Ein lang gehegter und geplanter Traum wurde wahr: Das SBR und der Popchor der RUB vereinigen sich. Wie könnte das Motto da anders lauten als „Klangfusion“, denn eine so intensive Mischung aus Stimme und Instrumenten gab es sicherlich im Audimax noch nie. Das Projekt begann bereits mit einem guten Jahr Planungsaufwand in kleineren Teams vorab. Schließlich ist die Auswahl geeigneter Literatur für diese Besetzung nicht ganz so groß, sodass die Akteur:innen noch einige Werke mit zusätzlichen Chorstimmen arrangieren mussten. Auch eine ausreichend große Chorbesetzung war dringend nötig, damit das stark besetzte Blasorchester diesen nicht übertönen würde. Die Sänger:innen-Akquise begann daher bereits frühzeitig Ende 2025 und mündete schließlich zu den gemeinsamen Sommerkonzerten in einer Besetzung von rund 75 Instrumentalist:innen und 170 Sänger:innen.
Die gemeinsamen Proben stellten beide Ensembles vor interessante Herausforderungen, etwa, dass die Dirigenten Uwe Kaysler und Johannes Hanl gemeinsam und synchronisiert dirigieren mussten. Außerdem benötigten sie jeweils Mikrophone, um in den Proben von allen Mitwirkenden gehört zu werden. Nebenher mussten auch geeignete Pizzerien gefunden werden, die sich trauten, uns „mal eben“ 40 Bleche Pizza zu liefern. Zuletzt stellte sich die Frage, wie wir möglichst viele Leute am Konzerterlebnis teilhaben lassen könnten, insbesondere wenn es wieder heiß im Saal würde und einige Rangplätze durch den Chor belegt sind. Schnell fand sich der Konsens, dass wir einmalig einen Livestream für beide Tage mit mehreren Kameras und gemixtem Ton organisieren werden. Dafür hat sich ein eigens gegründetes Technikteam mehrere Monate vorbereitet und war am Ende auch sehr erfolgreich.
Unser Programm war ein Querschnitt absoluter Highlights der Pop- und Filmgeschichte. Die Moderation wurde beinahe professionell durch die Klangfusion von Lena aus dem SBR und Christopher aus dem Popchor durchgeführt. Glücklicherweise war das Audimax an diesem besonders heißen Juniwochenende überraschend gut klimatisiert. Dennoch war das Publikum, welches draußen in der Schlange wartete, sehr dankbar, für die von uns initiierte Wassereisverteilung sowie die erstmalige Ausgabe von SBR-Style-Fächern. Zum „aufwärmen“ eröffneten wir mit dem berühmten Ohrwurm „Africa“ von Toto. Anschließend folgte die düstere Musik aus „Crimson Tide“ aus der Feder Hans Zimmers, in der der Chor eine stimmungsvolle Dramatik ergänzte.
Mit dem Hit „Bohemian Rhapsody“ brachten wir neben dem Chor sogar noch ein großes E-Gitarren-E-Bass-Solo mit. Die Filmmusik zu „Amistad“ mit dem Titel „Dry your Tears, Afrika“ wurde sogar auf der Landessprache Mende gesungen. Als dritte Sprache des Konzertes folge in „Gabriellas Song“ sogar auch Schwedisch. Mit dem getragenen, hoffnungsvollen Werk bereiteten wir auf ein absolutes Highlight vor: „At Worlds End“, Fluch der Karibik Teil 3. Alles begann mit einem sich steigernden schließlich mehrstimmigen Befreiungsgesang der Seeleute „Hoist the Colours“ der von rasselnden Ketten begleitet wurde. Es folgte ein Rundumschlag der bekannten Melodien Hans Zimmers zu dem Film, der das Publikum begeistert in die Pause entließ.
Nachdem das Hornregister zum Ende der Pause geblasen hatte und das SBR wieder den Saal betreten hatte, ging ein kurzes Raunen durch den Saal: „Wo ist der Chor?“. Natürlich hatte hier niemand seinen Einsatz verpasst: mit der Originalkomposition „Welcome Overture“ hat Otto M. Schwarz eine besondere Fußballstadionsszene eingebaut, zu der der gesamte Chor im Fußballdress einlief und für die passende Stimmung das Audimax anheizte. Das Ganze inklusive mehrfacher Laola-Welle – eine Premiere in diese Hause und sehr passen zum später am Abend folgenden WM-Spiel der deutschen Mannschaft. Es folgte ein vielseitiges Arrangement der größten Highlights aus dem Musical „Les Misérables“, natürlich mit Gänsehautmomenten und zuletzt tatsächlich mit hörbar singenden Menschen zu „Do you hear the people sing“.
Zum beinahe Ende des Konzerts hatten wir uns ein kleines aber feines Originalwerk für Blasorchester mit Chor des deutschen Komponisten Thiemo Kraas ausgesucht. Er hat uns sogar selbst vorab einige Fragen zu seinem Stück „Welt in Farbe“ beantwortet und über den Livestream zugeschaut. Als großes Finale durfte natürlich Elgars großer Satz „Pomp and Circumstance No. 1“, ganz im Sinne der „Last Night of the Proms“ nicht fehlen.
Den Standing Ovations im Publikum wurden wir mit einer beliebten Gospel-Nummer „I will follow Him“, bekannt durch „Sister Act“ gerecht. Unsere klassische Zugabe durfte auch dieses Mal nicht fehlen, jedoch wurde das „Steigerlied“ mit einer einkomponierten Mehrstimmigkeit besonders laut gesungen.
@ Fotos von Taken for You