RUB » Alumni » Im Gespräch » Politik und Verwaltung » Karin Settele

2005

Karin Settele

Geschäftsführerin der Hilfsorganisation HELP

Karin Settele studierte von 1984 bis 1991 an der RUB Geografie und schloss ihr Studium 1991 als Diplom Geografin erfolgreich ab. Als Nebenfächer belegte sie Raumordung und Soziologie. Nach ihrem Studium war sie mehrere Jahre in Afrika in verschiedenen Hilfsprojekten aktiv. Aktuell ist sie Geschäftsführerin der Hilfsorganisation "HELP - Hilfe zur Selbsthilfe e.V." in Bonn. In den letzten Jahren war sie schwerpunktmäßig in den Regionen Balkan und Iran vor Ort aktiv. Im Rahmen der Tsunami-Katastrophe hat sie den Ersteinsatz für HELP organisiert und ist Sprecherin der Projektgruppe des Bündnisses "Aktion Deutschland Hilft".

Bildung ist ein sehr hoch einzuschätzendes Gut,
dass einem keiner mehr wegnimmt!

RUB Alumni: Was waren die Gründe, warum Sie damals in Bochum angefangen haben zu studieren?

Settele: Das ist eigentlich eine ganz profane Geschichte: Mein damaliger Freund studierte in Bochum und so bin ich nach Bochum gekommen. Leider kann ich da nichts Intellektuelleres bieten, warum es nun gerade Bochum geworden ist.

RUB Alumni: Sie sind aber keine gebürtige Bochumerin, oder?

Settele: Nein, ursprünglich komme ich aus Ulm. Über den Umweg Stuttgart, wo ich ein freiwilliges soziales Jahr gemacht habe, bin ich dann nach Bochum gekommen.

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal die Wahl hätten, würden Sie noch mal Bochum als Studienort wählen?

Settele: Auf alle Fälle! Als ich das erste Mal in meinem Leben hier im Ruhrgebiet war, fand ich das alles ganz fürchterlich und verwirrend, die schiere Größe der Städte, aber auch der riesigen Industrieanlagen. Ich kann mich noch erinnern, als ich nachmittags mal losgezogen bin und nur Zechen und Industrieanlagen fotografiert habe. Ich brauchte auch einige Jahre, um mit der Uni und Bochum warm zu werden, aber so nach zwei, drei Jahren habe ich wirklich gerne in Bochum gelebt. Ich muss ehrlich sagen, ich denke immer gerne an die Bochumer Zeit zurück und Veranstaltungen wie Bochum Total vermisse ich schon.

RUB Alumni: Fällt Ihnen denn eine nette Geschichte oder Anekdote ein, wenn Sie an Ihre Zeit hier an der Bochumer Uni zurückdenken?

Settele: Die Vorlesung von Prof. Liedke, ich glaube es waren „die Grundlagen der Geomorphologie“ der glaziale Formenschatz. Prof. Liedke konnte doch sehr eingängig unter Einsatz seines leichten Bauchansatzes und unter weiterer Zuhilfenahme seiner Hosenträger den Eisvorschub und Rückzug deutlich machen. Das sind Bilder die man nie vergisst und die einen auch nach bald zwanzig Jahren noch grinsen lassen. Auch die Skandinavienexkursion 1987, mit Dr. Bronny und Dr. Duckwitz ist mir im Gedächtnis geblieben. Ich hatte damals das erste Mal, bislang auch das einzige Mal, das Polarlicht gesehen. Und so etwas bleibt schon in Erinnerung.

RUB Alumni: Können Sie denn Ihr Studium in einige wenige Worte zusammenfassen?

Settele: Verwirrend, interessant, spannend, effektiv!

RUB Alumni: Wie lange hat es denn gedauert, Sie haben gerade schon den Begriff 'verwirrend' benutzt, bis Sie das Geschosssystem der Ruhr-Uni durchschaut haben?

Settele: Das Geschosssystem war nie ein Problem. Mein Problem war die Platzierung der Gebäude. Und das Zurechtfinden im Inneren, mit den Raumnummern, das war dann schon eher ein Problem.

RUB Alumni: Welche Probleme hatten Sie genau mit den Gebäuden?

Settele: Eigentlich ist es ja sehr logisch. Aber in dieses logische System erstmal reinzukommen, dass war die Schwierigkeit.

RUB Alumni: Besitzen Sie denn noch heute Gegenstände aus Ihrem Studium?

Settele: Den Kompass und relativ viele Bücher. Ich glaube mein Studienbuch habe ich auch noch. Die Bücher helfen mir heute immer noch, wie beispielsweise die Grundlage der physischen Geografie oder Raumordung, da schaue ich immer mal wieder rein. Ich habe viel auf dem Balkan gearbeitet, der ja bekannt ist für seinen Karst, da erinnere ich mich auch immer wieder gerne an Prof. Liedtke, der viel an jugoslawischen Karsts gearbeitet hat, dass lese ich zum Auffrischen ganz gerne zum Einschlafen!

RUB Alumni: Wenn Sie sich vorstellen, Sie wären heute Kanzler oder Rektor an der Bochumer Universität, was würden Sie ändern oder initiieren? Was hätten Sie für eine Idee, wenn der Vorschlag kostendeckend sein müsste! ?

Settele: Ich würde versuchen, eine Stärkung eines Generalstudiums zu fördern. Nur ein Beispiel: Ich hatte damals mal einen Rhetorikkurs belegt, weil ich so Angst hatte Referate vorzutragen. Von diesem Kurs zehre ich heute, noch bei Vorträgen oder Seminaren, die ich manchmal halte. Eine unserer Aufgaben in diesem Kurs war, den Sitznachbarn zu interviewen und ihn dann in einem Kurzvortrag dem Kurs vorzustellen. Wobei das dann über Video aufgenommen wurde. Ich konnte in diesem Moment kaum aufstehen, so haben mir die Knie gezittert. Aber als ich dann das Video sah, kam da plötzlich eine ganz souveräne Person rüber. Auch dies sind Dinge, die kann und sollte auch ein Studium vermitteln.

RUB Alumni: Wenn Sie heute zurückdenken an Ihre Studienzeit hier in Bochum, was vermissen Sie da so am meisten?

Settele: Die freie Zeiteinteilung natürlich.

RUB Alumni: Haben Sie noch Verbindungen zu Bochum und speziell zur Universität?

Settele: Eher nicht! Ich bin zu lange weg. War nach dem Studium lange in Afrika und berufsmäßig in Bonn gelandet und bin auch viel im Ausland. Mit der Uni verbindet mit eigentlich weniger. Mich verbindet mit der Stadt und der Uni eine gute Erinnerung in meinem Leben.

RUB Alumni: Gibt es denn noch einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer jetzigen beruflichen Tätigkeit?

Settele: Ich mache ein-, zweimal Mal im Jahr, auch für Bochumer Studierende, so drei Stunden, nicht ein Seminar, aber ich finde das trotzdem immer sehr schön. Bin einfach jemand, der in der Praxis verhaftet ist und gebe das auch sehr gerne weiter und die Studierenden finden das auch eigentlich immer spannend.

RUB Alumni:…und inhaltlich? Sie erwähnten gerade schon den jugoslawischen Karst!

Settele: Ganz konkret inhaltlich nichts! Aber das Studium hat mir ein gutes Generalwissen vermittelt, was mir immens weiterhilft in meinem Beruf. Das schätze ich im Nachhinein sehr an dem Studium, die Möglichkeit des breit gefächerten Studierens! Was mir sehr oft weiterhilft.

RUB Alumni: Würden Sie denn heute noch mal Geografie studieren?

Settele: Ich würde noch mal Geografie machen, dass ganze aber noch breiter anlegen! Publizistik ist ein Bereich, denn ich heute mitnehmen würde. Damals habe ich den Sinn nicht gesehen.

RUB Alumni: Warum der Bereich Publizistik?

Settele: Im meinem Bereich habe ich viel mit Presse und Öffentlichkeit zu tun. Ich habe häufig Kontakt zu Journalisten. Ist auch immer gut, wenn man schreiben kann.

RUB Alumni: Was würden Sie heutigen Studierenden gerne mit auf dem Weg geben?

Settele: Bildung ist ein sehr hoch einzuschätzendes Gut, dass einem keiner mehr wegnimmt! Aber auch Arbeitstechniken, wie Zielorientierung, lernt man in einem Studium und die sind in meiner Tätigkeit sehr wichtig!

RUB Alumni: Vielen Dank für das Interview.

Settele: Gerne!