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2005

Dr. Ute Dreckmann

Rhetorik- und Kommunikationstrainerin

Dr. Ute Dreckmann studierte zwischen 1968 und 1977 Kunstgeschichte, Archäologie, Philosophie, Soziologie und Rechtswissenschaft an der RUB. Im Januar 77 schloß sie das Studium mit der Promotion zur Dr. phil. ab. Unter anderem war Dr. Dreckmann im Museum Bochum, im Westfälischen Industriemuseum und als freiberufliche Kunsthistorikerin tätig. Von 1994 bis 2006 war sie Kreisvorsitzende der FDP Bochum und von 1998 bis 2006 Mitglied des Landesvorstandes der FDP NRW. 2000-2005 war sie Landtagsabgeordnete der FDP in NRW. Seit 2006 ist die als Rhetorik- und Kommunikationstrainerin selbständig.

Wer gewinnen will, muss überzeugen können! Verbal, vor allem aber nonverbal, durch sein Auftreten!

RUB Alumni: Warum haben Sie in Bochum studiert?

Dr. Dreckmann: Die Ruhr-Universität war damals die größte Baustelle Europas und die erste Universitätsgründung im Ruhrgebiet überhaupt. Ich fand es einfach spannend, mitzuerleben wie so ein Riesenkomplex aus dem Boden gestampft wird. Dort zu studieren hatte schon etwas Pionierhaftes. Das hat mir sehr gefallen.

RUB Alumni: Und wie sind Sie auf Ihre Fächerkombination gekommen? Die ist ja relativ exotisch…

Dr. Dreckmann: Nur auf den ersten Blick. Ich bin ein ausgesprochen kreativer Mensch mit einem ausgeprägten Gefühl für Gerechtigkeit. Schon als Kind habe ich gerne gemalt und gezeichnet oder gebastelt. Meine Eltern, andere Erwachsene und auch meine Mitschüler und Lehrer waren davon immer ganz begeistert. Als Jugendliche habe ich dann angefangen, meine Kleidung selbst zu entwerfen und herzustellen. Später habe ich das auch für Freundinnen gemacht. Fotos der selbstkreierten Modelle haben es immerhin bis auf die Lokalseiten einer großen Ruhrgebietszeitung gebracht. Es lag deshalb nach dem Abitur eigentlich nahe, einen kreativen Beruf zu ergreifen. Nach eindringlichen Gesprächen mit meiner Verwandtschaft habe ich mich dann aber doch für das krisensichere Studium der Rechtswissenschaft entschieden. Juristen werden schließlich immer gebraucht und das Fach schien ja auch recht gut mit meinem Gerechtigkeitssinn zu korrespondieren. Nach vier Semestern hatte ich  erkannt, dass die letzte Annahme eine Fehleinschätzung war. Recht, bzw. Rechtsprechung und Gerechtigkeit sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Ich habe mich dann doch auf mein eigentliches Interesse zurückbesonnen und angefangen, Kunstgeschichte mit den Nebenfächern Archäologie und Philosophie zu studieren. Das hat mir richtig viel Freude gemacht.

RUB Alumni: Verbindet Sie heute noch etwas mit der Bochumer Uni?

Dr. Dreckmann: Ja, die positive Erinnerung an die Studienzeit. Außerdem bin ich Mitglied des Freundeskreises der Ruhr-Universität.

RUB Alumni: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrem beruflichen Werdegang?

Dr. Dreckmann: Ja, sogar während meiner Zeit im Landtag. Das Studium der Kunstgeschichte war Voraussetzung für meine Arbeit im Museum Bochum und im Westfälischen Industriemuseum und natürlich auch für meine freiberufliche Tätigkeit als Kunstberaterin. Auch heute ist die Kunstberatung Teil meines Angebotes als Rhetorik- und Kommunikationstrainerin. Schließlich ist Kunst nonverbale Kommunikation. Da gibt es auch ein konkretes Beispiel: Bei der damals hoch emotional geführten Debatte um die dezentrale Errichtung von sechs neuen Maßregelvollzugseinrichtungen habe ich mich als Landtagsabgeordnete beim Landtagspräsidenten und beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe dafür eingesetzt, dass gestalterische Arbeiten der forensischen Patienten aus den Kliniken in Lippstadt-Eickelborn und Marsberg-Billstein, in einer Wanderausstellung gezeigt wurden. So sollte die Mauer aus Angst und Verunsicherung zwischen der Bevölkerung und den psychisch kranken Straftätern etwas durchlässiger werden. Ohne Kenntnis der „art brut“ oder der „Bildnerei der Geisteskranken“ der Prinzhorn-Sammlung wäre ich sicher nie auf diese Idee gekommen. Die von mir initiierte Ausstellung mit dem Titel „Tiefse(h)en“ wurde am 23. Januar 2002 im Düsseldorfer Landtag durch den Landtagspräsidenten eröffnet.

RUB Alumni: Und wie hat sich diese politische Karriere ergeben?

Dr. Dreckmann: Ich war immer schon ein sehr politisch denkender Mensch. Das hat sicher auch mit meinem Gerechtigkeitssinn zu tun. Natürlich hat mich zudem die 1968er-Bewegung geprägt. Außerdem hat mich das Thema „Nationalsozialismus“, der von diesem Regime betriebene Missbrauch von Kunst, Architektur und Kultur zu politischen Propagandazwecken, über viele Jahre beschäftigt bis hin zu meiner Dissertation mit dem Titel: “Nationalsozialistischer Siedlungsbau“. Im Sommersemester 1983 hatte ich auch einen entsprechenden Lehrauftrag an der Universität Wuppertal zu dem Thema „Kunst im Faschismus“. Der Wunsch aktiv in die Parteipolitik einzusteigen entwickelte sich in den 1980er Jahren während meiner Arbeit im Museum Bochum und im Westfälischen Industriemuseum als ich erlebt habe, wie eng Politik und Verwaltung verzahnt sind, und dass ich als Museumsmitarbeiterin nur das durchsetzen kann, wofür ich die politische Rückendeckung habe. Endgültig eingetreten in eine Partei bin ich dann aber erst 1993, und zwar in die FDP. Die FDP hatte damals ein ausgesprochen gutes Kulturprogramm. Überzeugt hat mich außerdem der Einsatz der FDP für Bürger- und Menschenrechte. Die FDP hat mich von Anfang an mit offenen Armen empfangen und beim Umsetzen meiner Ideen unterstützt. Ich habe damals ganz gezielt das Thema Sozialpolitik besetzt, weil mir das erstens ein Herzensanliegen war und ist, und weil dieses Thema bei der FDP damals kaum eine Rolle spielte. Heute ist das – auch Dank meiner Arbeit – anders. Durch meinen konsequenten Einsatz für die Sozialpolitik bin ich innerhalb der FDP ziemlich schnell bekannt geworden und habe so an Einfluss gewonnen. Die Nominierung als Landtagskandidatin im Jahr 2000, der Einzug in den Landtag und die Übernahme der Funktion der Sprecherin der FDP-Fraktion für Arbeit, Soziales und Migrationspolitik waren eine folgerichtige Entwicklung. Die Arbeit im Landtag hat mir wirklich sehr viel Freude gemacht, und ich war nach der Landtagswahl 2005 schon sehr traurig und enttäuscht, dass ich die Arbeit nicht fortsetzen konnte. Das ist aber jetzt vorbei und ich freue mich, etwas ganz anderes zu machen.

RUB Alumni: Wie sind Sie zu Ihrem jetzigen Beruf gekommen?

Dr. Dreckmann: Als ich mich 1989 selbständig gemacht habe, habe ich begonnen, Persönlichkeitstrainings-, Rhetorik- und Kommunikationsseminare zu besuchen, später kamen dann noch Seminare über politische Rhetorik hinzu. Schon vor meiner Wahl in den Landtag habe ich angefangen, Rhetorikseminare zu veranstalten. Was lag also näher, als nach der Zeit im Landtag daran wieder anzuknüpfen. In den fünf Jahren Landtagsarbeit habe ich sehr viel dazugelernt. Die politische Arbeit besteht ja fast ausschließlich aus Kommunikation. Wer gewinnen will, muss überzeugen können! Verbal, vor allem aber nonverbal, durch sein Auftreten! All das, was ich gelernt habe, möchte ich jetzt an die Menschen weitergeben, die es auch lernen möchten.

RUB Alumni: Noch einmal zurück zu Ihrem Studium an der Ruhr-Universität. Wie würden sie das in ein paar Schlagworten zusammenfassen?

Dr. Dreckmann: Sehr effektiv, spannend, konsequent.

RUB Alumni: Können Sie uns eine nette Anekdote aus Ihrer Zeit an der RUB erzählen?

Dr. Dreckmann: Ja, die Verwaltung hatte vergessen, mich zum Rigorosum in Archäologie einzuladen. Alle waren benachrichtigt, nur ich nicht. Als dann eines Mittags der Anruf kam, wo ich denn bliebe, bin ich auf dem schnellsten Weg zu Uni gefahren und hab es hinter mich gebracht. Der Uni war das natürlich furchtbar peinlich und alle haben sich mehrfach entschuldigt. Im Nachhinein fand ich es aber gut, dass es so gelaufen ist. Ich hatte damals ziemliche Prüfungsangst. Dadurch dass ich von dem Termin nichts wusste, konnte sich gar kein Stress aufbauen und alles lief gut. Als ich das Archäologierigorosum dann hinter mir hatte, hatte ich vor Kunstgeschichte und Philosophie keine Angst mehr.

RUB Alumni: Wie fanden Sie das Geschoss-System der Uni?

Dr. Dreckmann: Ich fand den ganzen Gebäudekomplex der Uni und auch das Geschoss-System sehr logisch und konsequent. Ich habe mich als Studentin immer zurechtgefunden. Kannte man ein Gebäude, kannte man alle. Als ich 2004 als Oberbürgermeisterkandidatin und 2005 als Landtagskandidatin zu Interviews bei radio c.t. eingeladen war, habe ich mich allerdings schrecklich verlaufen. Wahrscheinlich hatte ich das System nicht mehr in meinem Kopf gespeichert.

RUB Alumni: Haben Sie damals etwas an der Uni vermisst?

Dr. Dreckmann: Nein, ich habe mich immer rundum wohl gefühlt. Die Ruhr-Universität war eine reine Arbeitsuniversität. Man konnte gut studieren und sich gut konzentrieren. Viele haben ja gesagt, sie fänden es dort schrecklich, ich habe immer gesagt: „Ich find´s klasse!“

RUB Alumni: Wenn Sie heute noch mal studieren würden, wie würden Sie Ihr Studium heute angehen?

Dr. Dreckmann: Ich würde es ganz genauso machen. Ich würde sogar wieder ein paar Semester Rechtswissenschaft studieren. Ich konnte die juristischen Grundkenntnisse immer gebrauchen. In meinem Leben als Politikerin sowieso und heute als Unternehmensberaterin im weitesten Sinne auch.

RUB Alumni: Würden Sie auch wieder in Bochum studieren?

Dr. Dreckmann: Ja, das würde ich. Die Ruhr-Universität ist mir schon ans Herz gewachsen.

RUB Alumni: Wie ist Ihr Standpunkt zur Debatte um Studiengebühren?

Dr. Dreckmann: 1968, als ich angefangen habe zu studieren, gab es noch Studiengebühren. Damals gab es mehr Studierende aus Familien mit geringem Einkommen als heute. Wenn das Stipendiensystem stimmt und die Gebühren über unverzinsbare Kredite finanziert werden, die erst dann zurückgezahlt werden müssen, wenn das erzielte Einkommen nach dem Studium es zulässt, habe ich nichts gegen Studiengebühren. Um wirklich allen Kindern gleiche Bildungschancen zu gewährleisten wäre es sinnvoll, die Kinderbetreuung durch den Staat zu finanzieren und dort für beste Qualität zu sorgen.

RUB Alumni: Was würden Sie den heutigen Bochumer Studierenden mit auf den Weg geben?

Dr. Dreckmann: Ich würde jedem jungen Menschen heute empfehlen, das zu studieren, was ihm wirklich Spaß macht und sich darin auch nicht beirren zu lassen, weder durch die Eltern noch durch die Medien oder den Arbeitsmarkt. Nur was man wirklich gerne macht, macht man auch gut. Und das ist die beste Grundlage für ein erfolgreiches Leben.

RUB Alumni: Vielen Dank für das Gespräch.

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