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(00069) 15.03.2001 15:22

Bochumer Archäologen graben antikes Nobelhotel aus


Bochum, 15.03.2001
Nr. 70

Bochumer Archäologen graben antikes Nobelhotel aus
Zehnjährige Ausgrabungen in Oberitalien beendet
Reiche Funde: Geschirr, Münzen, Textilien und mehr


Zunächst hatten es die Archäologen der Ruhr-Universität
Bochum für einen römischen Gutshof gehalten. Doch je länger
sie gruben, desto deutlicher wurde, dass sie es mit einem
antiken Nobelhotel zu tun hatten. Ein sensationeller Fund,
der einen angemessenen Abschluss bildet für die zehnjährigen
Ausgrabungen in Oberitalien, die von Prof. Dr. Hermann
Büsing und Dr. Andrea Büsing-Kolbe (Institut für
Archäologie, Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB)
geleitet wurden.

Fotos im Internet

Bilder zu dieser Presseinformation können aus dem Internet
heruntergeladen werden: siehe unten!

Mehr als 600 Jahre lang genutzt

Das Grabungsgebiet liegt direkt am Po zwischen den Städten
Ficarolo und Gaiba. Seit 1992 legten die Bochumer
Archäologen dort ein großes Anwesen frei. Sie hielten es
zunächst für eine Villa Rustica (Gutshof), der im 1.
Jahrhundert vor Chr. angelegt worden war. Ebenfalls 1992
wurde das Grab einer ostgotischen Dame entdeckt, die in
vollem Ornat bestattet worden war. Das Anwesen war demnach
noch im 6. Jahrhundert nach Chr. bewohnbar, da sich erst zu
dieser Zeit Ostgoten in Oberitalien aufhielten.

Die richtige Spur zum Hotel

In den beiden letzten Jahren der Grabungen hat sich jedoch
gezeigt, dass der riesige Bau von über 80 m Länge für eine
Villa Rustica zu groß und im Grundriss unüblich war. Das
Gebäude gliedert sich in zwei symmetrische Flügel, die von
einem offenen Hof mit gemauertem Altar getrennt wurden. In
privaten Gutshöfen aber kommen keine gemauerten Altäre vor.
Der Altar und die Zwei-Flügel-Anlage führten die Archäologen
auf die richtige Spur: Beim Anwesen handelt es sich um ein
Hotel, eine antike Raststation mit Reparaturbetrieben und
allen Annehmlichkeiten, die hoch gestellte Reisende in der
Antike erwarten konnten. Denn die Reisenden waren meistens
Staatsbeamte oder Offiziere, die zu ihren Truppenteilen
unterwegs waren, keine Touristen. Das Nobelhotel lag an der
Kreuzung zweier römischer Staatsstraßen. Eine verlief von
Bologna nach Padua und überquerte bei Ficarolo den Po. Dazu
war eine Schiffsbrücke ausreichend, die dem ständig
wechselnden Flusslauf besser angepasst war als eine
steinerne Brücke. Die zweite Staatsstraße lief auf dem
nördlichen Ufer des Po entlang und führte von Verona nach
Ravenna.

Noch heute kühles Brunnenwasser

Eine schattige Halle aus Säulen und Pfeilern nimmt die
gesamte Südseite des Hotels ein und ist zweigeschossig. Im
Ostflügel entdeckte man Spuren eines Treppenhauses. Im
Westflügel wurde im Jahr 2000 unter dem Dach der Halle ein
mindestens 7,50 m tiefer Brunnen ausgegraben, der noch heute
frisches und kühles Wasser liefert. Vor dem Hauptgebäude im
Süden zieht sich ein gepflasterter Bereich hin, an den im
Westen ein rekonstruiertes Grätschen angrenzt: Hier wurde
die ostgotische Dame gefunden. Ein weiteres Gebäude steht
frei im Osten; es ist wie eine Scheune gebaut gewesen und
stand ausschließlich auf Pfeilern. Hier konnte man
Reisewagen und Pferde unterstellen.

Ein Schönheitssalon im Hotel

Im Haus wurde hochwertiges Tischgeschirr städtischen
Standards gefunden, vor allem Trinkschalen und Kannen, die
beim Umtrunk gebraucht wurden; an anderen Stellen kamen
zahlreiche Reste von Amphoren ans Licht, die dem Transport
von Wein dienten. Aber das war nicht alles. In einem Raum
fanden sich viele Gegenstände zum Schminken, Kämmen und
Schmücken der Frauen, die an einen Schönheitssalon erinnern.
Also war offenbar auch für die Unterhaltung der Gäste
gesorgt. In einem anderen Raum zeigen etwa 25 Webgewichte
an, dass Textilien hergestellt wurden. Eine Purpurschnecke
beweist, dass diese Stoffe an Ort und Stelle gefärbt wurden.
Hinzu kommen zahlreiche Gegenstände aus fernen Ländern:
syrisches oder ägyptisches Glas neben römischem; eine
Silbermünze des numidischen Königs Juba I. aus der Zeit des
Pompeius und Cäsars, die nicht zu den normalen Umlaufmünzen
im römischen Reich gehört; eine Emailarbeit in keltischem
Stil, die während der römischen Besetzung Britanniens
entstanden ist.

Mehr als 100 Studierende an Grabungen beteiligt

Über 100 Studierende aus Bochum haben seit 1990 an den
Grabungen teilgenommen und die Techniken der Ausgrabung, die
Dokumentation von Befunden, das Zeichnen der Scherben und
alles, was die Feldarbeit eines Archäologen ausmacht, lernen
können. Hauptsächlich wurden die Grabungen von der Gerda
Henkel Stiftung und der Verwaltung der Regio Veneto
unterstützt, aber auch die Gesellschaft der Freunde der
Ruhr-Universität hat sich daran beteiligt.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hermann Büsing, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät
für Geschichtswissenschaft, Institut für Archäologie, GA
2/162, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum, Tel.
0234/32-22527, Fax 0234/32-14234






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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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