Luftbildarchäologie in Westfalen

Ansprechpartner: Dr. Baoquan Song

Baoquan.Song@ruhr-uni-bochum.de

Die prähistorischen Kulturlandschaften Westfalens

Von 2010 bis 2012 werden die prähistorischen Kulturlandschaften Westfalens im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der LWL-Archäologie für Westfalen-Lippe und der Ruhr-Universität Bochum versuchsweise prospektiert. Dabei kamen Luftbildarchäologie, geophysikalische Messungen, Feldbegehungen und Sondierungen zum Einsatz. Ziel des Projektes war, durch kombinierten Einsatz moderner Prospektionsmethoden Möglichkeiten herauszufinden, um archäologische Forschung und Bodendenkmalpflege effektiv und kostengünstig zu gestalten.

Luftbildarchäologie in Bochum

Die Luftbildarchäologie gilt als eine flächendeckende, wirkungsvolle und zugleich zerstörungsfreie Prospektionsmethode in der Archäologie und Bodendenkmalpflege, die seit mehr als ein Jahrzehnt zum Schwerpunkt der Lehre und Forschung am Institut für Archäologische Wissenschaften der Fakultät für Geschichtswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum gehört. Das Institut verfügt über ein Luftbildarchäologie-Labor und betreibt im Rahmen von Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekten archäologische Flugprospektion neben Einsätzen in China, Iran, Georgien und Spanien seit 2002 auch sporadisch in ausgewählten Gebieten in Nordrhein-Westfalen.

Westfalen aus der Luft

In dem vorliegenden Projekt gilt es zu untersuchen, inwiefern die Kulturlandschaften Westfalens mit Hilfe der Luftbildarchäologie erforscht werden und gegebenenfalls wie die Methoden der Luftbildarchäologie an hiesigen Verhältnissen angepasst werden können. Mit einem eher sehr bescheidenen Budget von jährlich durchschnittlich 25 bis 30 Flugstunden kann unsere Arbeit natürlich nur exemplarischer Versuch sein, denn für eine systematische Befliegung Westfalens werden unserer Einschätzung nach mindestens 150 bis 200 Flugstunden pro Jahr benötigt. In den letzten drei Jahren wurden dennoch einerseits grundlegende methodische Erfahrungen in unterschiedlichen Kulturlandschaften unseres Arbeitsgebiets gesammelt und andererseits mehr als 150 neue Fundstellen entdeckt, dazu gehören Erdwerke, Ringwallanlagen, Siedlungsplätze, Militäranlagen, Gräberfelder, Landwehr, Straßen und andere Infrastrukturen, Ackerbauspuren, Burgruinen usw., die sich zeitlich über fast alle Epochen der Ur- und Frühgeschichte vom Neolithikum bis zum Mittelalter erstrecken.

Das römische Standlager Haltern

Das römische Standlager von Haltern ist eigentlich schon seit langem in der Forschung bekannt und befindet sich zum großen Teil unter der heutigen Stadt Haltern. Nur die Nordwestecke des Lagers ist bislang nicht überbaut. Dank der Trockenheit im Frühjahr 2011 waren die Doppelgräben der Nordwestumwehrung des Hauptlagers am 15.05.2011 zum ersten Mal sichtbar. Nicht weit westlich davon wurden Spuren eines bereits untersuchten Marschlagers, bekannt als Feldlager, und eines neuen Marschlagers dokumentiert. Etwa einen halben Monat später wurden die Spuren des Hauptlagers noch deutlicher, so dass die Pfostenspuren der Holz-Erde-Mauer auf Luftbildern aufgenommen werden konnten (Abb. 01). Die Erdbrücke der Umwehrungsgräben konnte als das Nordtor identifiziert werden.

Das römische Standlager Haltern
Abb. 01: Das römische Standlager Haltern


Die Motte "Schwatte Borg"

Im Auftrag der LWL-Archäologie für Westfalen wurde die Motte "Schwatte Borg" südlich von Dorsten-Rhade am 02.06.2011 als Bewuchsmerkmale dokumentiert. Die Anlage schien bereits völlig eingeebnet und ursprünglich mit dreifachen Gräben umgeben gewesen zu sein. Rund um die Gräben sind Spuren weiterer Bauten ebenfalls als positive und negative Bewuchsmerkmale sichtbar (Abb. 02). Erst bei dem Nachprüfungsflug am 10.02.2012 wurde durch Schattenmerkmale festgestellt, dass diese Motte teilweise noch oberirdisch im Bodenrelief erhalten ist und nur zweifache Gräben besaß (Abb. 03).

Positive und negative Bewuchsmerkmale der "Schwatte Borg"
Abb.02: Positive und negative Bewuchsmerkmale der "Schwatte Borg"

Schattenmerkmale der "Schwatte Borg"
Abb. 03: Schattenmerkmale der "Schwatte Borg"


Der mittelalterliche Turmhügel "Fuchsspitze"

Der mittelalterliche Turmhügel "Fuchsspitze" unmittelbar am Südufer der Lippe und der etwas höher, auf der Flussterrasse liegende Ringwall "Burgstätte" sind schon seit rund 150 Jahren in der Forschung bekannt. Zunächst ging man von einem römischen Ursprung der Anlagen aus, bis Prof. Albert Baum (1862-1934), der Leiter des von ihm begründeten Dortmunder Kunst- und Gewerbemuseums, in den Jahren 1897 und 1898 hier archäologische Grabungen unternahm. Spektakuläre Luftbilder aus dem Jahr 2011 lassen diesen ohnehin bedeutenden Komplex in einem neuen Licht erscheinen. Obwohl die Fundstelle seit 2008 im Zusammenhang mit dem Ausstellungsprojekt "AufRuhr 1225" regelmäßig aus der Luft beobachtet wurde, kam erst am 25.05.2011 ein überraschender Luftbildbefund, nämlich Bewuchsmerkmale einer zum großen Teil eingeebneten Befestigungsanlage mit mehrfachen Gräben, zum Vorschein (Abb. 04).
Bewuchsmerkmale einer eingeebneten Befestigungsanlage
Abb. 04: Bewuchsmerkmale einer eingeebneten Befestigungsanlage