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2010

Eckhard Schultz

Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen GmbH (LEG NRW GmbH)

Eckhard Schultz studierte von 1987 bis 1992 Wirtschaftswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. 1988 gewann er mit dem deutschen Ruder-Achter eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul. Nach seinem Studium absolvierte er Stationen im Bankenwesen und in der Beratung, bis es ihn nach München verschlug, wo er im Immobilienbereich tätig war. Seit 2009 ist Eckhard Schultz Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft NRW (LEG NRW). Als Chief Financial Officer (CFO) ist er verantwortlich für die Bereiche Finanzen, Rechnungswesen, Controlling, Reporting und Portfoliomanagement.

Eine Olympiateilnahme hat ja zehn, zwölf Jahre Vorlauf, in denen man trainiert und sich vorbereitet.

RUB Alumni: Warum haben Sie sich damals entschieden, an der Ruhr-Universität zu studieren?

Schultz: Das hatte zum Einen einen pragmatischen Grund: Das Bundesleistungszentrum Rudern liegt in Dortmund und alle Athleten sollten räumlich in und um Dortmund angesiedelt sein. Einige haben dann in Dortmund studiert oder eine Berufsausbildung gemacht, andere sind – wie ich – nach Bochum gegangen. Zum Anderen hatte mein Studienschwerpunkt – Finanzierung und Kreditwirtschaft – am Lehrstuhl von Prof. Süchting bundesweit einen exzellenten Ruf.

RUB Alumni: 1988 haben Sie bei den Olympischen Spielen in Seoul mit dem Deutschland-Achter die Goldmedaille gewonnen; auf eine Olympiateilnahme muss man sich ja jahrelang vorbereiten, wie konnten Sie das damals mit dem Studium vereinbaren?

Schultz: Man musste sehr diszipliniert und gut organisiert sein: Ich hatte 1987 angefangen zu studieren und 1987/88 waren die Jahre, in denen sich Studium und Training überschnitten. Die erste Trainingseinheit machte ich in der Früh um sechs oder um halb sieben, dann ging ich zur Uni und danach kam die zweite Trainingseinheit. Im Sommersemester 1988 habe ich dann allerdings ein Urlaubssemester genommen, weil ich da fast nur in Vorbereitungs-Trainings-Camps war.

Natürlich musste man auf vieles, was vielleicht andere in ihrer Studienzeit machen, verzichten. Aber  das war ein Leben, in das ich über die Jahre schon hineingewachsen war, ich war daran gewöhnt, das eine mit dem anderen zu verbinden.

RUB Alumni: Dann haben Sie das schon während der Schulzeit so gemacht ...

Schultz: Ja, genau. Eine Olympiateilnahme hat ja zehn, zwölf Jahre Vorlauf, in denen man trainiert und sich vorbereitet. Ich wusste schon von vorneherein, dass ich vom Rudern nicht würde leben können, also kam ich gar nicht in die Versuchung, das mit der Ausbildung schleifen zu lassen. Als ich an der Ruhr-Uni angefangen habe, war mein Ziel, das Studium hier zügig in acht, neun Semestern durchzuziehen. 

RUB Alumni: Haben Sie deshalb nach Seoul Ihre Ruderkarriere beendet?

Schultz: Ja, 1989 habe ich mich entschieden, aufzuhören. Ich hatte über 10 Jahre Leistungssport betrieben und mir war klar, dass ich einen Olympiasieg maximal wiederholen könnte, aber so schön wie beim ersten Mal würde es nie wieder sein. Und ich habe natürlich auch gesehen, dass das Studium der Wirtschaftswissenschaft in Bochum ein sehr anspruchsvolles Studium ist. Dann habe ich mich entschieden, dass ich mich darauf konzentrieren wollte und mit dem aktiven Leistungssport aufgehört. Auf einmal hatte ich unheimlich viel Zeit und Energie übrig.

RUB Alumni:  Wie sind Sie damit umgegangen?

Schultz: Ich habe meine Energie sehr konzentriert ins Studium gesteckt – das hat man dann einfach so in den Knochen – und habe schließlich sogar das drittbeste Examen in meinem Jahrgang gemacht.

RUB Alumni: Das klingt alles nach viel Arbeit, Lernen, Disziplin, Effizienz. Hatten Sie denn auch mal Spaß auf dem Campus?

Schultz: Ja, absolut, das war wirklich eine tolle Zeit! Wenn man mitten im Studium steckt, denkt man zwar „Mei, ist das hart“, aber wenn man später im Beruf steht und alles noch enger durchgetaktet ist, dann schaut man zurück und weiß, dass es schon eine schöne Zeit war. In den ersten Jahren meines Studiums war es sehr anstrengend, auch wegen des Leistungssports, und da war wenig Raum für sonstiges universitäres Leben. Später hatte ich aber natürlich auch Gelegenheit, Dinge zu machen, die nicht nur für den erfolgreichen Abschluss des Studiums notwendig waren.

RUB Alumni: Was waren das für Dinge?

Schultz: Oh, ich habe zum Beispiel Vorlesungen aus anderen Fakultäten gehört, Germanistik …

RUB Alumni: … das ist ja schon wieder lernen!

Schultz: Nein, das war eine Erweiterung für mich, weil es eben nicht unmittelbar mit dem Thema Wirtschaftswissenschaft und dem erfolgreichen Examen zu tun hatte. Außerdem habe ich dann auch einfach die Zeit im universitären Umfeld genossen. Ich habe mit meinem Bruder in der Bochumer Innenstadt gewohnt, direkt am „Bermudadreieck“. Als ich dann nicht mehr morgens um sechs zum Training musste, konnten wir auch einfach mal abends ein bisschen feiern.

RUB Alumni: Sind Sie heute auch noch so diszipliniert?

Schultz: (Lacht) Das müssen andere beurteilen, aber ich bin mit dem, was ich bisher beruflich erreicht habe, sehr zufrieden. Meine Arbeit  macht mir sehr viel Spaß, das ist immer die Grundvoraussetzung, dass man mit Freude dabei ist. Disziplin ist eine wichtige Eigenschaft, die man aus dem Leistungssport mitnimmt, sicherlich auch Teamfähigkeit. Das hilft natürlich schon im Berufsleben.

RUB Alumni: Sie sind heute Geschäftsführer der LEG NRW GmbH, wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Schultz: Sehr abwechslungsreich, es ist kein Tag wie der andere. Die LEG war ja eine Landesbeteiligung und ist vor ungefähr zwei Jahren privatisiert worden. Jetzt müssen wir aus einem vormals wenig effizienzorientierten Unternehmen ein kapitalmarktfähiges Unternehmen machen, dafür ist eine komplette Restrukturierung notwendig. Meine Aufgabe als CFO (Chief Financial Officer, Anm. d. Red.) ist es, ein kapitalmarktfähiges Controlling und Accounting aufzubauen und die Gesellschaft komplett zu refinanzieren. Daneben bin ich auch sehr intensiv in die Neustrukturierung des operativen Bereiches eingebunden. Dieser Veränderungsprozess wird noch die nächsten zwei, drei Jahre andauern. Im Grunde halte ich ganz viele Bälle gleichzeitig in der Luft, das ist sehr spannend.

RUB Alumni:  Wir möchten noch einmal auf Ihre Studienzeit zurückkommen, gibt es einen Ort auf dem Campus, mit dem Sie besondere Erinnerungen verbinden?

Schultz: Oh, das ist schwierig. Als ich die Ruhr-Uni  das erste Mal gesehen habe, da war ich schon ein bisschen erdrückt von der Größe und ich habe mich ein wenig verloren gefühlt auf diesem Riesen-Areal. Ein Ort, wo ich viel Zeit verbracht habe, das war der Parkplatz (lacht) – da habe ich stundenlang verzweifelt versucht, einen Stellplatz zu finden. Ja, damit verbinde ich eher schmerzhafte Erinnerungen ...

RUB Alumni: Fällt Ihnen eine Anekdote aus Ihrer Studienzeit ein?

Schultz: Als ich 1988 nach der Olympiade aus Seoul wiederkam, bin ich ganz brav sofort wieder zur Uni marschiert, weil ich nichts verpassen wollte. Und dann fand im HZO 10 die Vorlesung Öffentliches Recht von Prof. Bayer statt. – Diese Vorlesung war legendär, Prof. Bayer hatte sein Auditorium von 700 Leuten so gut im Griff, da konnten Sie eine Nadel auf den Boden fallen hören. – Jedenfalls saß ich irgendwo in der 15. Reihe, mittendrin, und mich kannte ja auch keiner. Ich war der kleine Student im Grundstudium und hatte – wie alle anderen – höchsten Respekt vor Prof. Bayer. Und dann fing er an mit der Vorlesung, startete in der Mitte, kam ein bisschen auf die Seite, wo ich saß, und dann sagte er, bevor er jetzt mit dem Unterricht beginnt, möchte er doch kurz innehalten und sagen, dass es ihm eine besondere Ehre ist, in der Aura des Goldes von Eckhard Schultz heute Unterricht halten zu dürfen.  – Viele Hundert Augenpaare richteten sich auf mich. In dem Moment wünschte ich mir, dass sich der Boden unter mir auftäte, mir war das hochnotpeinlich … Diese Geschichte ist natürlich auch den anwesenden Kommilitonen im Gedächtnis haften geblieben, da sagen die Leute dann, Ach, Eckhard Schultz, ja, den kenne ich. Die Vorlesung! Damals!  Zum Beispiel konnte Oliver Wittke, den Sie ja auch schon interviewt haben, sich auch noch daran erinnern, ein netter Zufall.

RUB Alumni: Dann können Sie sich ja mit Herrn Wittke von Alumnus zu Alumnus austauschen.

Schultz: Ja, nach 17 Jahren München bin ich jetzt seit einem Jahr wieder im Rheinland, in Düsseldorf, und es ist unglaublich, wie viele RUBianer mir hier schon über den Weg gelaufen sind. Wenn ich auf Veranstaltungen erzähle, dass ich an der Ruhr-Universität studiert habe, ist das sofort ein netter, persönlicher Einstieg ins Gespräch und das erleichtert das Netzwerken sehr.

RUB Alumni: Toll, genau so stellen wir vom Alumni-Büro uns das auch immer vor; schön zu hören, dass es das auch wirklich gibt. - Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihren Achter-Kollegen?

Schultz: Ja, wir sind heute zwar alle verstreut, aber wir haben noch einen sehr engen und freundschaftlichen Kontakt. Wir treffen uns einmal im Jahr, leihen uns einen schönen Achter und gehen dann gemeinsam aufs Wasser. Anschließend klopfen wir uns auf die Schulter, dass wir das immer noch so gut können (lacht).

RUB Alumni: Wo bewahren Sie Ihre Goldmedaille auf?

Schultz: (Lacht) Das darf man keinem erzählen: als ich in München gelebt habe, habe ich sie tatsächlich in einem Schuhkarton aufbewahrt. Ich hatte alle Erinnerungsstücke in eine große Kiste gepackt und in ein Kabuff verräumt. Das war zwar etwas despektierlich, aber ich hatte eben nie Zeit oder Lust, das alles richtig ordentlich zu archivieren. Dann ist bei uns eingebrochen worden und Gott sei Dank lagen die Sachen alle in dieser unscheinbaren Kiste, da haben die Einbrecher gar nicht reingeschaut. Alles andere hatten sie ausgeräumt. Da ist mir klargeworden, dass das doch wertvolle Erinnerungsstücke für mich sind, dann habe ich die Medaille in einen Banksafe gelegt und mir ein Duplikat machen lassen. So habe ich sie jetzt zu Hause und wenn ich mal eine sentimentale Stunde habe, kann ich sie herausholen und anschauen.

RUB Alumni: Kommt das häufig vor?

Schultz: Nein, eher ganz, ganz selten. Natürlich war der Olympiasieg sehr wichtig und prägend für mich. Aber dieser Lebensabschnitt ist vorbei. Ich denke gerne daran zurück und weiß, was ich der Zeit zu verdanken habe, aber ich definiere mich nicht über ein Ereignis, das schon über 20 Jahre zurückliegt.

RUB Alumni: Auch heute studieren einige der Ruderer im Deutschland-Achter an der Ruhr-Universität. Und beim Uni-Cup Ruhr treten jedes Jahr Studierende der Ruhrgebietsuniversitäten im Achter gegeneinander an. Leider musste die Veranstaltung in den letzten zwei Jahren ausfallen, aber wir arbeiten daran, dass sie bald wieder stattfindet. Wir sagen Ihnen Bescheid!

Schultz: Ja, das wäre schön; besonders, da ich ja jetzt wieder hier in der Gegend bin, würde ich beim Uni-Cup Ruhr gerne vorbeischauen.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch!

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