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(00081) 27.03.2001 17:20

Zwangsarbeit im deutschen Kohlenbergbau


Bochum, 27.03.2001
Nr. 82


Zwangsarbeit im deutschen Kohlenbergbau
Forschungsprojekt des Instituts für Soziale Bewegungen
Umfangreiche Untersuchungen bis 2005

Die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter des Zweiten
Weltkrieges ist weiterhin ein politisch brisantes Thema. Die
Gründer der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft
haben zuletzt nochmals geholfen, die lange bestehende
Deckungslücke des Stiftungsfonds zu schließen. Darüber
hinaus engagieren sich einige Unternehmen im Bewusstsein
ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auch bei der
wissenschaftlichen Erforschung der Zwangsarbeit. So fördert
die RAG Aktiengesellschaft, ein Gründungsmitglied der
Stiftungsinitiative, gemeinsam mit der Stiftung Bibliothek
des Ruhrgebiets ein Forschungsprojekt am Institut für
Soziale Bewegungen der Ruhr-Universität, das die
Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau umfassend
untersucht. „Die Aufarbeitung dieses dunklen Teils unserer
Geschichte geht uns alle an“, verweist der
RAG-Vorstandsvorsitzende Karl Starzacher mit Blick auf das
Engagement des Essener Bergbau- und Technologie-Konzerns.
Das Forschungsprojekt steht unter der wissenschaftlichen
Leitung von Prof. Dr. Klaus Tenfelde. Ein mit prominenten
Wissenschaftlern besetzter Beirat unterstützt und berät die
Projektleitung und die Projektmitarbeiter.

Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau ...

Der Steinkohlenbergbau war aufgrund seiner zentralen
kriegswirtschaftlichen Bedeutung einer der wichtigsten
Einsatzorte für ausländische Zivilarbeiter und
Kriegsgefangene. Das gilt vor allem für den Ruhrbergbau.
Hier allein waren im Dezember 1943 über 150.000 ausländische
Zivilarbeiter und Kriegsgefangene, vor allem Russen, in den
Gruben eingesetzt. Ein Teilprojekt wird die Zwangsarbeit im
Ruhrbergbau während des Zweiten Weltkrieges detailliert
erforschen und darüber hinaus einen Quellenband erstellen
(Projektbearbeiter Dr. Hans-Christoph Seidel). Wenig bekannt
ist, dass ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene
bereits im Ersten Weltkrieg in großer Zahl in der deutschen
Kriegswirtschaft eingesetzt worden sind. Auch hier war der
Ruhrbergbau maßgeblich beteiligt. Ein Teilprojekt geht
diesem wenig bekannten Zwangsarbeitereinsatz nach
(Projektbearbeiter Kai Rawe, M.A.). Auch die kleineren
deutschen Steinkohlereviere sind in das Gesamtprojekt
einbezogen. Als zentrales Nachweisinstrument der Quellen zur
Zwangsarbeit im deutschen Bergbau wird ein Archivinventar
erstellt (Dr. Evelyn Kroker/Dr. Gustav Seebold).

... sowie Zwangsarbeit im Bergbau der besetzten Gebiete

Die Zwangsarbeit, die Bewohner der von Deutschland besetzen
Gebiete, in ihren Heimatländern und die ausländische
Zivilarbeiter und Kriegsgefangene in Drittländern im Dienste
der deutschen Kriegswirtschaft leisten mussten, ist bisher
noch zu wenig erforscht. Deshalb liegt ein weiterer
Schwerpunkt des Projektes auf der Erforschung von Formen der
Zwangsarbeit im Steinkohlenbergbau der besetzten Gebiete. Es
werden ausführliche Studien zum oberschlesischen Revier (Dr.
Valentina-Maria Stefanski), zum Donezk-Becken in der Ukraine
(Dr. Tanja Penter) sowie zum nordfranzösischen und
belgischen Steinkohlenrevier erstellt (Nathalie Piquet,
M.A.). Erste Ergebnisse aus Teilprojekten werden bis 2003
vorliegen, das Gesamtprojekt wird im Sommer 2005
abgeschlossen.

Weitere Informationen

Dr. Hans-Christoph Seidel, Institut für Soziale Bewegungen
(ISB), Clemensstr. 17-19, Tel.: 0234/32-22587, Fax:
0234/32-14249, eMail: christoph.seidel@ruhr-uni-bochum.de;
Internet : http://www.ruhr-uni-bochum.de/isb/


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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