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2010

Dr.-Ing. Jens-Uwe Pott

Technischer Geschäftsführer des Güteschutz Beton- und Fertigteilwerke Nord e.V., Großburgwedel

Dr.-Ing. Jens Uwe Pott studierte von 1996 bis 2001 Bauingenieurwesen an der RUB mit der Vertiefungsrichtung Konstruktiver Ingenieurbau. Während des Studiums war er in der Hochschulpolitik aktiv, unter anderem als Mitglied im Studierendenparlament und ein Jahr als AStA-Referent für Hochschulpolitik. Nach dem Studium promovierte er in Hannover bei Prof. Dr. Ludger Lohaus (ehemals Professor an der RUB) und war dann bei einer Servicegesellschaft der norddeutschen Zementindustrie tätig. Heute ist Jens Uwe Pott Technischer Geschäftsführer beim Güteschutz Beton- und Fertigteilwerke Nord e.V. in Großburgwedel. Darüber hinaus hält er gelegentlich Gastvorträge an Hochschulen zum Thema Baustoffkunde.

Da gibt’s vielfältige Dinge, die man an der Ruhr-Uni, wenn man die Augen aufmacht, sehen kann.

RUB Alumni: Warum haben Sie sich für die Studienrichtung Bauingenieurwesen entschieden?

Dr. Pott: Ich hab mich immer schon für technische Sachen interessiert und wollte ursprünglich Elektrotechnik studieren. Während meiner Schulzeit habe ich das klassische Berufspraktikum gemacht und festgestellt, dass Elektrotechnik doch nicht das Wahre für mich ist. Ich habe auch noch lange überlegt, Wirtschaftswissenschaften zu studieren und mit mir gerungen. Die endgültige Entscheidung für Bauingenieurwesen ist eigentlich erst am Tag der Einschreibung gefallen. Aber ich bin im Nachhinein sehr glücklich und glaube, dass ich mich richtig entschieden habe.

RUB Alumni: Aus welchen Gründen haben Sie sich für Bochum als Studienort entschieden?

Dr. Pott: Die Ruhr-Universität hatte bereits damals einen guten Ruf, auch im technischen Bereich. Von daher bestand keine Notwendigkeit sich großartig woanders umzusehen.

RUB Alumni: Und wie kam es zu der intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema Beton?

Dr. Pott: Das Thema wird eigentlich im Grundstudium behandelt, so in den ersten ein-zwei Semestern. Ich habe aber darüber hinaus zum Ende meines Studiums in der Vertiefung noch zusätzliche Kurse besucht und eine Zusatzqualifikation für Betontechnologen erworben, die mir auch im Nachgang immer sehr viel weitergeholfen hat. Das war zwar etwas mehr Aufwand, aber so ins Studium integriert, dass das zeitlich gut machbar war.

RUB Alumni: War die bauliche Situation der RUB bzw. die Campussanierung ein Thema während des Studiums?

Dr. Pott: Der Campus war ein beliebtes Exkursionsobjekt. Wir sind mit unserem Baustoffkunde-Professor tatsächlich auch mal an ein oder zwei Tagen durch die Uni gelaufen und haben uns Schäden angeguckt, die an verschiedenen Gebäuden typischerweise auftreten können. Da war der Campus ein gutes Anschauungsobjekt und ist auch diskutiert worden.

RUB Alumni: Was konnte man denn da sehen?

Dr. Pott: Da gibt’s vielfältige Dinge, die man an der Ruhr-Uni, wenn man die Augen aufmacht, sehen kann. Das gilt übrigens auch für andere Gebäude aus der gleichen Zeit. Es sind so ganz klassische Fehler, nicht vernünftig durchdachte und ausgeführte Abdichtungskonzepte oder Probleme der Betondeckung. Sicherlich auch das ein oder andere, was man in den 60er Jahren, als die Ruhr-Uni geplant wurde, noch nicht so genau wusste, wo man heute fachlich einfach weiter ist.

RUB Alumni: Hat sich das Image des Betons seit den 60ern eigentlich geändert?

Dr. Pott: Ja und nein. Der Beton hat sich seit den 60er Jahren ganz erheblich verändert, auch was die Nutzung und das Image des Baustoffs angeht. Ein normales Transportbetonwerk hat mittlerweile 100 bis 150 verschiedene Sorten Beton standardmäßig im Lieferverzeichnis. Da kann man sich also schon vorstellen, wie viel High Tech im Baustoff Beton drin ist. Natürlich gibt es immer noch diese Oberflächen, wie wir sie an der Ruhr-Universität kennen, relativ rau, an denen noch die Brettstrukturen von der Holzschalung, in der das Ganze hergestellt worden ist, erkennbar sind (Anm. der Red.: Gemäß dem Prinzip des „ehrlichen Bauens“ ist auf dem Campus der RUB der Beton sichtbar und unverkleidet). Sichtbeton als sichtbare Variante des modernen Betons ist aber heute wahnsinnig flexibel in der Gestaltung der Oberfläche. Es sind glatte, unterschiedlich strukturierte und auch verschieden farbige Oberflächen möglich.  Deshalb ist Sichtbeton ein Baustoff der zurzeit unheimlich „hip“ ist.  Das zeigt sich auch daran, dass er zum Beispiel häufig in der Werbung als Hintergrund verwendet wird. Beton ist bei Architekten und Designern wieder ein beliebtes Baumaterial, das man gerne zeigt. Das hat sich nach einem kurzen Abflauen in den 80er Jahren durchaus wieder verändert. Außerhalb der Szene kommt der Imagewandel aber erst langsam in Fahrt.

RUB Alumni: Lassen Sie uns einmal auf Ihre Studienzeit zurückkommen. Wie haben Sie denn während Ihres Studiums gewohnt?

Dr. Pott: Ich habe anfänglich noch bei meinen Eltern in Wattenscheid gewohnt, bin aber im Laufe des Grundstudiums mit einem Freund, den ich im Studium kennengelernt habe, in eine AKAFÖ-Wohnheim-WG gezogen. Das war ein unheimlich guter und wichtiger Schritt für mich in Richtung Selbständigkeit, den ich auch heutigen Studierenden immer wieder empfehlen würde.

RUB Alumni: Gab’s denn da auch mal Wohnheimparties?

Dr. Pott: Ja natürlich. Außerdem bin ich sehr gerne und sehr viel auf den diversen Parties auf dem Campus gewesen, insbesondere auf den von Fachschaften organisierten Parties, allen voran natürlich die legendären Bauing-Parties im IA-Gebäude.

RUB Alumni: Gab es während Ihres Studiums hochschulpolitisch interessante Entwicklungen?

Dr. Pott: Da fragen Sie den Richtigen! Ich bin fast die ganze Zeit meines Studiums über im Fachschaftsrat gewesen, war mehrere Jahre davon auch bundesweit für die Bauingenieur-Fachschaftenkonferenz aktiv, war einige Jahre Mitglied des Studierendenparlaments und ein Jahr AStA-Referent für Hochschulpolitik. Da habe ich eine ganze Menge Erinnerungen dran. Angefangen 1997 bei dem großen Studentenprotest gegen überfüllte Hörsäle und, was mich als Ingenieurstudent sicherlich viel mehr betroffen hat, gegen die schlechte finanzielle Ausstattung der Hochschulen.

Ansonsten hab ich mich so ab 1998-99 schon mit der Einführung von Bachelor/Master-Studiengängen beschäftigt.  Das war auch Kernpunkt meiner Zeit als AStA-Referent für Hochschulpolitik. Wobei ich dem damals wie heute eigentlich immer kritisch gegenüberstand und -stehe. Nicht dass ich etwas gegen die neuen Namen oder gegen eine Studienstrukturreform an sich gehabt hätte. Die Ziele, einen homogen einheitlichen europäischen Bildungsraum herzustellen und gleichzeitig die verbriefte Freiheit von Forschung und Lehre zu erhalten, passen nicht wirklich zusammen. Die Schwierigkeiten waren eigentlich schon abzusehen: zu verschulte Studiengänge oder auch das Nicht-Erreichen von Mobilität der Studierenden, dass man eben nicht so leicht mal für ein Semester ins Ausland gehen kann. Ich habe immer versucht, diesen Prozess kritisch-konstruktiv zu begleiten, indem ich auch Kontakte zu Akkreditierungsorganisationen hatte und mich für eine sinnvolle Ausgestaltung der Studienpläne eingesetzt habe. Denn dass das politisch nicht zurückzudrehen sein würde, das war relativ schnell klar, aber man konnte natürlich noch eine ganze Menge bewegen, als das Ganze noch in der Diskussion war und entwickelt werden musste.

Es ist allerdings immer ein bisschen schwer gewesen, weil sich von den Kommilitonen sehr wenige dafür interessiert haben. Wenn es unmittelbar ans Geld ging, wie bei Studiengebühren zum Beispiel, konnte man die Leute noch relativ gut mobilisieren. Aber das Thema Bachelor/Master betraf ja die, die schon eingeschrieben waren nicht, sondern eher zukünftige Studiengenerationen. Da konnte man kaum jemanden hinter dem Ofen hervorlocken sich zu engagieren. Ohne diese Rückkopplung hat man als Studierendenvertreter weniger Gewicht… Es wäre schön gewesen, wenn die Leute sich mehr engagiert hätten.

RUB Alumni: Wie haben Sie denn als Diplomstudent ihr Studium erlebt?

Dr. Pott: Was die Inhalte anbetrifft, würde ich schon sagen, dass es ein anspruchsvolles Studium war, das auch viel Selbstmanagement erfordert hat. Das ist auch das, was ich an den Entwicklungen rund um das Bachelor/Master-System kritisiere: Das Studium ist immer verschulter geworden. Die Leute die zur Uni gehen haben aber schon bewiesen, dass sie sich in schulischen Systemen behaupten können. Ich denke, dass die Uni die Studenten nicht nur fachlich, sondern auch in Bezug auf Selbstorganisation und Zeitmanagement vor neue Aufgaben stellen sollte. Das ist im Berufsleben auch unheimlich wichtig, kommt aber in den Studiengängen zu kurz.

RUB Alumni: Sie haben nach Ihrem Studium in Hannover promoviert. Wie gestaltete sich nach der Promotion Ihr Berufseinstieg?

Dr. Pott: Nach der Promotion bin ich zu einer Servicegesellschaft der norddeutschen Zementindustrie gegangen. Wir haben dort Beratungen und Weiterbildungsveranstaltungen für Ingenieure und Architekten gemacht, technisches Marketing, Fachveröffentlichungen und Ähnliches. Zuletzt war ich dort leitend für den Bereich Technik zuständig. Nach ungefähr drei Jahren kam der Wechsel zur Geschäftsführung des Güteschutz Beton- und Fertigteilwerke Nord e.V.

RUB Alumni: Wie sieht Ihr Aufgabengebiet aus?

Dr. Pott: Ich bin in der Geschäftsführung hauptsächlich mit administrativen Aufgaben beschäftigt. Ich mache auch noch technische Arbeit, aber nicht mehr unbedingt das Alltagsgeschäft, sondern eher die besonderen Aufgaben, die nicht regelmäßig anstehen und für die deshalb sonst keiner bei uns zuständig ist. Häufig haben wir Auswärtstermine, z.B. im Bereich der Güteüberwachung. Da schaut man sich die Produktionsprozesse für Fertigteile in den Werken an und überprüft, ob sie den Anforderungen der jeweiligen Produktnormen entsprechen. Zusätzlich werden Proben entnommen und in unserer Prüfstelle geprüft. Das mache ich selbst allerdings nicht in großem Umfang. Ein wesentlicher Teil meiner Tätigkeit ist Gremienarbeit. Ich bin in Verbandsgremien und anderen technischen Gremien vertreten, die zum Beispiel Normen, Regelwerke und Verfahrensvorgänge ausarbeiten. Das, was ich im Studium mit Fachschaftsarbeit angefangen habe, zieht sich also ein bisschen durch mein Leben durch.

RUB Alumni: Kommen wir noch einmal zurück auf Ihre Studienzeit: Haben Sie Lehrende kennengelernt, die Sie besonders geprägt haben?

Dr. Pott: Wir haben eine ganze Reihe wirklich guter Professoren gehabt. Eine der herausragenden Persönlichkeiten an der Fakultät für Bauingenieurwesen war seinerzeit Professor Krätzig als Inhaber des Lehrstuhls für Statik (Anm. d. Red.: heute Lehrstuhl für Statik und Dynamik). Das ist eine ganz honore, unheimlich starke und positive Persönlichkeit gewesen, die mich sehr geprägt hat. Mein Doktorvater Herr Professor Lohaus, den ich im Studium schon kennengelernt habe und der mich dann hinterher nach Hannover geholt hat, hat mich natürlich auch geprägt. Ihm habe ich auch sehr viel, nicht nur fachlich, zu verdanken.

RUB Alumni: Gibt es etwas, das Sie besonders vermissen, wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken?

Dr. Pott: Die Freiheit, die man als Student hat. Wahrscheinlich habe ich davon viel zu wenig Gebrauch gemacht, weil ich mein Studium ja trotz meiner vielen Engagements doch zügig durchgezogen habe. Die Freiheit war schon ganz schön, sich zu überlegen in welche Vorlesung muss ich gehen, welche kann man sich vielleicht schenken, was kann man nacharbeiten, aber das dann auch mit Fingerspitzengefühl zu machen. Der Alltag ist heute einfach stärker vorgegeben als das im Studium der Fall ist, und man ist noch mehr Zwängen ausgesetzt, was Termine angeht und sowas.

RUB Alumni: Gibt es noch eine Anekdote aus Ihrer Studienzeit, die Sie uns erzählen möchten?

Dr. Pott: Ich habe mal in einer recht kleinen Vorlesung gesessen, in einem Seminarraum mit ungefähr 15 Teilnehmern und bin recht zügig eingeschlafen, was mir übrigens häufiger passiert ist in den Vorlesungen. In der Pause habe ich dann auf der Toilette den Dozenten getroffen und der hat wirklich sehr verständnisvoll reagiert und erzählt, dass ihm das im Studium auch regelmäßig passiert sei, so dass ich dann ganz beruhigt auch in der zweiten Hälfte der Vorlesung weiterschlafen konnte. Kurz darauf habe ich eben diesen Dozenten in einer anderen Vortragsveranstaltung wiedergesehen, wo er in einer der ersten Reihen saß und auch eingenickt war.

RUB Alumni: Was bedeutet Ihr Studium für Ihr Leben?

Dr. Pott: Ich glaube, dass das Studium meine eigentliche Reifeprüfung war. Das Studium war nicht nur rein fachlich, sondern mit dem ganzen Umfeld, mit den sonstigen Aktivitäten und Schlüsselqualifikationen, die ich mir in der Zeit nebenbei erworben habe, eine sehr gute Vorbereitung für meinen späteren Berufsweg. Das Studium in Bochum war ein sehr gutes; gerade auch durch die Größe der Universität, die Vielzahl an Fakultäten und unterschiedlichen Ausrichtungen kann man in viele Bereiche einen Einblick erhalten, wenn man sich etwas darum bemüht.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch!