Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einige unserer bereits durchgeführten sowie für die Zukunft geplanten Forschungsprojekte zum Thema ASMR präsentieren.
Wir beginnen zunächst mit den bereits erfolgreich umgesetzten ASMR-Projekten:
1) Erstellung eines systematischen, wissenschaftlichen Übersichtsartikels zum Thema ASMR
Ein zentrales Projekt bestand darin, einen umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Thema ASMR zu gewinnen. Dazu haben wir eine systematische Suche in mehreren Literaturdatenbanken durchgeführt, wobei wir die Ergebnisse letztlich in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst und integriert haben. Als Fazit der systematischen Übersichtsarbeit kann gezogen werden, dass ASMR bereits mit verschiedenen Variablen der psychischen Gesundheit (z. B. verbesserte Stimmung) und Persönlichkeitsmerkmalen (z. B. Neurotizismus) in Verbindung gebracht werden konnte. Auch in EEG- und fMRT-Untersuchungen zeigen sich interessante erste Befunde (z.B. Verringerung von Delta-Wellen, Aktivierung bestimmter Hirnareale wie dem anterioren cingulären Cortex während ASMR-Erleben). Zudem wurde ASMR bereits mit physiologischen Veränderungen wie einer Verringerung der Herzfrequenz in Verbindung gebracht. Fehlend sind bisher jedoch langfristige Interventionsstudien, die zeigen würden, dass ASMR auch über längere Zeiträume mit Verbesserungen der psychischen Gesundheit in Verbindung gebracht werden kann.
2) Untersuchung des Einflusses von ASMR-Videos auf Variablen der psychischen Gesundheit (Stimmung und Entspannung) im Vergleich zu anderen YouTube-Videos (Walking-Tour-Videos)
In einer Studie, an der insbesondere Studierende der Ruhr-Universität Bochum teilgenommen haben sollte untersucht werden, ob ASMR-Videos stärker mit positiver Stimmung, Entspannung und ASMR-Erleben in Verbindung stehen, als vergleichbare Videos (sogenannte Walking-Tour-Videos, d.h. also Videos, in denen Menschen ihren Spaziergang durch ein bestimmtes Gebiet filmen und die Betrachter:in dadurch an einen fernen Ort „mitnehmen“). Es zeigte sich im Rahmen der Studie, dass insbesondere solche Menschen profitieren, die ASMR Videos schauten und dabei ASMR erlebten. Diese Menschen ("ASMR-Responder") berichteten im Vergleich zu Menschen, die Walking-Tour-Videos schauten über höhere Entspannung und höhere Werte positiven Affekts. Bei Menschen, die kein ASMR erlebten ("ASMR-Non-Responder“) zeigten sich hingegen im Vergleich zu den Menschen, die Walking-Tour-Videos schauten niedrigere Werte in Bezug auf Entspannung und positiven Affekt. Die zukünftige wissenschaftliche Evaluation von ASMR sollte daher unbedingt die Unterscheidung zwischen ASMR-Respondern und ASMR-Non-Respondern berücksichtigen, wenn die Auswirkungen von ASMR auf die psychische Gesundheit untersucht werden.
3) Untersuchung der Persönlichkeit von ASMR-YouTuber:innen und ihres Einflusses auf das ASMR-Erleben
In einer durchgeführten Studie wurde erstmals der Fokus der ASMR-Forschung von den Konsument:innen auf die ASMR-Video-Darsteller:innen verlagert. Untersucht wurden sowohl die Persönlichkeit von ASMR-YouTuber:innen als auch ihr Beitrag zur Auslösung von ASMR bei Betrachter:innen. In einem Online-Design bewerteten Proband:innen ASMR-Videos verschiedener YouTuber:innen, die mit identischen Stimuli interagierten, hinsichtlich des erlebten ASMRs sowie der wahrgenommenen Persönlichkeit der Darsteller:innen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der Abonnent:innen keinen Einfluss auf die ASMR-Auslösung hatte, wohingegen wahrgenommene Eigenschaften wie Sympathie, Entspanntheit, Nähe, Empathie und Verträglichkeit positiv mit der ASMR-Intensität zusammenhingen. Zudem unterschieden sich ASMR-YouTuber:innen in bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, insbesondere Offenheit und Empathie, sowohl von anderen YouTuber:innen als auch von einer studentischen Vergleichsgruppe. Diese Befunde unterstreichen die Bedeutung darstellerbezogener Faktoren für das ASMR-Erleben.
4) Entwicklung und Validierung eines ASMR-Fragebogens (ASMR-Sens)
In einem weiteren Projekt wurde ein neuer, ökonomischer Fragebogen zur Erfassung des zentralen ASMR-Phänomens entwickelt und validiert. Ziel war es, das typische ASMR-Erleben in Form eines kribbelnden Sinneseindrucks reliabel und fokussiert zu messen, da bestehende Instrumente entweder zu umfangreich sind oder das Kernerleben nur unzureichend abbilden. Auf Grundlage einer experimentellen Studie mit verschiedenen Videotypen wurde aus einem umfassenden Itempool ein 10-Item-Fragebogen (ASMR-Sens) abgeleitet. Dieser zeigte eine eindimensionale Struktur, eine sehr hohe interne Konsistenz sowie gute Hinweise auf Kriterien-, konvergente und diskriminante Validität und stellt damit ein valides Instrument für zukünftige ASMR-Forschung dar.
Als nächstes möchten wir Ihnen für die Zukunft geplante ASMR-Projekte präsentieren:
1) Durchführung einer umfassenden ASMR-Interventionsstudie
Ein prospektiver Plan wäre es, eine umfassende, randomisiert kontrollierte Studie (RCT) zum Thema ASMR umzusetzen, in der eine über mehrere Wochen stattfindende ASMR-Video-Intervention mit einer oder mehreren Vergleichsinterventionen gegenübergestellt wird. Nur wenn solche Forschung umgesetzt wird, können eindeutigere Aussagen darüber abgeleitet werden, ob ASMR auch langfristig betrachtet einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit aufweisen könnte.
2) Untersuchung weiterer physiologischer Korrelate von ASMR
Neben psychologischen Effekten gibt es erste Hinweise darauf, dass ASMR auch mit physiologischen Veränderungen einhergeht, etwa einer Reduktion der Herzrate. Die bisherige Evidenz ist jedoch begrenzt und fokussiert sich auf wenige Parameter. Besonders relevant erscheint daher die Untersuchung des Stresshormons Cortisol, da ASMR häufig als stressreduzierend erlebt wird, hierzu bislang jedoch keine systematischen Studien vorliegen. Die Erfassung von Cortisol könnte einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der physiologischen Wirkmechanismen von ASMR leisten.