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2010

Dr. Thomas Birtel

Mitglied des Vorstandes der STRABAG SE, Wien

Dr. Thomas Birtel studierte von 1973 bis 1978 an der Ruhr-Universität Wirtschaftswissenschaft und wurde 1982 zum Dr. rer. oec. promoviert. Nach Stationen im Industrieanlagenbau sowie bei einer schwedischen Logistikgruppe ist Dr. Birtel seit 1996 für die STRABAG-Gruppe, zunächst als Bereichs-, dann als Deutschland-Vorstand tätig. Seit 2006 ist er Mitglied des Konzernvorstandes in Österreich.

 

 

Blunzen ist etwas sehr schönes, esse ich sehr gerne, aber ich würde auch Nierchen oder Hirn nicht verabscheuen …

RUB Alumni: Herr Dr. Birtel, wie haben Sie während Ihres Studiums an der Ruhr-Universität gewohnt?

Dr. Birtel: In der ersten Zeit habe ich noch zu Hause in Wuppertal gewohnt; wir hatten mit einigen Studenten, was damals durchaus üblich war, eine Fahrgemeinschaft gebildet. Später hatte ich ein Zimmer in einem Studentenheim am Erlenkamp.

RUB Alumni: Haben Sie dort auch die typischen Wohnheims-Erfahrungen gemacht? Tolle Partys und durchwachte Nächte?

Dr. Birtel: Weniger, denn das war schon in einer späteren Phase meines Studiums, in der ich doch sehr aufs Examen hingearbeitet habe. So etwas steht wohl mehr am unbelasteteren Beginn eines Studiums.

RUB Alumni: Gibt es einen Ort auf dem Campus, mit dem Sie besondere Erinnerungen verbinden?

Dr. Birtel: Ja, das waren die G-Gebäude. Zu Beginn meines Studiums versank dieser Bereich sehr in Matsch und Schlamm, weil die Außenanlagen noch nicht fertig waren. Trotzdem verbrachten wir etliche Stunden draußen unter den Bäumen, um zu entspannen oder uns zu unterhalten.

RUB Alumni: Fällt Ihnen eine Anekdote aus Ihrer Studienzeit ein?

Dr. Birtel: In einer Einführungsvorlesung für Erstsemester erntete Prof. Bayer immer große Stürme von Gelächter: Mit vollem Brustton der Überzeugung postulierte er, dass die interessanteste Figur des deutschen Einkommensteuerrechts die Prostituierte sei. – Das war aber nicht nur scherzhaft gemeint, sondern hatte damals durchaus einen realistischen rechtlichen Hintergrund.

RUB Alumni: Wie verlief Ihr beruflicher Weg nach dem Studium?

Dr. Birtel: Anfangs hatte ich überlegt, an das Studium die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer und/oder Steuerberater anzuschließen, das bot sich zu meinem Studienschwerpunkt an. Dann wurde ich aber von einem Vorstand der Firma Klöckner & Co. in Duisburg gefragt, ob ich bei ihm als persönlicher Referent einsteigen wollte. Das war nicht nur finanziell attraktiv, sondern auch etwas ganz anderes: Es war eher ein generalistischer Berufseinstieg als der Spezialistenansatz, den ich zuvor erwogen hatte. Über zwei Positionen bei Klöckner und Frigoscandia bin ich 1996 zur STRABAG gekommen. Der damalige Vorstandsvorsitzende war zuvor bei Klöckner im Vorstand gewesen, wo ich– allerdings nicht bei ihm unmittelbar - meine Anfangsposition innegehabt hatte.

RUB Alumni: Das ist ja ein Glückstreffer, schon bei der ersten Stelle persönlicher Referent eines Vorstandsmitglieds zu werden …

Dr. Birtel: Das stimmt, das habe ich auch so empfunden. Deswegen habe ich mir dann auch gesagt, die anderen Dinge kannst Du immer noch machen, jetzt schaust Du Dir erst einmal das an. Und das bewährte sich auch: Es war eine Schule fürs Leben, die sehr gut die Fachausbildung an der Universität ergänzt hat.

RUB Alumni: Sind Sie da nicht in sehr kaltes Wasser geworfen worden?

Dr. Birtel: Auf jeden Fall! Das war doch ganz anders als das Leben an der Uni. In meiner Zeit als Assistent am Lehrstuhl wurde sehr auf Qualität geachtet, aber der Zeitfaktor spielte vielleicht nicht eine ganz so große Rolle. Im Wirtschaftsleben war Zeit dann auf einmal ein ganz wesentlicher Faktor, es hieß, immer unter Zeitdruck zu stehen und trotzdem akzeptable Qualität abzuliefern. Das war noch einmal eine weitere Steigerung.

RUB Alumni: Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihren Kommilitonen?

Dr. Birtel: Nicht zu vielen, aber zu einigen schon, ja. Ich bin auch Mitglied bei BOWI, dem Alumni-Verein der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft.

RUB Alumni: Besitzen Sie noch einen Gegenstand aus Ihrer Studienzeit?

Dr. Birtel: Ich habe immer noch meinen allerersten Studentenausweis, der Sie heute wahrscheinlich amüsieren würde: Das war ein sehr dickes Plastik-Trumm, das für die damals schon automatisierte Bibliothek der RUB eine Art Hollerith-Schlüssel hatte, der über ausgestanzte Löcher eingelesen wurde. Den verwahre ich heute noch.

RUB Alumni: Haben Sie neben Ihrem Studium auch kulturelle Angebote auf dem Campus wahrgenommen?

Dr. Birtel: Zu meiner Zeit, als der Campus noch gar nicht so ganz fertig war, gab es im Vergleich zu anderen Universitäten sicher zu wenig kulturelle Angebote. Das ist auch das weniger Positive, an das ich mich erinnere. Die Ruhr-Uni war damals eben sehr stark von Fahrstudenten geprägt – ich war ja anfangs auch einer.

RUB Alumni: Das hat sich zum Glück mittlerweile gebessert, besonders, was die Zahl der kulturellen  Angebote angeht. – Was haben Sie denn positiv im Gedächtnis behalten von Ihrer Studienzeit?

Dr. Birtel: Es war sicherlich ein sehr gutes Studium; wir haben sehr gute Hochschullehrer gehabt, z. B. Prof. Süchting vom Lehrstuhl für Finanz- und Kreditwirtschaft und meinen Doktorvater Prof. Bayer vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht. Es herrschte eine gute Arbeitsatmosphäre mit optimalen Bedingungen auf dem Campus. Die kurzen Wege zu allen Kursen und zu den Lehrstühlen, die klimatisierten Hörsäle, das war damals Anfang der 1970er Jahre sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Die positiven Erinnerungen konzentrieren sich also eher auf den Bereich der Arbeitsmöglichkeiten. – Aber, und das ist dann auch die etwas weniger positive Seite: Es war doch ein recht anonymes Studium mit sehr hohen Studentenzahlen, am Anfang zumindest. Die Atmosphäre war eher steril und nur wenige Lehrstuhlinhaber  haben sich – mit Ausnahme einiger weniger – von der menschlichen Seite her um die Studierenden gekümmert.

RUB Alumni: Heißt das, Sie haben sich auch manchmal allein gelassen gefühlt?

Dr. Birtel: Ja, durchaus. Ich würde das mit Zuwendung bezeichnen, die gefehlt hat; das geht bis hin zur Art und Weise wie das Examenszeugnis überreicht wurde, nämlich gar nicht.

RUB Alumni:  Also gab es für Sie noch keine Absolventenfeier, wie sie heute üblich ist …

Dr. Birtel: Nein! Wir haben schließlich selbst eine Feier in einem Studentenheim organisiert, da sind dann auch diejenigen Professoren erschienen, die sich ohnehin schon immer gekümmert hatten. Aber eine offizielle Feier gab es damals nicht.

RUB Alumni: Was haben Sie denn bei dieser Feier gemacht?

Dr. Birtel: Das war eine ganz normale Fete in einem Studentenheim, mit Nudelsalat, kalten Würstchen und Ähnlichem. Das Gästebuch dieser Feier habe ich aufgehoben, ein weiterer Gegenstand aus meiner Studienzeit, den ich noch besitze!

RUB Alumni: Was bedeutet Ihnen Ihr Studium heute?

Dr. Birtel: Es war eine gute Grundlage für meinen beruflichen Werdegang. Ich habe ja nie den Weg in die Spezialisierung gefunden, sondern bin den generalistischen Weg ins Management gegangen, und dafür habe ich im Studium ein solides Rüstzeug erhalten, auf dem ich dann das Weitere gut aufbauen konnte.

RUB Alumni: Sie sind heute Mitglied des Vorstandes der STRABAG SE, wie sieht Ihr Arbeitstag aus?

Dr. Birtel: Ich bin sehr viel unterwegs. Ich lebe zwar nach wie vor in Deutschland, aber meinen Arbeitsplatz habe ich in Wien. In unserer Branche bekommt man wenig Besuch von Kunden und anderen Geschäftspartnern, sondern man muss sie regelmäßig aufsuchen. Das bedeutet, dass ich nicht nur jede Woche im Flugzeug von Düsseldorf nach Wien und zurück sitze, darüber hinaus bin ich auch noch in allen möglichen Ländern Mittel- und Osteuropas unterwegs. Ich bin relativ selten an meinem Schreibtisch.

RUB Alumni: Leben Sie gerne in Wien?

Dr. Birtel: Ja, Wien ist sicherlich eine der schönsten europäischen Großstädte überhaupt, allein vom städtebaulichen her – in Deutschland haben sich viele Städte nach dem Krieg ja nicht vorteilhaft entwickelt. Und in den letzten zehn Jahren ist Wien sicherlich noch einmal schöner geworden.

RUB Alumni: Was ist denn Ihre Lieblings-Mehlspeise?

Dr. Birtel: (Lacht) Ich bin eigentlich weniger ein Freund der Wiener Mehlspeisen, ich mag lieber die  sehr deftigen, eiweißhaltigen Gerichte, wo sich manch anderer mit Schaudern abwendet, so wie …

RUB Alumni: „A Blunzen“? (Österreich. Blutwurst, Anm. d. Red.)

Dr. Birtel: Blunzen ist etwas sehr schönes, esse ich sehr gerne, aber ich würde auch Nierchen oder Hirn nicht verabscheuen …

RUB Alumni: Oha, gut – zurück zur Currywurst: Möchten Sie heutigen Bochumer Studierenden etwas mit auf den Weg geben?

Dr. Birtel: Ich kenne einige Bochumer Studierende und ich habe den Eindruck, dass sich sehr vieles, gerade im Bereich der Zuwendung für Studierende, deutlich zum Besseren gewandt hat. Insofern glaube ich, dass ich ihnen immer noch sagen kann – auch mit großem zeitlichen Abstand –, dass sie eine gute Wahl getroffen haben. Ich wünsche ihnen, dass sie nicht nur die Arbeit in den Mittelpunkt stellen, sondern auch die Work-Life-Balance, um dieses neudeutsche Modewort einmal zu gebrauchen, schon im Studium berücksichtigen, das ist hinterher im Beruf dann noch wichtiger.

RUB Alumni: Sie sagten gerade, Sie kennen einige Bochumer Studierende, was hören Sie denn von denen über die RUB?

Dr. Birtel: Man merkt schon, dass auch die Ruhr-Universität verstanden hat, dass es künftig einen Wettbewerb um Studierende geben wird, und dass sich die Uni entsprechend attraktiv aufstellen muss, um auch künftig als hochqualitative Universität dazustehen. Das sieht man ja auch schon an der Teilnahme am Exzellenz-Wettbewerb der deutschen Universitäten. Wenn die Ruhr-Universität künftig bestehen will, gilt es Ehrgeiz zu entwickeln, sich um die eigene Attraktivität mehr zu kümmern als in der Vergangenheit.

RUB Alumni: Bei der letzten Exzellenz-Initiative hat die Ruhr-Universität ja gar nicht so schlecht abgeschnitten; dieses Jahr macht sie natürlich auch wieder mit und bewirbt sich in allen Förderlinien.

Dr. Birtel: Dann drücke ich meiner Alma Mater sehr die Daumen, dass sie Erfolg hat!

RUB Alumni: Dankeschön! Vielen Dank auch für dieses Gespräch!

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