Lausitz

Teilprojektleiter: Dr. Torsten Meyer, Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Projektbearbeitung: Martin Baumert M. A.

Das Augenmerk des Teilprojektes gilt den umweltpolitischen Akteuren und Institutionen, die die Wiedernutzbarmachung der vom Braunkohlenbergbau devastierten Flächen beeinflussten. Der Untersuchungsraum beschränkt sich auf das Land Brandenburg bzw. ab 1952 auf den Bezirk Cottbus. Dabei stehen die theoretischen Beiträge und praktischen Arbeiten der wissenschaftlichen Akteure im Vordergrund. Von besonderem Interesse sind die Pionierarbeiten von Wilhelm Knabe (geb. 1923), Albrecht Krummsdorf (1926-2014), Reinhold Lingner (1896-1960), Georg Pniower (1902-1968) und Otto Rindt (1906-1994). Sie bildeten die Basis für die Nutzung und Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft im Lausitzer Revier. Darüber hinaus setzten diese Akteure auch im internationalen Vergleich neue Akzente und beeinflussten beispielsweise die Haldensanierung im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebietes. Sie begründeten die Suche nach den „Rosinen im Kippkuchen“, die notwendig waren um eine neue Landschaft zu gestalten.

Das Projekt berücksichtigt darüber hinaus die wichtigen Institutionen in Bezug auf die regionale Umweltpolitik. Diese sind u. a. die VVB Braunkohle Senftenberg und Cottbus, die HV Braunkohle, die Wasserwirtschaft Obere Elbe, das Ministerium für Umweltschutz (ab seiner Gründung 1972) und die Staatliche Plankommission. Nachgezeichnet werden die Interaktionen zwischen den umweltpolitischen Akteuren, die Spielräume für erfolgversprechende ökologische Konzepte, die Prozesse der Wissensgenerierung und -distribution in Bezug auf die Wiedernutzbarmachung sowie die internationalen Verflechtungen und Transfers. Zentrales Augenmerk wird dem Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie an den verschiedenen Wendepunkten der DDR-Umweltgeschichte geschenkt. Vergleichend untersucht werden: 1. der ökologische Aufbruch der 1950er-Jahre; 2. die Hochkonjunktur der Umweltpolitik Ende der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre; 3. die Agonie der späten Ära Honecker nach dem „Ölpreisschock“ 1973 und dem Konzept der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Ziel ist es, anhand der Überlieferungen der wissenschaftlichen Institute und staatlichen Institutionen ein differenziertes Bild von Anspruch und Wirklichkeit der Umweltpolitik der DDR zu zeichnen. Dieses muss wiederum notwendigerweise in die deutsch-deutsche Systemkonkurrenz eingeordnet werden.