Molekulargenetische Diagnostik

Maligne Hyperthermie (MHS1)
OMIM: 145600 (MHS1), 180901 (RYR1)

Hintergrund

Maligne Hyperthermie (Malignant hyperthermia susceptibility 1; MHS1) ist eine seltene (~1:10.000), autosomal dominant (ad) vererbte, "pharmakogenetische" Erkrankung. Bei klinisch-neurologisch meist unauffälligen Patienten wird die Erkrankung erst bei Narkosen erkannt, wobei die gesamte Skelettmuskulatur abnorm auf halogenierte Anästhetika und depolarisierende Muskelrelaxantien (sog. Trigger-Substanzen) reagiert.
Während einer MHS1-Krise entgleist die Kontrolle des Kalziumstoffwechsels. Erhöhte Kalziumkonzentration bewirkt generelle Stimulation sämtlicher energieverbrauchender Prozesse in der Skelettmuskulatur (quergestreifte Muskeln) und führt zur charakteristischen Stoffwechselsteigerung im gesamten Organismus durch Erhöhung des Blutdrucks und der Pulsfrequenz mit erhöhter Körpertemperatur. Das klinische Bild kann von differentialdiagnostisch schwer zu erfassenden MHS1-Episoden bis zur fulminanten MHS1-Krise reichen. Die frühzeitige Diagnose erfolgt dank monitoring der Patienten mit Elektrokardiographie (EKG) und Kapnographie.
Abklärung bei MHS1-verdächtigen Reaktionen erfolgt mit der in-vitro Muskelkontrakturtests (IVT) mit Halothan und Koffein.

Molekulargenetische Diagnostik

MHS1 ist eine genetisch heterogene Erkrankung. Ein wichtiger krankheitsverursachender Lokus wurde für die MHS1 auf die Chromosomen-Region 19q12-13.2 eingegrenzt. In diesem chromosomalen Bereich wurde das Gen für den muskulären Ryanodinrezeptor (RYR1), den Ca2-freisetzenden Ca2-Kanal des sarkoplasmatischen Retikulums kartiert. Das 159.000 Basenpaar große Gen umfasst 106 Exons und ist mit 2.200 kDA und 5000 Aminosäuren für die vollständige Mutationsanalyse recht groß. Mehr als 200 hotspot-Mutationen verursachen MHS1. Diese Mutationen werden bei ~45% der MHS1-Patienten identifiziert.

Erforderliches Probenmaterial

  • 5-10 ml EDTA-Blut (2 Proben)

EDTA-Blutproben für molekulargenetische Untersuchungen können in der Regel ungekühlt mit der Post verschickt werden.
Bitte beschriften Sie alle Probengefäße eindeutig mit Namen und Geburtsdatum des Patienten. Nicht eindeutig beschriftete Proben können nicht bearbeitet werden. Bitte benutzen Sie unsere Anforderungsscheine (incl. Patienteneinverständnis-Erklärung). Hier können alle erforderlichen Angaben zur Anforderung von Untersuchungen eingetragen werden.

Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG ist erforderlich!

Bei humangenetischen Untersuchungen ist wichtig, ob es sich um eine diagnostische Abklärung bei einem Erkrankten oder um (prädiktive) Testung einer Risikoperson auf Anlageträgerschaft für eine in der Familie bekannte Mutation handelt. Bei prädiktiven genetischen Untersuchungen ist gemäß GenDG eine vorherige genetische Beratung verpflichtend gefordert.

Methode

Aus der Blutprobe wird genomische DNA isoliert und 51 Exons (2-6, 8, 9, 10-15, 17, 24, 33, 34, 38-40, 42-48, 51, 52, 67, 71, 73-75, 85, 86, 90, 91, 94, 95, 97, 98-104) des RYR1-Gens durchgeführt. Bei entsprechender klinischer Fragestellung und vorliegendem in vitro Kontraktion Tests kann die Sequenzierung der restlichen Exons des RYR1-Gens angeboten werden.

Zusätzlich ist das o.g. Gen Bestandteil unseres NGS-Muskelpanels. Diese Panelanalyse kann momentan nur auf Anfrage und nach Einzelfallgenehmigung durch die Krankenkassen durchgeführt werden.

RYR1-Mutationen sind tabellarisch bei HGMD (The Human Gene Mutation Database Cardiff) aufgelistet: http://www.hgmd.cf.ac.uk/ac/index.php

Ausführliche Informationen zur malignen Hyperthermie:
European Malignant Hyperthermia Group (EMHG)

Dauer der Untersuchung: bis zu 4 Wochen nach Probeneingang (Sequenzierung)
Kosten: auf Anfrage

Ausführliche Informationen zur malignen Hyperthermie:
European Malignant Hyperthermia Group (EMHG)

Akkreditiertes Verfahren nach DIN EN ISO 15189:2014

 

Diagnostik

  • Dr. rer. nat. Gabriele Dekomien 
    Humangenetik
    Gebäude MA 5
    Ruhr-Universität
    Universitätsstraße 150
    44801 Bochum
    Germany

    Tel.: +49 (0)234/32-25764
    Fax: +49 (0)234/32-14196
    gabriele.dekomien@rub.de