältnis von Wandel und Kontinuität im Zusammenhang mit zentralen historischen Prozessen wie Reformation/Gegenreformation und Aufklärung.

Einführende Literatur:

  • Battenberg, Friedrich: Juden in Deutschland vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, München 2001.
  • Herzig, Arno: Jüdische Geschichte in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 2002 (1997).
  • Herzig, Arno et al.: Jüdisches Leben in Deutschland, Bundeszentrale für Politische Bildung (online) 2010: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/juedisches-leben-in-deutschland-304/

Geöffnet für MaRS, MATILDA, Gender Studies, Religionswiss. Es wird eine begleitende Vorlesung zum Thema angeboten.

040222 Oberseminar:

Das Ich und die Welt. Selbstzeugnisse der Frühen Neuzeit als historische Quellen

Mi 16:00h - 18:00h,
GABF 05/707

Selbstzeugnisse sind Quellen, in denen die Selbstwahrnehmung historischer Subjekte zum Ausdruck kommt oder deren Denken, Fühlen und Handeln durch Dritte beschrieben wird. Diese können freiwillig oder unfreiwillig hinterlassen worden sein, wie Briefe, Tage- und Haushaltsbücher, Reise- und Lebensberichte, oder von Dritten erstellte sogenannte Ego-Dokumente wie Rechtsakten, z.B. Verhörprotokolle und Gutachten, Visitationsakten, Testamente, Bittschriften oder Gnadengesuche, in denen Selbstaussagen verzeichnet bzw. wiedergegeben werden. Die Entdeckung dieser durch das Forschungsinteresse an alltags- bzw. emotionsgeschichtlichen Fragen und nicht anhand spezifischer Textarten definierten Quellengruppe in den 1990er Jahren, führte zu einer Zunahme an Forschung über sonst eher unterrepräsentierte Gruppen wie die Landbevölkerung, städtische Unterschichten, soziale Randgruppen, aber auch Frauen und Kinder. Wegen der scheinbar größeren Unmittelbarkeit der Informationen über die Verfasstheit des Individuums wird Selbstzeugnissen oft vorschnell hohe Authentizität und v.a. Zugang zu vergangenen Emotionen zugeschrieben. Doch auch diese Quellen müssen einer sorgfältigen Quellenkritik unterzogen werden. Die Erarbeitung bzw. Identifikation kontext- bzw. standesspezifischer Schreibkonventionen, sprachliche Besonderheiten und insbesondere der Entstehungskontext und die oft fragmentarische bzw. isolierte Überlieferung aus der Mikroperspektive stehen in der LV im Vordergrund

Einführende Literatur:

  • Behringer, Wolfgang: Selbstzeugnisse. In Friedrich Jaeger (Hg.), Enzyklopädie der Neuzeit Online. Brill 2019. https://doi.org/10.1163/2352-0248_edn_COM_348440
  • Greyerz, Kaspar von (Hg.): Selbstzeugnisse in der Frühen Neuzeit. Individualisierungsweisen in interdisziplinärer Perspektive, München 2007.

Geöffnet für MaRS, MATILDA, Gender Studies, Religionswissenschaften. 

WICHTIG: am Mi 29.10 findet kein OS statt, wegen des Forschungstages der Fakultät!

040128 Übung zu speziellen Methoden und Theorien:

Dirnen, Diebe, Deserteure. Quellen zur Kriminalität und Strafgerichtsbarkeit im 18. Jahrhundert

Mo 14:00h - 16:00h, 
GABF 04/711

Kriminalität bezeichnet die Gesamtheit der Verhaltensweisen, die von den sozialen und rechtlichen Kontrollinstanzen der jeweiligen Gesellschaft als Normverstöße verfolgt und sanktioniert werden. Somit ist Kriminalität auch historisch variabel und soziokulturell konstruiert. Deutschsprachige Territorien des Alten Reiches waren im 18. Jahrhundert direkt oder indirekt in einer Vielzahl von Kriegen involviert, sodass Formen von Gewalt und Delinquenz stets präsent waren und sich gewisse Gewöhnungseffekte etablierten. Damit wurden etwa Gewaltdelikte anders bewertet und betrachtet als heute. Anhand verschiedener Quellen wird in der Übung der Fokus auf drei Gruppen im 18. Jahrhundert gesetzt, die nach zeitgenössischem Verständnis Kriminaldelikte begingen und mit der frühneuzeitlichen Strafgerichtsbarkeit in Berührung kamen: Rand-gruppen (Juden, Fahrende, etc., (ehemalige) Soldaten und Frauen. Dabei sollen auch Einblicke in Wechselwirkungen zwischen den betroffenen Menschen und den sich im Laufe der Frühen Neuzeit ausdifferenzierenden staatlichen Strukturen und Instanzen, die Strafverfolgung und -gerichtsbarkeit erst ermöglichten, gewährt wer-den. Darüber sollen wichtige historiographische Interpretationsvorschläge zur Frühen Neuzeit diskutiert werden. Die Übung setzt eine hohe Lesebereitschaft von frühneuzeitlichen Quellen und Forschungsliteratur voraus. Viele der zu behandelnden Quellen liegen in Frakturschrift vor, weshalb entsprechende Lesekenntnisse Voraussetzung sind, beziehungsweise schnellstmöglich erworben werden sollten.

Einführende Literatur:

  • Härter, Karl: Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte der Frühen Neuzeit (methodica Einführungen in die rechtshistorische Forschung 5), Berlin 2018.
  • Kamp, Jeannette: Crime, Gender and Social Control in Early Modern Frankfurt am Main, Leiden 2020.
  • Schwerhoff, Gerd: Historische Kriminalitätsforschung (Historische Einführungen 9), Frankfurt/New York 2011.
  • Sikora, Michael: Disziplin und Desertion. Strukturprobleme militärischer Organisation im 18. Jahrhundert (Historische Forschungen 57), Berlin 1996.

Younes Ait Harma, M.Ed.

wissenschaftlicher Mitarbeiter

040128 Übung zu speziellen Methoden und Theorien:

Dirnen, Diebe, Deserteure. Quellen zur Kriminalität und Strafgerichtsbarkeit im 18. Jahrhundert

Mo 14:00h - 16:00h, 
GABF 04/711

Kriminalität bezeichnet die Gesamtheit der Verhaltensweisen, die von den sozialen und rechtlichen Kontrollinstanzen der jeweiligen Gesellschaft als Normverstöße verfolgt und sanktioniert werden. Somit ist Kriminalität auch historisch variabel und soziokulturell konstruiert. Deutschsprachige Territorien des Alten Reiches waren im 18. Jahrhundert direkt oder indirekt in einer Vielzahl von Kriegen involviert, sodass Formen von Gewalt und Delinquenz stets präsent waren und sich gewisse Gewöhnungseffekte etablierten. Damit wurden etwa Gewaltdelikte anders bewertet und betrachtet als heute. Anhand verschiedener Quellen wird in der Übung der Fokus auf drei Gruppen im 18. Jahrhundert gesetzt, die nach zeitgenössischem Verständnis Kriminaldelikte begingen und mit der frühneuzeitlichen Strafgerichtsbarkeit in Berührung kamen: Rand-gruppen (Juden, Fahrende, etc., (ehemalige) Soldaten und Frauen. Dabei sollen auch Einblicke in Wechselwirkungen zwischen den betroffenen Menschen und den sich im Laufe der Frühen Neuzeit ausdifferenzierenden staatlichen Strukturen und Instanzen, die Strafverfolgung und -gerichtsbarkeit erst ermöglichten, gewährt wer-den. Darüber sollen wichtige historiographische Interpretationsvorschläge zur Frühen Neuzeit diskutiert werden. Die Übung setzt eine hohe Lesebereitschaft von frühneuzeitlichen Quellen und Forschungsliteratur voraus. Viele der zu behandelnden Quellen liegen in Frakturschrift vor, weshalb entsprechende Lesekenntnisse Voraussetzung sind, beziehungsweise schnellstmöglich erworben werden sollten.

Einführende Literatur:

  • Härter, Karl: Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte der Frühen Neuzeit (methodica Einführungen in die rechtshistorische Forschung 5), Berlin 2018.
  • Kamp, Jeannette: Crime, Gender and Social Control in Early Modern Frankfurt am Main, Leiden 2020.
  • Schwerhoff, Gerd: Historische Kriminalitätsforschung (Historische Einführungen 9), Frankfurt/New York 2011.
  • Sikora, Michael: Disziplin und Desertion. Strukturprobleme militärischer Organisation im 18. Jahrhundert (Historische Forschungen 57), Berlin 1996.


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