Im Mittelpunkt von Lehre und Forschung stehen die deutsche und europäische Kultur-, Sozial und Wissensgeschichte vom Anfang des 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts. Dabei wird ein dezidiert geschlechtergeschichtlicher Ansatz verfolgt. Das Augenmerk richtet sich insbesondere auf die Geschichte der Normierung von "Männlichkeit" und "Weiblichkeit", Medizin- und Körpergeschichte, Mentalitäts- und Alltagsgeschichte, historische Kriminalitätsforschung, Geschichte des Krieges und der Gewalt, sowie auf die Erforschung der Genese und Mechanismen von Wissen und Wissenstransfer.
DFG-Projekt (Sachbeihilfe)
Die DFG finanziert drei Mitarbeiter*Innenstellen sowie Sachbeihilfe für drei Jahre. Das Forschungsprojekt hat im Februar 2022 seine Arbeit aufgenommen. Es wurde seitens der DFG kostenneutral bis Januar 2027 verlängert. Es besteht aktuell aus den folgenden zwei Teilprojekten.
Das Projekt verbindet die geschlechter- und körpergeschichtliche Dimension mit dem praxeologischen Ansatz der neueren Verwaltungs- und Landesgeschichte. Die Bedeutung der relationalen Kategorie Geschlecht wird für die Konstituierung und Stabilisierung von Herrschaft und Staatlichkeit im Sinne der Foucaultschen Gouvernementalität und Biopolitik überprüft. (Geschlechter- und Körpernormen, Selbst- und Fremdzuschreibungen im frühneuzeitlich konfessionalisierten Staatsbildungsprozess).
Anhand bisher nicht untersuchter Ehegerichtsverfahren vor den konfessionell heterogenen hohenlohischen Konsistorien der verschiedenen Linien (1648 bis zur Mediatisierung 1806) sollen die konkreten Wege und Formen der Stabilisierung frühmoderner Staatlichkeit und die Durchdringung aller Lebensbereiche, bis auf die Ebene des Körpers des Individuums untersucht werden.
Das Fehlen einer intermediären Schicht wie Niederadel oder Landstände ermöglicht die Analyse des direkten Eingreifens der Herrscher und ihrer Räte in das (Familien-)Leben der Untertanen. Konkret sollen die auf Ehe-, Sexualität und Fortpflanzung bezogenen Verfahren einerseits auf ihre bevölkerungspolitische Bedeutung hin untersucht, andererseits der Charakter und die Rolle von Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern sowie generellen Ehevorstellungen für die verschiedenen Verfahrensbeteiligten herausgearbeitet werden.
An dieser Schnittstelle von emotionalisierten und strategischen Konflikten um das Auflösen bzw. Eingehen einer Ehe, lässt sich die Gemengelage administrativer Verfahren, herrschaftlicher Interessen und formal nicht-staatlicher Instanzen wie Familie, Nachbarschaft, Arbeitsumfeld und Gemeinde nachverfolgen und beschreiben. Hierbei wird zwischen der Ordnungsfunktion von Sexualitätspolitik in Form bevölkerungspolitisch motivierter Ehebeschränkungen bzw. Ehebeförderung auf der einen und der theologisch motivierten Unzuchtsbekämpfung auf der anderen Seite zu unterscheiden sein.
Besonderes Augenmerk kommt dabei 1. den vielfältigen, teilweise konkurrierenden Normen und Verwaltungspraktiken, u.a. der Einholung externer Berichte und Gutachten durch Mediziner, Juristen und Theologen zu. 2. stehen die Beamten und Pfarrer im Fokus, fungierten diese doch als Scharnier zwischen Untertanen und Herrschern. Und 3. gilt es, den Einfluss der konfessionell konkurrierenden Interessen der verschiedenen hohenlohischen Linien dabei mit zu berücksichtigen.
Die DFG finanziert eine Mitarbeiterstelle sowie Sachbeihilfe für drei Jahre. Das Forschungsprojekt hat im Juni 2024 seine Arbeit aufgenommen.
Es untersucht die Seuchenbekämpfung durch die verschiedenen Kriegsparteien, zivilen Obrigkeiten und Teile der regionalen Bevölkerungen während des Ersten Koalitionskrieges (1792-1797). Auf der Makroebene rückt das Projekt dabei Formen der Herrschaftsstabilisierung durch die Betrachtung militärischen wie zivilen Regierungs- und Verwaltungshandelns in den Fokus. Dies soll auf der Mikroebene mit den (Re-)Aktionen der Zivilbevölkerung eines mehrere Territorialgrenzen überschreitenden Untersuchungsraumes entlang des Nieder-, Mittel- und Oberrheins verbunden werden.
Rekonstruiert werden sollen die sowohl auf militärische Funktionalität und Kampffähigkeit der Truppen als auch auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Zivilbevölkerungen bezogenen Aktivitäten und Maßnahmen der verschiedenen Beteiligten (Akteure). Dabei wird eine sozialhistorische und damit auch verfahrens- und kommunikationsgeschichtliche Perspektive eingenommen. Gefragt wird erstens nach der gesundheitspolitischen Bedeutung der Handlungen, zweitens nach Charakter und Signifikanz von Handlungsspielräumen (Agency) und drittens nach konkurrierenden Interessen der verschiedenen Akteure. Anhand der Konflikte um das gemeinsame Ziel der Eindämmung vermuteter Infektionsketten, lassen sich sowohl die Grenzen dichotomer Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit wie auch von Zivil- und Militärgesellschaft, als auch von Freund und Feind in Bezug auf Maßnahmen der Seuchenbekämpfung untersuchen.
Als Quellenbasis dienen dem Projekt unter anderem obrigkeitliche Verfügungen zur Seuchenbekämpfung, Intelligenzblätter, Korrespondenzen zwischen militärischer und ziviler Verwaltung, Lazarettlisten und -inventare, Pfarrchroniken, medizinische Gutachten sowie Tagebücher von Soldaten wie auch ZivilistInnen.