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Das Projekt Medienphilologie verbindet Literatur- und Medienwissenschaften und ermöglicht einen produktiven Austausch zwischen etablierten WissenschaftlerInnen, NachwuchswissenschaftlerInnen und StudentInnen über ihre eigenen Disziplinen hinaus. In den Lehr- und Forschungsformaten Ringvorlesung und Seminar, Konferenz und Forschungsnetzwerk werden Forschungsbeiträge aus Medien-, Literatur-, Kunst-, Musik- und Kulturwissenschaften versammelt.

Wer Philologie betreibt, sammelt, ediert, kommentiert und archiviert ›Texte‹, um sie für potentielle Leser und Leserinnen verfügbar zu machen. Diese philologischen Operationen sind seit der Entstehungszeit der Philologie im späten 18. und ihrer Institutionalisierung im 19. Jahrhundert in Mediensystemen verankert: Forschungs- und Bildungsanstalten wie Universitäten, Bibliotheken, Archive, Museen oder Schulen konstituieren unter medialen Bedingungen das Erkenntnisinteresse der Philologie, nämlich ›Texte‹. Die Philologie im klassischen Sinn ist Sammlung und Geschichte textueller Artefakte, sie kümmert sich um das Alte. Die Ringvorlesung zieht andere Fluchtlinien, indem sie fragt: Was ist Medienphilologie?

Wer Medienphilologie betreibt, erweitert den Kompetenzbereich der Philologie, indem nicht lediglich ›Texte‹ sondern auch Medien einer vergangenen und gegenwärtigen Kultur zum Gegenstand des Erkenntnisinteresses werden. Die Identifizierung der Medien (Manuskripte, Bild- und Tonträger, digitale Datensätze), die aufgrund ihrer kulturellen Funktion weiterüberliefert werden, verweist auf die Etablierung eines medienphilologischen Kanons.

Wer Medienphilologie historisiert, hebt die signifikante Bedeutung von medialen Praktiken bei der Institutionalisierung und Ausdifferenzierung der Philologie als wissenschaftliche Disziplin hervor und fragt nach einer Mediengeschichte der Philologie, die sich ebenso als eine Philologiegeschichte der Medien erweist. Außerdem wird unter dieser Prämisse die enge Verbindung von Medienwissenschaft und Philologie sichtbar, die sich als eine Transformation der Philologie in eine Kultur- und Medienwissenschaft begreifen lässt.

Wer Medienphilologie aktualisiert, interessiert sich für mediale Fassungen der Philologie und die dabei historisch variierenden Aufschreibetechnologien und –systeme, Apparaturen und Verfahren des Suchens, Blätterns und Findens. Zudem wird die Aufmerksamkeit nicht lediglich auf den ›Text‹ als essentielle Vorlage (Drehbuch, Hörspielskript etc.) gerichtet, sondern danach gefragt, inwiefern intermediale Relationen beobachtbar werden und ›Texte‹ die Strukturen und Effekte anderer Medien evozieren.

Wer Medienphilologie radikalisiert, verneint die Behauptung, dass es keine Theorie der Medienphilologie gibt und fordert eine methodisch reflektierte Re-Medialisierung der Philologie.




 

Ein Projekt der Professur Medienwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Theorie, Geschichte und Ästhetik bilddokumentarischer Formen an der Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Friedrich Balke und Dr. Rupert Gaderer

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Ein Projekt der Professur Medienwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Theorie, Geschichte und Ästhetik bilddokumentarischer Formen an der Ruhr-Universität Bochum
| Prof. Dr. Friedrich Balke und Dr. Rupert Gaderer
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