Janosch Steuwer, M.A.
Janosch Steuwer

Forschungsschwerpunkte

  • Gesellschaftsgeschichte des Nationalsozialismus
  • Geschichte der europäischen Parteienkooperation
  • Geschichte des Tagebuchs im 20. Jahrhunderts

Aktuelle Lehrveranstaltungen

  • Übung zu speziellen Methoden und Theorien: Selbstzeugnisse des 20. Jahrhunderts. Zeitgeschichtliche Zugänge zu einer Geschichte des Selbst. Mi. 14-16, GABF 04/352.

Kontakt

e-mail: janosch.steuwer@rub.de
Tel: 0234 - 32 - 24672
Sprechstunde: Mi., 16-17 Uhr
Raum: GA 4/57







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Promotionsprojekt "Private Leben und nationalsozialistische Politik. Tagebücher und die individuelle Herausforderung des Nationalsozialismus 1933-1939"

In meinem Dissertationsprojekt habe ich untersucht, wie sich der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft auf die An- und Selbstsichten sowie das alltägliche Verhalten der Deutschen auswirkte. Das NS-Regime war von Beginn an nicht allein darum bemüht, seine politische Macht zu sichern, sondern zielte vor allem auf eine grundlegende Neuordnung der deutschen Gesellschaft. In diesem Zusammenhang erhob das Regime weitreichende Forderungen gegenüber dem alltäglichen Verhalten und den persönlichen wie politischen Ansichten der einzelnen Zeitgenossen: Forderungen nach der Zuordnung zum NS-Regime, um Unterstützung zu gewinnen und Juden und andere "Volksfeinde" gesellschaftlich zu isolieren; Forderungen nach der Veränderung eigener Selbstvorstellungen, in denen neue ideologische Kategorien wie „Rasse“ oder „Gemeinschaft“ nun einen zentralen Platz einnehmen sollten; sowie Forderungen nach der Beteiligung am politischen System des NS-Regimes, das vielfältige Angebote zum Mitwirken machte. Durch die Auswertung von rund 140 Tagebüchern der 1930er Jahre analysiert die Studie gleichermaßen die konkreten Reaktionsweisen der Zeitgenossen auf die ihnen gegenüber erhobenen Forderungen, als auch den Anteil, den diese Reaktionen an der nationalsozialistischen Transformation der deutschen Gesellschaft zwischen 1933 und 1939 hatten. Mit Blick auf die massenhafte Zuordnung zum NS-Regime, die Veränderung eigener Selbstbilder und Lebensweisen sowie die Formen politischen Bewertens und Handelns in der NS-Diktatur zeigt die Studie dabei auf, wie die individuellen Reaktionen der Zeitgenossen die nationalsozialistische Herrschaft zugleich ermöglichten und begrenzten. In den Tagebüchern der 1930er Jahre wird damit eine Form privaten Lebens sichtbar, die weder vom Nationalsozialismus unberührt blieb, noch durch die Instanzen des NS-Regimes in dem beabsichtigten Maße gesteuert wurde. Vielmehr entstand durch die übergriffigen Herausforderungen individueller Lebensweisen durch das NS-Regime während der 1930er Jahre eine enge Verflechtung von Herrschaft und privaten Leben, die konfliktreich verlief, individuelles Verhalten ebenso betraf wie Selbstvorstellungen und persönliche Überzeugungen, durch verschiedene Absichten und Interessen geprägt blieb und gleichermaßen des Zutuns der politischen Institutionen und der einzelnen Zeitgenossen bedurfte.

Publikationen

  • gemeinsam mit Rüdiger Graf (Hg.): Selbstreflexionen und Weltdeutungen. Tagebücher in der Geschichte und der Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts, Göttingen 2015 [Inhaltsverzeichnis und Leseprobe].
    - zusammen mit Rüdiger Graf: Selbstkonstitution und Welterzeugung in Tagebüchern des 20. Jahrhunderts, in: ebd., S. 7-36.
    - "Weltanschauung mit meinem Ich verbinden". Tagebücher und das nationalsozialistische Erziehungsprojekt, in: ebd., S. 100-123.
  • "Ein neues Blatt im Buche der Geschichte": Tagebücher und der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933/34, in: Frank Bajohr/Sybille Steinbacher (Hg.): »... Zeugnis ablegen bis zum letzten«. Tagebücher und persönliche Zeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust, Göttingen 2015, S. 42-60 (im Erscheinen).
  • "Jeder wird heute irgendwie in den Strudel der Ereignisse gezogen." Zum historiografischen und musealen Umgang mit Tagebüchern der 1930er und 1940er Jahre, in: Museumsverband des Landes Brandenburg (Hg.): Entnazifizierte Zone? Zum Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus in ostdeutschen Stadt- und Regionalmuseen, Bielefeld 2015, S. 111-126.
  • Fremde als "Problem": Skizze des Framing der fremdenfeindlichen Bewegung der frühen 1990er Jahre, in: Jürgen Mittag und Helke Stadtland (Hg.): Theoretische Ansätze und Konzepte der Forschung über soziale Bewegungen in der Geschichtswissenschaft, Essen 2014, S. 167-187.
  • gemeinsam mit Hanne Leßau: 'Wer ist ein Nazi? Woran erkennt man ihn?' Zur Unterscheidung von Nationalsozialisten und anderen Deutschen, in: Mittelweg 36, 1 (2014), S. 30-51.
  • Was meint und nützt das Sprechen von der „Volksgemeinschaft“? Neuere Literatur zur Gesellschaftsgeschichte des Nationalsozialismus, in: Archiv für Sozialgeschichte 53 (2013), S. 487-534. [PDF]
  • Das Paradox der gesellschaftlichen Selbstaufklärung. Zwangsarbeiterentschädigung und öffentliche Meinung in Deutschland, in: Die Entschädigung von NS-Zwangsarbeit am Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und ihre Partnerorganisationen, hrsg. von Constantin Goschler in Zusammenarbeit mit José Brunner, Philipp Ther und Krzysztof Ruchniewicz, Band 1: Die Stiftung. Der Abschluss der Wiedergutmachung? Göttingen 2012, S. 148-234.
  • Conference Report: Diverging Paths? Conservatism in Britain and West Germany from the 1960s to the 1980s, in: German Historical Institute London. Bulletin 34 (2012), 2, S. 111-117. [deutsche Version]
  • Die andere Europäische Einigung: Entwicklungslinien der transnationalen Kooperation rechtsextremer Parteien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in: Mitteilungsblatt des Instituts für Soziale Bewegungen 46 (2011), S. 87-96.[PDF]
  • Conference Report: German Society in the Nazi Era. Volksgemeinschaft between Ideological Projection and Social Practice, in: German Historical Instiute London. Bulletin 32 (2010) 2, S. 120-128. [deutsche Version]
  • zusammen mit Jürgen Mittag: Politische Parteien in der EU, Wien 2010. [Inhaltsverzeichnis]
  • zusammen mit Jürgen Mittag: "Die größte Friedenspartei in Deutschland..." Programmatik und Semantik der Friedenskonzeptionen sozialdemokratischer Bundespräsidenten und Bundeskanzler, in: Stadtland, Helke (Hg.): "Friede auf Erden". Religiöse Semantiken und Konzepte des Friedens im 20. Jahrhundert, Essen 2009, S. 195-230.
  • Eine neue Partei ,links von der SPD‘. Überlegungen zur Bedeutung nicht-etablierter Kleinparteien im politischen System Nordhrein-Westfalens am Beispiel der WASG und Linkspartei.PDS, in: Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen (2008) 38, S. 97-124.[PDF]
  • Veröffentlichte Schriften und Reden von Johannes Rau, in: Jürgen Mittag/Klaus Tenfelde (Hg.): Versöhnen statt Spalten. Johannes Rau: Sozialdemokratie, Landespolitik und Zeitgeschichte, Oberhausen 2007, S. 361-402.
  • Rechtsextremismus und Europa: Verkehrte Welten? Die Entwicklung des Europäischen Rechtsextremismus seit 1945, in: Jürgen Mittag (Hg.): Politische Parteien und europäische Integration. Entwicklung und Perspektiven transnationaler Parteienkooperation in Europa, Essen 2006, S. 361-389.
  • zusammen mit Siebo Janssen: Die christlich-konservative Volkspartei: Potenziale und Probleme der Zusammenarbeit christdemokratischer und konservativer Parteien in der EVP, in: ebd., S. 579-601.
  • Dokumentation: Die Entwicklung der europäischen Parteiorganisationen nach 1945, in: ebd., S. 723-767.
  • zusammen mit Jürgen Mittag: Legitimation durch Kommunikation? Das Weißbuch der EU-Kommission, in: Dokumente. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog (2006) 3, S. 14-21.
  • Rezensionen für H-Soz-u-Kult, Zeitschrift für Genozidforschung, Mitteilungsblatt des Instituts für soziale Bewegungen.