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Forschung - RÖmische Geschichte

Forschungskolloquium zur Alten Geschichte

Hier finden Sie die Kolloquiumspläne der letzten Semester:

Sommersemester 2013
Wintersemester 2013/14
Sommersemester 2014 fand ein Forschungsfreisemester statt
Wintersemester 2014/15
Wintersemester 2017/18

 

Forschungsprojekte

Ⅰ. RELIGION UND REPUBLIKANISMUS

Die Forschung zur antiken Religion geht von der Annahme aus, dass die Untersuchung religiöser Weltbilder maßgeblich dazu beitragen kann, soziale Strukturen zu konturieren. Dabei erscheint es wichtig, nicht nur die oftmals beschriebenen Gemeinsamkeiten zwischen griechischer und römischer Religion zu betrachten, sondern gerade auch die Unterschiede in der Ausgestaltung der sakralen Sphäre (Sakrale Mächte, Rituale, Heiligtümer und Priester).
Die Analyse der religiösen Fundierung der griechischen und der römischen Gesellschaft soll darüber hinaus für eine weitere zentrale Fragestellung fruchtbar gemacht werden: Die Entstehung des europäischen Republikanismus in der Antike. Denn trotz der großen Bedeutung, die die Religion im Leben der Griechen und Römer spielte, bildete sich eine öffentliche, man könnte sagen: politische, Sphäre heraus, die kaum durch sakrale Normen eingeengt wurde. So entstanden im griechisch-römischen Kulturkreis Gemeinwesen, in denen Entscheidungen durch direkte Kommunikationssituationen anwesender Bürger diskutiert und getroffen werden konnten. Die Besonderheiten dieser im mediterranen Kontext entwickelten Strukturen sollen im welthistorischen Vergleich in ihrer Einmaligkeit herausgestellt werden.

Publikationen:

  • Bernhard Linke: Antike Religion (EGRA 13), München 2014.
  • Bernhard Linke: Die Patrizier, die Priester und die Transformation der Herrschaft. Die sakralen Würdenträger im Zeitalter der Ständekämpfe, in: Urso, Gianpaolo (Hg.): Sacerdos. Figure del sacro nella società romana. Atti del convegno internazionale, Cividale del Friuli, 26-28 settembre 2012, Pisa 2014, S. 13-38.
  • Bernhard Linke: Sacral Purity and Social Order in Ancient Rome, in: Frevel, Christian / Nihan, Christophe (Hgg.): Purity and the Forming of Religious Traditions in the Ancient Mediterranean World and Ancient Judaism (Dynamics in the History of Religions), Leiden / Boston 2013, S. 289-310.
  • Bernhard Linke: Die Einheit nach der Vielfalt. Die religiöse Dimension des römischen Hegemonialanspruches in Latium (5. – 3. Jahrhundert v.Chr.), in: Jehne, Martin / Linke, Bernhard / Rüpke, Jörg (Hgg.): Religiöse Vielfalt und soziale Integration. Die Bedeutung der Religion für die kulturelle Identität und die politische Stabilität im republikanischen Italien (Studien zur Alten Geschichte 17), Heidelberg 2013, S. 69-94.
  • Meret Strothmann: Himmel und Erde im Einklang. Augustus und der Eine Gott, in: B. Linke, M. Meier, M. Strothmann (Hgg.), Zwischen Monarchie und Republik. Gesellschaftliche Stabilisierungsleistungen und politische Transformationspotentiale in den antiken Stadtstaaten (Historia Einzelschriften 217), Stuttgart 2010, 213-229.
  • Bernhard Linke: Jupiter und die Republik. Die Entstehung des europäischen Republikanismus in der Antike, Chiron 39 (2009), 339-358.
  • Sakrale Sukzession und politische Rivalität. Die komplizierte Traditionsbildung in antiken Gesellschaften (im Druck)
  • Bernhard Linke: Religion von Sklaven und Freigelassenen, in: Handbuch der antiken Sklaverei, herausgegeben von der Mainzer Akademie der Wissenschaften (im Druck).

 

Ⅱ. DIE ‚VERFLÜSSIGUNG‘ DER GESCHICHTE DER RÖMISCHEN REPUBLIK

Aber nicht nur die Entstehung und Stabilisierung republikanischer Ordnungsstrukturen sind im Kontext früher Staatlichkeit ungewöhnlich, sondern auch – vor allem im Falle Roms – die Tendenzen zu einer strukturellen Expansion. Den Endpunkt der Entwicklung bildete hier das Phänomen einer ‚imperialen Republik‘, deren staatliche Ausformungen und herrschaftsorientierte Organisationsstrukturen vielfältige Besonderheiten aufwiesen. Erklärungen in der Forschung sind zumeist an Faktoren orientiert, denen eine erhebliche Stabilität zugeschrieben wird, so dass die Sichtweise auf die römische Republik durch eine Überbetonung struktureller Kontinuitäten bestimmt wird. Durch eine situative Dynamisierung der Betrachtung soll eine ‚Verflüssigung der historischen Rekonstruktion‘ erreicht werden, bei der die jeweiligen Konstellationen stärker aus der singulären Rahmung ihres historischen Kontextes erklärt werden. Auf dieser Grundlage soll die Verortung der jeweiligen Akteure und Prozesse in ihren spezifischen zeitgenössischen Kontexten und Handlungshorizonten gewährleistet werden und damit eine differenziertere Rekonstruktion historischer Kausalitäten ermöglicht werden.

Der konkreten Umsetzung dieser Zielsetzung dient eine Monographie zur Entwicklung der römischen Republik von 280 bis 70 v. Chr., die sich zur Zeit in der Abfassung befindet. Darüber hinaus wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Fabian Klinck (Juristische Fakultät / Bürgerliches Recht, Römisches Recht und Zivilverfahrensrecht) ein Projekt entwickelt, das durch die stärkere Vernetzung von althistorischer und rechtshistorischer Forschung die bisher weitgehend ungenutzten Informationen zum römischen Privatrecht und seiner Entwicklung seit der Frühzeit für eine differenziertere historische Rekonstruktion nutzbar machen soll.

 

Ⅲ. DIE ANALYSE DER ZENTRALEN BEDEUTUNG DER PERIPHERIE IN DER RÖMISCHEN REPUBLIK

Das Bemühen um die Dynamisierung der historischen Analyse soll auch den Weg für eine differenziertere Betrachtung der Wechselwirkung von Zentrum und Peripherie frei machen. Hierbei soll die Bedeutung der Peripherie, ihre Eigendynamik und Graviationskraft auf das Zentrum neu bewertet und auf diese Weise die zentrumsfokussierte Rekonstruktion der Gesellschaft überwunden werden.
Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Imperiumsbildung Roms war letztendlich die Etablierung einer stabilen Herrschaftsordnung in Italien. Diese zeichnete sich durch einen komplexen Aufbau unter dauerhafter Integration und Mobilisierung der besiegten italischen Völker – der Bundesgenossen – aus. Gleichzeitig erfuhr das römische Bürgergebiet eine massive Ausdehnung durch teilweise Konfiszierung und anschließende Verteilung eroberter Gebiete. Auffällig ist hierbei, dass die Ausdehnung des römischen Bürgergebiets durch keinerlei Anstrengung bezüglich der Integration der immer weiter entfernt lebenden Bürger durch repräsentative Strukturen aufgewogen wurde. Die Ausdehnung des römischen Bürgergebiets wurde lediglich von einer stärkeren Konzentration und Intensivierung der staatlichen Funktionen im imperialen Zentrum – der urbs Roma – begleitet. Trotz der in der Tiefe äußerst gering entfalteten Regelungstiefe produzierte diese Konstellation allerdings einen großen Zusammenhalt, der wohl vor allem durch die erfolgsversprechende externe Ressourcenabschöpfung mittels militärischer Unternehmungen zu erklären ist. Damit ermahnt das Beispiel der Römischen Republik auch dazu, Organisationseffizienz nicht zwangsläufig mit intensiv entwickelter staatlicher Durchdringung gleichzusetzen, sondern vielmehr die Aspekte der Partizipationsbereitschaft und Autonomiegarantie in den Vordergrund zu stellen.
Die interdisziplinäre Kooperation im Rahmen eines Forschergruppenantrags zu „Territorialisierungen. Prozesse sozialer und kultureller Gebietlichkeit‘ als wichtiger Impulsgeber für die Weiterentwicklung der Analysekategorien. Das eigene Projekt zielt dabei auf die Erstellung mehrerer Kartenserien, die die komplexe Interdependenz von Ansiedlungen und Koloniegründungen an der Peripherie (einschließlich ihrer baulichen Strukturen), den territorialen Konturen der republikanischen Gesellschaft und der Entwicklung zentraler Urbanität in der Stadt Rom (Einwohnerzahl, ökonomische und kommunikative Infrastruktur) jeweils zu bestimmten Zeitpunkten verdeutlichen sollen. Dies soll dem Rezipienten die Rekonstruktion einer situationsbezogenen Matrix ermöglichen, die die jeweiligen Rahmenkonstellationen der gesellschaftlichen Akteure transparenter machen soll.
Darüber hinaus ist aus diesem Forschungsprojekt ein abgeschlossenes Promotionsprojekt entstanden (Dr. des. Marian Helm zur frühen Republik). Ebenso läuft ein weiteres aktuelles Promotionsvorhaben zu diesem komplexen Problemfeld (Stefan Schorning, M.A. zu Provinzialisierung in der Republik).

 

Ⅳ. DIE MEDITERRANE BEDINGTHEIT VON SEERÜSTUNG UND SEEHERRSCHAFT

Die maritime Kriegsführung in der Antike stellt einen breit gefächerten Forschungsgegenstand dar: von Salamis bis Actium rückt die Rüstung zur See immer wieder ins Zentrum der Geschehnisse. Hierbei fällt auf, dass die Ausrüstung von Flotten im Gegensatz zu Landstreitkräften einen ungeheuren finanziellen Kraftakt darstellte, wozu u.a. die Rekrutierung und Ausbildung von kompetenten und zahlreichen Rudermannschaften sowie die Etablierung einer leistungsfähigen Infrastruktur zum Erhalt der Streitkraft gehörten. Gemessen an den Möglichkeiten und Risiken der antiken Nautik bewegte sich die antike Seekriegsführung hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Analyse damit auf einem schmalen Grad.
Im Rahmen der Forschungen zum Thema zeichnete sich damit immer stärker ab, dass die maritime Kriegsführung weit über die eigentliche kriegerische Komponente hinaus gesellschafts-politische Wirkung entfaltete. Besonders die Aufwertung der Rudermannschaften in ihrem gesellschaftlichen Status sowie die Frage nach Finanzierung und Verwendung der Flotten werfen hierbei brisante Fragen auf. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Rom erst sehr spät - Mitte des 1. Jahrhunderts v.Chr. - aktiv und endgültig seine Herrschaft über das dann als „mare nostrum“ bekannte Mittelmeer etablierte und dies vor allem durch die Beherrschung der Küstenregionen bewerkstelligte, lädt zu einer kritischen Auseinandersetzung und Untersuchung der bisherigen Vorstellungen von antiker Seeherrschaft und Flottenrüstung ein.

Publikationen:

  • Bernhard Linke: Meer ohne Ordnung. Seerüstung und Piraterie in der Römischen Republik, in: Jaspert, Nikolas / Kolditz, Sebastian (Hgg.): Seeraub im Mittelmeerraum. Piraterie, Korsarentum und maritime Gewalt von der Antike bis zur Neuzeit (Mittelmeerstudien 3), Paderborn 2013, S. 265-280.
  • Die Republik und das Meer. Seerüstung und römische Innenpolitik im Ersten Punischen Krieg (im Druck).

 

Tagungen und Workshops

Althistoriker vernetzen sich

Althistorikertreffen am Samstag, den 6. Juli 2019, in Bochum

Wie in jedem Jahr treffen sich die Althistorikerinnen und Althistoriker aus der Region zwischen Münster und Siegen, Aachen und Paderborn zum gemeinsamen Austausch über neue Forschungsprojekte, Kooperations- vorhaben und Fragen zum Studium des Faches an den jeweiligen Universitäten. Wissenschaftler erhalten hier die Möglichkeit, ihre Forschungsarbeiten einem breiteren Fachpublikum zu präsentieren. Im Anschluss gibt es am Nachmittag die Gelegenheit einen RUB-spezifischen Schwerpunkt für den Bereich wie z.B. die Münzsammlung oder die Kunstsammlungen kennenzulernen. Organisiert wird das Treffen von den Althistorikern an der RUB. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen.

Vollständiges Programm

 

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