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2010

Prof. Hans-Alexander Kneider

Professor an der Hankuk University of Foreign Studies

Prof. Hans-Alexander Kneider studierte schon zwei Jahre lang Chemie an der RUB als er entschied, doch lieber seinen Interessen zu folgen und Koreanistik, Volkswirtschaft und Wirtschaft Ostasiens zu studieren. 1987 schloss er sein Studium mit dem Magister ab und ging nach Seoul in Südkorea. Heute ist er Professor und Dekan an der Hankuk University of Foreign Studies (HUFS) und der Graduate School for Interpretation and Translation (GSIT). Ende 2009 wurde er als erster Ausländer überhaupt zum Bezirksbürgermeister in Seoul ernannt; sein Titel lautet „Honorary Chief Dong Officer“.

Ich habe an der RUB das wissenschaftliche
Arbeiten „von der Pieke auf“ gelernt.

Mein beruflicher Weg nach dem Studium …

… führte mich zunächst direkt zu den Olympischen Spielen: Nach meinem M.A.-Abschluss bekam ich von der Koreanischen Regierung ein Stipendium für einen dreijährigen Promotionskurs an der Seoul National University (SNU) im Bereich "Koreanische Geschichte" und flog daraufhin im Februar 1988 nach Seoul. Die ausländischen Stipendiaten wurden dann auch gleich von der koreanischen Regierung für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul herangezogen. Wir wurden in eine schicke Uniformen gesteckt und als Begleitung, Dolmetscher oder "Mädchen für alles" den Sportler-Teams als freiwillige Helfer an die Seite gestellt. Ich selbst war im sogenannten "Deutschen Haus", in dem die Pressekonferenzen stattfanden. Das war alles sehr spannend, und ich kann heute nicht ohne Stolz sagen, dass ich aktiv an den Olympischen Spielen in Seoul teilgenommen habe.
Nach Ablauf der drei Jahre an der SNU wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, als Aushilfe für ein Semester im Fachbereich "Deutsche Sprache und Literatur" zu unterrichten. Da ich mir dachte, dass Lehrerfahrung sicherlich nicht schaden könnte und es sich schließlich nur um ein Semester handelte, nahm ich das Angebot kurz entschlossen an. Aus diesem einen Semester sind mittlerweile allerdings 18 Jahre an der Hankuk University of Foreign Studies (HUFS) geworden, in denen ich natürlich auch die Leiter nach oben geklettert bin. Derzeit unterrichte ich als Full Professor nicht nur an der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur, sondern auch an der der Uni angegliederten Graduate School for Interpretation and Translation (GSIT). Seit dem Wintersemester 2009/2010 leite ich zudem noch die "Deutsche Fakultät", was bisher noch keinem Ausländer übertragen worden war.

Bisher einmalig in Südkorea …

… ist meine Ernennung zum ehrenamtlichen Bezirksbürgermeister Ende 2009; ich bin der erste Ausländer, der in Südkorea ein solches Amt innehat. Seonbuk-dong ist ein renommierter Bezirk im Norden von Seoul mit ca. 30.000 Einwohnern, in dem viele Botschafter, Konsuln und andere Angehörige des Auswärtigen Dienstes sowie Präsidenten und Manager international tätiger Unternehmen, aber auch "normale Ausländer" wie ich ihre Residenzen bzw. Wohnsitze gefunden haben. 34 Länder sind auf diese Weise dort vertreten. Im Rahmen der Internationalisierung und Globalisierung in Südkorea war die Notwendigkeit einer eigenen Vertretung entstanden. So wurde ich kurzerhand aufgrund meines langjährigen Aufenthaltes und sicherlich auch wegen meiner Sprachkenntnisse zum Sprecher der immerhin 8.500 Ausländer in diesem Bezirk bestimmt. Um meinem neuen Job auch die entsprechende Gewichtung zu verleihen, erhielt ich gleich das Amt und die Würde eines Bezirksbürgermeisters.
Meine Hauptaufgabe besteht darin, in einem eigens dafür errichteten „Multicultural Village Center“ mit fünf Angestellten, einen internationalen Kulturaustausch zu organisieren. Auf diese Weise soll den ausländischen Mitbürgern in kostenlosen Seminaren die koreanische Kultur vermittelt werden. Andererseits will ich aber auch dafür sorgen, dass die Koreaner die Kulturen der 34 vertretenen Länder in meinem Bezirk kennen lernen können. Zu meinen Pflichten gehört es, alle zwei Monate im Rathaus Bericht über meine Tätigkeiten abzulegen, und das immerhin vor annähernd 200 bis 300 koreanischen Beamten – das alles natürlich auf Koreanisch.


Wenn ich an meine Studienzeit an der RUB zurückdenke …

… vermisse ich am meisten die freundschaftliche, ja geradezu familiäre Atmosphäre, die in der kleinen Fakultät für Ostasienwissenschaften (OAW) herrschte. Die OAW befanden sich damals noch im Gebäude der Unibibliothek und die Anzahl der Studenten war noch derart gering, dass fast jeder jeden kannte. Besonders in der Koreanistik war das der Fall.

… fällt mir folgende Anekdote ein:
Als ich das erste Mal in die Koreanistik ging, um mich nach dem Studium zu erkundigen, sagten mir der damalige Assistent und ein älterer Student, dass all diejenigen, die Koreanistik studieren würden, eigentlich eine "Macke" hätten und nicht ganz normal seien. Diese Art von "Begrüßung" fand ich schon etwas eigenartig, doch im Nachhinein kann ich nicht anders, als diese Aussage zumindest nicht zu verneinen, nur würde ich den Studenten keine "Macke" anhängen, sondern mehr eine "exotische Einstellung" und auch einen gewissen Mut, weil sie mit solch "exotischen" Fächern schließlich doch gegen den Strom schwimmen.

Aus meiner Studienzeit besitze ich noch …

… meinen alten Studentenausweis, auf dessen Rückseite sich die vielen Semestermarken stapeln, die sich im Laufe meiner langen Studienzeit angesammelt haben.

Mein Studium an der RUB bedeutet für mich …

… Ausbildung:

Als Student im ersten Semester hatte ich viele Fragen und wer hätte diese nicht besser beantworten können, als der Professor? So dachte ich und ging dann auch Schnurstraks zu ihm. Zur Antwort bekam ich allerdings nicht, was ich hören wollte: "Wenn du etwas wissen willst, geh in die Bibliothek und schau selber nach!" Im ersten Moment ärgerte ich mich über diese Antwort und fragte mich, wozu denn dann Professoren überhaupt da seien. Später jedoch war ich über diese Reaktion mehr als nur dankbar: Ich habe an der RUB das wissenschaftliche Arbeiten „von der Pieke auf“ gelernt.

… und Entdeckung eines Lebensthemas:
 
Gleich zu Beginn meines Koreanistikstudiums stieß ich in der Bibliothek der Ostasienwissenschaften auf alte Reiseberichte über Korea. Die Darstellung der alten Zeit faszinierte mich sehr und ich entwickelte ein besonderes Interesse an den historischen Beziehungen zwischen dem Kaiserreich Deutschland und dem Königreich Korea und vor allem an den Deutschen selbst, die zur damaligen Zeit in dieses ferne Land gereist waren oder sogar dort lebten und arbeiteten. Ich fing also an, systematisch alles zu sammeln, was mit diesem Thema zu tun hatte. Sehr geholfen hat mir dabei die Uni-Bibliothek und vor allem das Fernleihsystem, so dass ich selbst aus den Archiven in Japan und Korea kopierte Artikel bekommen konnte. Auch nach meinem Abschluss habe ich nicht aufgehört, weiter nach Materialien und alten Quellen zu suchen. Nun aber in Korea. Nach insgesamt etwa 25-jähriger Forschung hatte ich einige Meter an Informationen gesammelt und veröffentlichte schließlich das Ergebnis im Jahre 2009 in Form eines Buches mit dem Titel „Globetrotter, Abenteurer, Goldgräber. Auf deutschen Spuren im alten Korea“. Zurzeit wird es ins Koreanische übersetzt, da auch die Koreaner großes Interesse daran haben.

Ich bin mir sicher, dass es nicht zu einem solchen Projekt gekommen wäre, hätte nicht damals mein Professor auf seine Weise dafür gesorgt, mir das wissenschaftliche Arbeiten beizubringen. Dafür bin ich ihm und meinem Studium an der RUB immer noch dankbar.

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