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2005

Anke Godbersen

stellvertretende Studioleitung des WDR-Fernsehstudios Siegen

Über diverse Schulen gelangte Anke Godbersen zur Ruhr-Uni-Bochum. Von 1976 bis 1981 studierte sie hier Wirtschaftswissenschaften, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Parallel arbeitete sie bei der WAZ und ging dann als Volontärin zum WDR. Heute ist Anke Godbersen Redakteurin und stellvertretende Leiterin des WDR-Studios Siegen.

 

 

Ich habe über Jahre hinweg fast jeden
Abend mein Auto gesucht.

RUB Alumni: Wie sind Sie zu Ihrer jetzigen Position gekommen?

Anke Godbersen: Über die Publizistik und einen Job als freie Mitarbeiterin bei der WAZ in Bochum. Irgendwann sprach mich eine Professorin an: „Hören Sie ´mal, die WAZ sucht noch freie Mitarbeiter, gehen Sie da doch ´mal hin“. Das hab´ ich getan und habe da auch sehr viel, auch während des Studiums, gemacht. Im letzten Semester habe ich mich dann auf eine Volontariatsstelle beim WDR beworben. Nach dem Volontariat bin ich übernommen worden und habe lange Jahre in Dortmund als Fernsehredakteurin gearbeitet. Dann bin ich nach Köln gegangen und war einige Jahre als Chefin vom Dienst bei der Aktuellen Stunde. Später bin ich wieder zurück nach Dortmund gegangen und habe die Redaktionsleitung eines Fernseh-Regionalprogramms übernommen. Von da aus ging es weiter nach Siegen als Leiterin der heutigen Lokalzeit Südwestfalen. Zwischendurch bin ich noch ´mal wieder für vier Jahre nach Dortmund gegangen und habe wieder als Redakteurin gearbeitet. Mittlerweile bin ich wieder in Siegen, jetzt als Redakteurin und stellvertretende Studioleiterin eines bimedialen Studios, d.h. wir machen Fernsehen und Hörfunk.

RUB Alumni: Sie haben vor Ihrem Studium an der RUB, Ökotrophologie in Münster studiert - wie sind Sie dazu gekommen?

Anke Godbersen: Ich habe kein Gymnasium besucht, sondern eine ganz normale Hauptschule und bin über diesen ganzen zweiten Bildungsweg hier her gekommen. Das war folgender Ablauf: damals habe ich auf der Fachoberschule das Fachabitur gemacht. Über die Fachhochschule gelangte ich zu dem notwendigen Hochschulabschluss. An den Fachhochschulen gab es allerdings noch nicht so viele inhaltliche Angebote, nur Bauingenieurwesen, Erziehungswissenschaften und Hauswirtschaft. Da fiel meine Wahl auf Ökotrophologie, weil damals die Phase war, in der die ganzen Verbraucherberatungen entstanden und Ökotrophologie umfasst u.a. Ernährungswissenschaften und Verbraucherberatung. Das habe ich aber eigentlich nur gemacht, um dann im Anschluss Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Eigentlich wollte ich nämlich Steuerberaterin werden. Das war sozusagen mein Vehikel und war unter den drei Angeboten dasjenige, welches mir am ehesten nutzen konnte. Nur durch Zufall hat sich später ja dann der Job bei der Zeitung ergeben, so dass ich dachte „Warte mal, diese Redaktionsarbeit ist doch eigentlich das Reizvollere.“ Dann bin ich da irgendwie so reingerutscht. Das war also nicht von langer Hand geplant. Das hatte aber auch – da bin ich ganz ehrlich – mit dem Studium zu tun: ich brauchte damals neben den Wirtschaftswissenschaften als Hauptfach noch ein Wahlfach – und das war dann eher zufällig Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Ausschlaggebend dafür war eine Probe- oder Infovorlesung einer Professorin für neue Studenten die ganz spannend waren.

RUB Alumni: Und welche Professorin war das?

Anke Godbersen: Frau Professor Baerns. Sie hatte eine Art und Weise ihre Seminare zu veranstalten, dass man das Gefühl hatte, sie hatte auch Spaß an dem, was sie vermitteln wollte. Da ich jetzt seit fast 10 Jahren an der Siegener Uni auch einen Lehrauftrag für Fernsehberichterstattung habe, weiß ich, dass man sich da durchaus Mühe geben kann oder nicht. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern gab es schon den ein oder anderen Professor, der einfach seinen Vortrag hielt und wieder ging. Das Interesse an den Studenten, die da saßen, schien ziemlich begrenzt. Das fand ich nicht sonderlich wohltuend, zumal ich ja ein paar Monate vorher an der Fachhochschule genau das Gegenteil erlebt hatte. Das war eben ein kleinerer Laden. Aber bei den Publizisten waren sie schon - zumindest in den meisten Seminaren - mehr um die Inhalte und die Studenten bemüht. Da gab es auch eine andere Zusammenarbeit; die waren auch in der Lage, sich ´mal einen Namen und ein Gesicht zu merken. Natürlich hat das damit zu tun, dass bei den Wirtschaftswissenschaftlern zum Teil 600 Leute im Saal saßen. Wie will man sich die alle merken? Aber ich hab das eben als nicht sonderlich motivierend empfunden.

RUB Alumni: Und wieso haben Sie sich für die Ruhr-Uni entschieden?

Anke Godbersen: Ich habe in Witten-Herbede gewohnt und meine Mutter brauchte aus gesundheitlichen Gründen Unterstützung und so war das aus praktischen und finanziellen Gründen naheliegend. Wenn ich im Dachboden stand, konnte ich sogar auf die Uni gucken. Natürlich wäre ich auch gerne ´mal woanders hingegangen, aber das ergab sich dann nun ´mal eben nicht so.

RUB Alumni: Fallen Ihnen Anekdoten aus Ihrer Studienzeit ein?

Anke Godbersen: Ich habe über Jahre hinweg fast jeden Abend mein Auto gesucht. Nicht, dass ich zu dusselig war, mir das zu merken, aber wenn man öfter da ist, weiß man irgendwann nicht mehr „Wo hast du es heute hingestellt? War es gestern oder heute hier?“. Die Parkplatzverhältnisse sind ja schon bitter, dass ich mich beim Anblick von mehreren 1000 Autos oft fragte „Verflixt, wo hast du ihn denn heute stehen lassen?“ Das sind so ein paar Erinnerungen, die ich an die Uni habe; und außerdem: optisch schön war sie ja in der Tat nicht.

RUB Alumni: War das für sie ein Problem?

Anke Godbersen: Joah. Ich habe ´mal neidvoll bei den Medizinern in einen Hörsaal geguckt, die waren noch mit Holz vertäfelt und bei uns waren nur unverputzte, nacktgemauerte Wände. Ich fand das schon etwas deprimierend. Wenn man da den ganzen Tag in geschlossenen Räumen, ohne Fenster, ohne Blick nach draußen verbracht hat. Das waren die einzigen Momente, in denen ich in der Tat dann bedauert hab, nicht weggegangen zu sein. Ich kannte - zwar nicht real, aber von Bildern - Berlin, Bremen, München, Heidelberg; da gab es sicherlich schönere Universitäten. Also zumindest haben wir damals geglaubt die anderen sein schöner. Ob die dann auch immer inhaltlich wertvoller waren, das kann man ja so nicht beurteilen.

RUB Alumni: War neben den Parkhauslabyrinthen auch das Geschosssystem für Sie schwierig zu durchschauen?

Anke Godbersen: Das habe ich relativ leicht begriffen. Das lag aber auch daran, dass bei uns im Haus, als ich circa 13 Jahre alt war, Studenten gewohnt haben und die haben mich ab und zu mitgenommen und mir schon mal einiges erklärt und gezeigt, die Bibliothek zum Beispiel. Dadurch hatte ich einen anderen Vorlauf und hab das besser begreifen können.

RUB Alumni: Wenn Sie Ihr Studium kurz zusammenfassen müssten, wie würden Sie das beschreiben?

Anke Godbersen: Man muss es ja zweiteilen: Bei den Wirtschaftswissenschaftlern war es schon mühsam, anstrengend und auch etwas dröge. Bei den Publizisten war es inhaltlich schon aufgelockerter und dadurch, dass der ein oder andere Kollege aus der Praxis (Zeitungsredakteure usw.) Vorträge gehalten oder auch ´mal ein Seminar geleitet hat, fand ich das einfach ansprechender.

RUB Alumni: Besitzen Sie noch einen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit?

Anke Godbersen: Das Studienbuch besitze ich noch und meine Diplomarbeiten – das muss man einfach aufheben, finde ich.

RUB Alumni: Vermissen Sie etwas aus Ihrer Studienzeit?

Anke Godbersen: Die Freiheit, die man theoretisch hatte, und die Zeit zwischendurch. Das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben und sich nur um sich selbst zu kümmern, das vermisse ich schon.

RUB Alumni: Verbindet Sie heute noch etwas mit der Uni?

Anke Godbersen: Nicht unmittelbar, nein. Das liegt aber auch daran, dass ich 100km weit weggezogen bin. Seit 15, 16 Jahren war ich nicht mehr da. Ansonsten noch ein paar Bekanntschaften aus der Unizeit, die über Deutschland verteilt sind.

RUB Alumni: Wenn Sie noch mal studieren würden, würden Sie noch mal dasselbe machen?

Anke Godbersen: Vielleicht würde ich heute auch Filmwissenschaften an einer Filmhochschule oder so studieren. Ansonsten Publizistik und Kommunikationswissenschaften ja, Wirtschaftswissenschaften eher nein.

RUB Alumni: Und welches Ziel würden Sie verfolgen, wenn Sie eine Filmhochschule besuchen würden?

Anke Godbersen: Entweder ebenfalls mit dem Ziel redaktioneller Arbeit oder aber Regisseurin zu werden oder selbst Filme zu machen; auch längere und andere Formate. Dafür eine fundiertere Ausbildung zu kriegen was Regie, Drehbuch schreiben und so weiter angeht, das fände ich spannend.

RUB Alumni: Was würden Sie aus hochschulpolitischer Sicht an der Stelle des Rektors oder Kanzlers ändern?

Anke Godbersen: Das kann ich eher anhand der Siegener Uni beurteilen, denke aber, dass die Inhalte nicht so verschieden sind. Ich würde schon verstärkt versuchen, den Studienanfängern mehr Orientierung zu bieten und das nicht nur dem Asta und anderen Organisationen überlassen. Das war zumindest damals so. Außerdem würde ich heute Professoren und Lehrbeauftragte animieren, ihre Lehrveranstaltungen interessanter zu gestalten. Es muss nicht sein, dass ein Professor eine Stunde lang vorliest, ohne hoch zu schauen, ohne zu fragen, ohne auch nur einen Hauch von Spaß zu vermitteln oder mal ein Interesse an seinem Gegenüber zu zeigen.

RUB Alumni: Was würden Sie denn den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben?

Anke Godbersen: Ich würde ihnen mit auf den Weg geben, die gerade genannten Dinge auch einzufordern und nicht nur klaglos hinzunehmen. Mittlerweile gibt es ja auch Umfragen, bei denen die Studierenden nach der Qualität des Angebots und der Lehre befragt werden. Ob das immer objektiv ist, ist eine andere Frage, aber es ermöglicht mehr. Es geht ja auch nicht nur um Spaß, aber man kann jungen Menschen Inhalte ja auch anders vermitteln und nicht „Hier, das musst du auswendig lernen und danach kannst du es vergessen“. Der Professor wird von unser aller Geld bezahlt und hat dafür da zu sein. Gerade auch weil ich das Gefühl habe, die jungen Leute sind heute braver geworden. Wir haben zwar gegen alles Mögliche damals demonstriert, aber dies nicht wirklich eingefordert.
Außerdem sollten die heutigen Studierenden ein Auslandssemester einlegen. Nicht nur weil es sich gut in einer Bewerbung macht, sondern auch für einen selbst. Dass sie diese Chance nutzen und nicht aufgrund des Drucks, den es jetzt ja auch auf dem Stellenmarkt gibt, nur straight durchgehen und meinen „Ich muss unbedingt schnell fertig werden und muss das alles exakt planen“.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.