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Dissertationen

Projekte der DoktorandenInnen

 

Florian Bock

Dissertationsprojekt:

Die katholische Kirche und die Presse in Deutschland und Italien um 1968 (Arbeitstitel)

In dem Dissertationsprojekt wird das spannungsvolle Verhältnis von katholischer Kirche und ihren Medien innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und Italien unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil anhand zweier konkreter Beispiele untersucht:
Zum einen wird anhand der Gründungsgeschichte der von den Bischöfen finanzierten Katholischen Wochenzeitung "Publik" dargelegt, welcher Bewältigungsmechanismen sich die katholische Kirche bediente, um sich - angespornt durch das konziliare "Aggiornamento" - dem Dialog mit der Welt zu stellen. Dass es sich bei "Publik" weniger um ein Erfolgsprojekt, sondern eher um ein "Himmelfahrtskommando" handelte, soll dabei nicht verschwiegen werden, ganz im Gegenteil: Vielmehr werden auch die Gründe für die Einstellung von "Publik" durch die deutschen Bischöfe im Jahr 1971 - nur knapp drei Jahre nach der Gründung im Jahr 1968 - systematisch herausgearbeitet.
Während die überregionale katholische Presse in Deutschland seitdem einen eher schweren Stand hat, bietet sich zum anderen in einer Nation wie Italien ein vollkommen divergentes Bild: Dort gilt u.a. der katholische "Avvenire", ebenfalls 1968 (wieder-)gegründet und von der nationalen Bischofskonferenz finanziert, bis heute als eines der meistgelesenen Printmedien. Grund genug, einen Vergleich zu wagen. Neben Archivbesuchen in Deutschland und Italien soll mit Methoden der "oral history" gearbeitet werden (Zeitzeugen-Interviews).

Dieses Projekt ist der DFG-Forschergruppe "Transformation der Religion der Moderne" kooptiert.

Kontakt: Florian Bock

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Nina Buthe

Dissertationsprojekt:

"Kampf um die Sozialisation. Katholische Jugendliche, Bischöfe und BDKJ im Wertewandel der langen 1960er Jahre" (Arbeitstitel)

Die "langen 1960er Jahre" der Bundesrepublik Deutschland gelten in der historischen Forschung unbestritten als eine Phase enormen gesellschaftlichen Umbruchs. Geprägt wurde diese in besonderem Maße durch Jugendliche und junge Erwachsene, die die allmähliche Auflösung vermeintlich festgeschriebener, traditionell verankerter und moralisch aufgeladener Verhaltensmuster als Befreiung propagierten und in Abgrenzung zur Lebensgestaltung ihrer Eltern- und Großelterngeneration alternative Lebensentwürfe entwickelten. Dieser, unter dem Begriff Wertewandel gebündelte Prozess, machte auch vor den Katholiken und der katholischen Kirche nicht halt. So sahen sich viele Priester und Bischöfe zunehmend mit Fragen konfrontiert, die ihre, vor allem jüngeren Schäfchen noch im Verlauf der 1950er Jahre allenfalls hinter vorgehaltener Hand und im Flüsterton diskutiert hatten. Ab den frühen 1960er Jahren begannen junge Katholiken die Einstellung der katholischen Kirche zu den in Veränderung begriffenen Geschlechterrollen und dem damit einhergehenden neuen Verständnis von Partnerschaft und Sexualität nicht nur zu ignorieren, sondern sogar öffentlich zu diskutieren und seit den späten 1960er Jahren vermehrt auch die Haltung der katholischen Kirche überhaupt zu kritisieren, wie sie in Gestalt des Papstes Pauls VI. Position bezogen hatte. Die im BDKJ zusammengeschlossenen katholischen Jugendorganisationen wurden unvermeidlich in diesen Konflikt hineingezogen. Sie betreuten in den 1960er Jahren noch über 800.000 Jungen und Mädchen und waren damit nicht nur die bei weitem größten Jugendorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland, sondern stellten zugleich auch die wichtigsten spezialisierten religiösen Sozialisationsagenturen der Kirche im Jugendalter überhaupt, denen die Bischöfe entsprechende Aufmerksamkeit widmeten.
Die Darstellung und Analyse eben dieser veränderten Einstellungen und Verhaltensweisen, Diskussionen und Auseinandersetzungen zwischen katholischen Jugendlichen, den katholischen Jugendverbänden, sowie der Amtskirche im Kontext des Wertewandels ist Thema der Dissertation. Leitfragen sind hierbei: Wie nahmen katholische Jugendliche die gesellschaftlichen Veränderungen wahr? Wie beeinflusste der Wertewandel ihr Alltagsleben? Wie standen sie zu den Normen- und Wertevorgaben der katholischen Kirche? Wie positionierten sich die katholischen Jugendverbände in diesem Diskurs? Wie verhielten sich die Bischöfe zu den Diskussionen um die Veränderungen von Normen und Werten? Wie entwickelte sich das Verhältnis der drei beteiligten Akteure?
Die Dissertation berührt mit ihrer Analyse drei wichtige Forschungsbereiche:
Zum einen stellt die Beschäftigung mit der katholischen Kirche und ihren Jugendverbänden - den größten sich selbst religiös verpflichtenden Sozialisationsagenten des Jugendalters in der Bundesrepublik Deutschland - einen wichtigen Beitrag zur historischen Sozialisationsforschung dar.
Zum zweiten nimmt die Dissertation mit der Gruppe der Jugendlichen eine Teilgruppe innerhalb der katholischen Lebenswelt in den Blick, der in der deutschen Katholizismusforschung bislang kaum Beachtung gezollt worden ist.
Zum dritten berührt sie durch die Beschäftigung mit geschlechterspezifischen Fragen ein weiteres wissenschaftliches Desiderat innerhalb der Erforschung des deutschen Katholizismus.
Als Quellenbasis werden vornehmlich Aktenbestände kirchlicher Pfarr-, Bistums- - und Erzbistumsarchive sowie wie kleinerer Verbandsarchive genutzt. Zudem stellen kirchliche Periodika, Statistiken, Umfragen und empirische Studien wertvolle Quellen für die Untersuchung dar.
Da aber die Frage nach Werthaltungen, sowie Selbstbildern und Fremdbildern der katholischen Jugendlichen aus Archivmaterialien allenfalls punktuell erschlossen werden kann, bedarf es der Ergänzung durch andere Quellen. Aus diesem Grund sollen Interviews geführt werden, da erst ein biographischer Zugriff es erlaubt, mögliche Differenzen zwischen erinnerter Geschichte und der aus dem Aktenmaterial konstruierten Geschichte sichtbar zu machen.

Kontakt: Nina Buthe

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Christel Karlheim

Dissertationsprojekt:

Sozialer Wandel und Religiosität im mittlerem Ruhrgebiet: Geschichte der katholischen Pfarreien in der Nachkriegszeit

Kooperationsprojekt: Prof. Dr. Wilhelm Damberg, Katholisch-Theologische Fakultät. Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit und Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Institut für soziale Bewegungen. Haus der Geschichte des Ruhrgebiets.

Auf dem Gebiet der Erforschung der Nachkriegsgeschichte des Ruhrgebietskatholizismus besteht ein großer Nachholbedarf. Seit 1950 erlebte das Ruhrgebiet im Kontext der wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland einen Wiederaufstieg, der allerdings seit Ende der 50er Jahre mit der Strukturkrise des Bergbaus in eine schwere Rezession überging, da die Ansiedlung neuer Industrien nur mühsam gelang. Das Kernproblem des wirtschaftlichen Wandels der Region war der Ersatz der wegfallenden Arbeitsplätze im Montanbereich durch andere Wirtschaftszweige.Durch das starke Zurücktreten der Montanindustrien und ihrer Strukturen stiegen aber auch die Zentrifugalkräfte in der Region. Die politische Kultur des Ruhrgebiets verdankt ihre Veränderung auch den Universitätsgründungen, die mit ihrem bildungspolitischen Auftrag zu einem strukturellen Wandel des Reviers erheblich beigetragen haben.Als das nationalsozialistische Regime zusammengebrochen war, galt die Kirche angesichts der allgemeinen Orientierungslosigkeit nicht nur dem eigenen Selbstverständnis nach als Garant von Stabilität und Kontinuität. Gleichwohl gingen innerhalb der katholischen Kirche die Vorstellungen und Meinungen darüber, wie die Kirche nach 1945 zu strukturieren sei, weit auseinander. Von bischöflicher Seite wurde auf die Relevanz der "Wiederbelebung der Pfarrgemeinde als der eigentlichen Urzelle des kirchlich-religiösen Lebens" hingewiesen. Trotz bischöflicher Widerstände haben die katholischen Vereine aber nach 1945 ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die Bischöfe hegten nun die Hoffnung, die Verbände für eine missionarische Seelsorge, ein Laienapostolat, in der Pfarrei mobilisieren und motivieren zu können. Es liegt also auf der Hand, das organisierte Vereins- und Verbandswesen in die Untersuchung zu "Kontinuität und Wandel des kirchlichen Lebens in der Pfarrgemeinde" mit einzubeziehen. Zu denken wäre an die KAB, den Kolpingverein, die Caritas und den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).Unter dem Druck der einsetzenden Bergbaukrise und des sozialen und gesellschaftlichen Wandels stand die Kirche in der Region vor neuen Herausforderungen. Insbesondere soll es das Ziel dieser Arbeit sein, herauszuarbeiten, wie Kirche und Katholiken in den Pfarrgemeinden und Vereinen auf den sozialen Umbruch der Epoche reagierten und in welcher Form sich das kirchliche Leben in diesen Jahren, nicht zuletzt auch durch das II. Vatikanische Konzil bedingt, veränderte.

Kontakt: Christel Karlheim

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Markus Kroll

Dissertationsprojekt:

Katholische Schule in der modernen Gesellschaft am Beispiel der deutschen Provinzen der Franziskanerinnen von der Buße und der christlichen Liebe (Arbeitstitel)

Im 19. Jahrhundert wurden viele neue Frauenkongregationen gegründet, die sich verschiedenster gesellschaftlicher und kirchlicher Nöte annahmen. Für viele Or-densgemeinschaften stellen "Bildung und Erziehung" wesentliche Aspekte ihres Apostolates dar. Ein großes gesellschaftliches Problem stellte die Ausbildung der Jugend dar, wobei hier vor allem der weibliche Teil betroffen war. Dieses gesell-schaftliche Ungleichgewicht versuchten verschiedene Ordensgemeinschaften durch ihr soziales Engagement zu lösen. Die Leitfrage des Dissertationsprojektes ergibt sich dem entsprechend aus den vermuteten Wechselwirkungen von weibli-chen Kongregationen und der deutschen Schulentwicklung. So gewannen bei-spielsweise viele Kongregationen durch ihre Bildungsinstitutionen ihren Nach-wuchs, der aufgrund der Ausbildung wiederum im schulischen Tätigkeitsfeld ein-gesetzt wurde. Bereits seit der Frühen Neuzeit wurden in vielen Gebieten sukzessive Gesetze zur Schulpflicht erlassen, die jedoch selten umgesetzt werden konnten, da es an ausgebildeten Lehrern, der Infrastruktur und der notwendigen Administration fehl-te, sodass diese Gesetze mehr als Absichtserklärungen zu verstehen sind. Auch im 19. Jahrhundert war die Schulpflicht noch nicht flächendeckend etabliert, zu-mal gerade auch der Bereich des Mädchenschulwesens in der Entwicklung weit hinter der Beschulung der Jungen zurückstand. Dies ist auf unterschiedliche Entwicklungen, vor allem auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft, zurückzu-führen. Einführend wird analysiert, welche Bedeutung der hier behandelten Kon-gregation an der Etablierung und Durchführung eines weiblichen Schulwesens am Ende des 19. Jahrhunderts zufällt. Daran schließen sich die Fragen an, wie das Tätigkeitsfeld auf die Kongregation zurückwirkte und in welcher Weise zur ordentlichen Beschulung der Jugend beigetragen wurde. Auf dieser Grundlage und dem Konzept der Longue durée folgend wird das Ne-ben- und Miteinander der Kongregation und der Schulgeschichte bis in die 1970er Jahre untersucht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Konsolidierung der deutschen Nachkriegsgesellschaft wurden durch vielschichtige gesellschaftliche (z.B. Bildungsexpansion) und vor allem kirchliche Entwicklungen (Zweites Vatikanisches Konzil) Ordensreformen angestoßen, die für viele Gemeinschaften gravierende Änderungen im Gemeinschaftsleben und im Apos-tolat zur Folge hatten. Unter anderem waren die Gemeinschaften aufgrund des Dekrets "perfectae caritatis" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) dazu angehalten, "über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens" zu reflektieren und ihre Gemeinschaften den Erkenntnissen entsprechend neu zu strukturieren. Welche Konsequenzen sich daraus für die Gemeinschaft ergaben, wie sie ihrem gesellschaftlichem Tätigkeitsfeld unter besonderer Beachtung des Bereiches Schulwesen nachkamen, ob und welche neuen Strömungen in den Bereich Katholische Schule Einzug hielten, wird diskursiv bearbeitet. Weiter stellt sich die Frage nach dem Stellenwert, den Bildung und Erziehung im Leben und im Tätig-keitsfeld der Kongregationen einnahmen und wie dieser sich aufgrund der gesell-schaftlichen Entwicklungen veränderte, da gerade durch die Bildungsexpansion und die Durchsetzung des gegliederten Schulsystems das Schulwesen in Deutschland verfestigt wurde. Zudem wird der Frage nachgegangen, welche Transformationen sich innerhalb dieser Gemeinschaft und ihrer Tätigkeitsfelder, gerade auch vor dem Hintergrund der gesamtgesellschaftlichen und schulpoliti-schen Entwicklungen, vollzogen.

Kontakt: Markus Kroll

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Isabelle Nagel

Dissertationsprojekt:

Transformationsprozesse katholischer Ordensfrauen in den USA zwischen 1950 und 1980 - Die "Sisters of Charity of the Blessed Virign Mary" und das Mundelein College in Chicago (Arbeitstitel)

In den Jahren 1950 bis 1980 fanden innerhalb der Frauenkongregationen in den USA, nicht alleine aufgrund des II. Vatikanischen Konzils, tief greifende Transformationsprozesse statt. Diese Prozesse, hatten nicht nur Auswirkungen auf die Kongregationen und Ordensfrauen, sondern wurden auch in ihren Institutionen sichtbar. Darzustellen, wie diese Transformationsprozesse sich vollzogen und zu welchen Veränderungen sie führten, ist Ziel dieses Projektes. Das Projekt konzentriert sich besonders auf die Transformationsprozesse der Kongregation der Sisters of Charity of the Blessed Virgin Mary (BVM; Dubuque, Iowa) in den 1950er bis hin zu den 1980er Jahren und eine ihrer wichtigsten Institutionen, dem Mundelein College für Frauen in Chicago. Im Rahmen dieses Colleges interessiere ich mich besonders für Veränderungen in der Administration, der Schülerschaft, des Lehrkörpers, des Campuslebens, der Fachbereiche, der angebotenen Programme (z.B. summer school) und den Unterrichtsmethoden.

Kontakt: Isabelle Nagel

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Jens Oboth

Dissertationsprojekt:

Die deutsche Pax-Christi-Sektion und die NS-Zeit. Bewältigungsversuche zwischen staatlicher und kirchlicher Vergangenheitspolitik in der Bundesrepublik Deutschland (1949-1989) (Arbeitstitel)

In dem Dissertationsprojekt wird untersucht, wie sich die deutsche Sektion der katholischen Friedensorganisation Pax Christi zwischen der Gründung der Bundesrepublik und der Wiedervereinigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat und in welcher Weise sie sich als ?pressure group? für eine inhaltbezogene Vergangenheitsbewältigung innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft sowie der katholischen Kirche in Deutschland betätigte.

Kontakt: Jens Oboth

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Kirsten Oboth

Dissertationsprojekt:

Wandlungsprozesse katholischer Frauenorden in Deutschland im 20. Jahrhundert

Die Dissertation beschäftigt sich mit Transformationsprozessen, die in den 1960er und 1970er Jahren innerhalb katholischer Frauenorden in Deutschland stattgefunden haben. Die apostolisch-tätigen Frauenorden, mit denen sich das Projekt an exemplarischen Beispielen befasst, verzeichneten nach dem Kriegsende einen stetigen personellen Rückgang, der eine andauernde Diskussion über die (Neu-)Positionierung dieser Gemeinschaften in Kirche und Gesellschaft auslöste. Diese interne und nach außen geführte Debatte stand vielfach unter dem Vorzeichen einer Krisensemantik, da sie sich mit der Frage der Rolle der Ordensberufe in der Katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, veränderten Tätigkeitsfeldern und schließlich der Existenzfrage vieler Gemeinschaften verband.

Die Leitfrage ist hierbei, inwiefern sich die Leitbilder der weiblichen Ordensgemeinschaften in der oben genannten Epoche verändert haben, wobei sowohl Selbst- als auch Fremdbeschreibungen von Frauenorden Beachtung finden. Im Rahmen dieser Analyse sollen insbesondere die Diskurse über Geschlechterrollen und Bildung fokussiert werden. Ferner wird an den ausgewählten Beispielen der Frage nachgegangen, wie sich Ordensgemeinschaften in dieser Epoche hinsichtlich ihrer praktischen Tätigkeitsprofile konzeptionell neu ausgerichtet, organisiert und beispielsweise durch Internationalisierung als "Global Player" weiterentwickelt haben.

Kontakt: Kirsten Oboth

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Stefan Radic

Dissertationsprojekt:

Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils im Bistum Aachen (Arbeitstitel)

Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils im Bistum Aachen soll im Dissertationsprojekt untersucht werden, wobei sowohl die diözesane Ebene im Kontext der deutschen Kirche als auch die Ebene der Pfarrgemeinden betrachtet werden muss. Ein Überblick über die Literatur macht deutlich, dass es zwar Einzelaspekte gibt, die untersucht worden sind, eine Gesamtdarstellung aber bislang nicht erschienen ist. Auch liegen keine größeren Darstellungen zur Reaktion der Pfarrgemeinden auf das Konzil oder der Rolle der Bischöfe Pohlschneider und Hemmerle bei der Umsetzung der Konzilsbeschlüsse vor. Diese sollen ebenso thematisiert werden wie die Reaktion ausgewählter Pfarrgemeinden.

Kontakt: Stefan Radic

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Franziskus Siepmann

Dissertationsprojekt:

Das Bistum Essen 1958 bis 1991 - Eine historische Analyse (Arbeitstitel)

Keine fünfzig Jahre nach der Errichtung des Ruhrbistums begann ein beispielloser Wandlungsprozess, der alle Ebenen und Bereiche der katholischen Kirche im Ruhrgebiet miteinschloss, erhebliche finanzielle Einsparungen erzwang und die Diözesanstruktur fundamental veränderte. Diese für viele Katholiken schmerzvolle und von Kritik begleitete Reorganisation kann nur dann angemessen gedeutet werden, wenn zuvor die besondere historische Prägung und Ausgestaltung des zweitjüngsten deutschen Bistums seit seiner Gründung genau betrachtet und analysiert worden sind. Hierzu möchte das angestrebte Dissertationsprojekt einen bislang fehlenden Beitrag leisten.

Auf der einen Seite soll beginnend mit der Gründung 1958 ein detailierter Überblick über Akteure und Strukturen gegeben werden. Der Blick richtet sich dabei nicht auf die einzelnen Gemeinden vor Ort, sondern auf die Diözesanebene und soll so das Bistum prägende Personen, Gremien und Gruppierungen beschreiben. Neben der Bistumsleitung um Bischof Hengsbach, dessen 33.-jährige Amtszeit den Kern des Untersuchungszeitraumes bildet und der wie kein anderer Bischof nach ihm seine Diözese in solch fundamentaler Art und Weise geprägt hat, geraten vor allem die im Ruhrgebietskatholizismus so wichtigen Vereine und Verbände in den Vordergrund. In welcher Weise diese Laienorganisationen zwischen diözesaner Administration und den Katholiken, die sich schon wenige Jahre nach Bistumsgründung deutlich erkennbar vom traditionellen Katholizismus abwandten, agierten, bildet dabei einen weiteren Schwerpunkt.

Auf der anderen Seite soll eine Auseinandersetzung mit der in diesem Kontext von den Akteuren verwandten (theologischen) Semantik und deren Wandel zum Verständnis der Bistumsgeschichte beitragen. Zu fragen ist somit nicht bloß nach den historischen Wurzeln, sondern darüber hinaus nach dem Leitbild für die Gründung der Diözese Essen, nach dem prägenden Selbstverständnis der Bistumsleitung und einem eventuellen Wandel dieser Eigenbeschreibung im Zuge kirchlicher und gesellschaftlicher Wandlungsprozesse, wie sie etwa im Zuge des II. Vatikanischen Konzils, der Würzburger Synode oder des Strukturwandels im Ruhrgebiet auftraten.

Kontakt: Franziskus Siepmann

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Arne Thomsen

Dissertationsprojekt:

Katholische Krankenhäuser im Ruhrgebiet im langen 19. Jahrhundert - Entstehung und Aufbau eines Sozialnetzwerkes

Mit der Entstehung des Ruhrgebiets als urbaner und schwerindustrieller Region entstand ein katholisches caritatives Selbsthilfe-Netzwerk, dessen tragende Säulen die oft aus kleinsten Anfängen entstehenden Krankenhäuser waren. Zu fragen ist, wie die Krankenhäuser in die örtlichen sozial- und konfessionsstrukturellen Besonderheiten verflochten waren. Dabei ist - gerade auch mit Blick auf das Thema "Essen - Kulturhauptstadt Europa 2010" - zu berücksichtigen, dass das Ruhrgebiet anders als im übrigen Deutschland an vielen Orten durch eine Bevölkerung gemischtkonfessioneller und multi-nationaler Herkunft geprägt war und die katholischen Krankenhäuser deshalb oft zugleich auf ein konfessionelles Miteinander oder aber auch Gegeneinander ausgerichtet waren ...mehr...

Kontakt: Arne Thomsen

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Sebastian Tripp

Dissertationsprojekt:

Die Auseinandersetzung mit dem Apartheidregime im deutschen Protestantismus 1959-1994 (Arbeitstitel)

Die Dissertation behandelt anhand der Debatten über das Verhältnis zu Südafrika den innerprotestantischen Diskurs über die Legitimation von Gewalt, über das politische Mandat der Kirchen und über die Positionierung der Kirchen sowohl im Ost-West als auch im Nord-Süd-Konflikt.

Kontakt: Sebastian Tripp

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Barbara Vosberg

Dissertationsprojekt:

"Vom friedlichen Kreuzzug zum transkulturellen Dialog" Transformation und Konsolidierung einer Sendungsidee im Spiegel der Publikationen des Deutschen Vereins vom Heiligen Land 1855-1970. (Arbeitstitel)

Der Begriff des "friedlichen Kreuzzugs" steht für ein nations- und religionsübergreifendes Phänomen des 19. Jahrhunderts, das sich im gesteigerten Interesse westlicher Kulturen an christlicher Präsenz und Einflussnahme im Heiligen Land ausdrückte. Seine vielschichtige Wirkungsgeschichte reicht bis in die Gegenwart unserer multikulturellen pluralen Gesellschaften. Der DVHL ist seit seiner Gründung in diesem Kontext der wohl bedeutendste deutsche katholische Akteur im Heiligen Land. Auf Basis seiner fast lückenlosen Publikationen soll die spezifisch deutsche, katholische Variante des "friedlichen Kreuzzuges" aus der Binnenperspektive, d.h. als ein Stück deutscher Katholizismus- bzw. Caritasgeschichte rekonstruiert und in einer Longue-durée-Studie bis in die jüngste Vergangenheit untersucht werden. Die Studie verfolgt einen ideengeschichtlichen Ansatz, der die chronologische und systematische Aufarbeitung der Vereinstätigkeit im Horizont der großen historischen und gesellschaftlichen Zäsuren mit einbezieht, aber die Frage nach Konsolidierung oder Transformation der ursprünglichen, für den Verein konstituierenden Sendungsidee in den Vordergrund stellt. Im Fokus der archivarischen Quellenarbeit liegt folglich die analytische Rekonstruktion von Denkwelten, in denen sich gesamtgesellschaftliche Wandlungsprozesse widerspiegeln, die wiederum ein Licht auf die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen und innerkirchlichen Veränderungen werfen.

Kontakt: Barbara Vosberg

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Abgeschlossene Dissertationen

 

Dr. theol. Andreas Henkelmann

Dissertation:

Zwischen Milieu und modernem Wohlfahrtstaat: Das Seraphische Liebeswerk und die Umbrüche im caritativen Katholizismus (1889-1960)

Das Seraphische Liebeswerk entstand 1889 aus einer lokalen Initiative einiger dem Ehrenbreitsteiner Kapuzinerkloster angeschlossenen Drittordensgemeinschaften. Unter Leitung des Kapuzinerpaters Cyprian Fröhlich entwickelte es sich innerhalb von wenigen Jahren zu einer überregionalen Größe. 1892 kam es auf 46.000 Mitglieder: 1914 erreichte das Seraphische Liebeswerk ohne seine Ableger in Österreich und der Schweiz den höchsten Mitgliederstand mit etwa 300.000 Personen. Seine Hauptaufgabe sah der Verein in der „Rettung gefährdeter Kinder“ vor „Glaubensverlust“ und „Verwahrlosung“, wie Pater Cyprian Fröhlich in der ersten Ausgabe der Vereinszeitschrift „Seraphischer Kinderfreund“ vom Januar 1891 heraushob.„Das Seraphische Liebeswerk will kurz gesagt mithelfen, die großen Schäden unser jetzigen Gesellschaft zu heilen. Aber wo soll man anfangen zu verbessern? Wo anders, als bei der Jugend, bei den Kindern! Aber bei welchen Kindern soll das Rettungswerk beginnen, wenn nicht bei solchen, die keine hinreichende Erziehung genießen und deshalb verwahrlost an Leib und Seele zu ihrem eigenen zeitlichen und ewigen Verderben und zum Ruin der menschlichen Gesellschaft heranwachsen. Deshalb setzt sich unser Verein, das Seraphische Liebeswerk, zum Hauptzweck, verwahrlosten Kindern eine geordnete Erziehung in christlicher Erziehung oder gut geleiteten Anstalten zu vermitteln.“Allerdings beteiligte sich das Liebeswerk zunächst nur indirekt an den Erziehungsaufgaben, da es sich als „Zahlstelle“ verstand. Das durch Spenden und vor allem durch den Verkauf der Vereinszeitschrift eingenommene Geld verteilte es an Antragsteller, deren Gesuche den obengenannten Zielen entsprachen. Die Umwandlung in einen Erziehungsverein mit eigenen Anstalten erfolgte in der bayrischen Landesabteilung allerdings schon 1893, während in der rheinisch-westfälischen Landesabteilung der Umbruch erst 1902 gelang; die Teilung des Liebeswerkes resultierte aus der Rückkehr P. Cyprian Fröhlichs nach Bayern.Ziel der geplanten Dissertation ist es, die Geschichte der rheinisch-westfälischen Abteilung des Seraphischen Liebeswerkes von seiner Entstehung 1889 bis in die sechziger Jahre zu verfolgen und seine Entwicklung in Bezug zu den übergeordneten „Größen“ des caritativen Katholizismus und des katholischen Milieus zu setzen.

Kontakt: Dr. theol. Andreas Henkelmann

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Dr. phil. Anne Neyer

Dissertation:

Mission und Identität von katholischen High Schools in der Erzdiözese Chicago

Als "größtes unabhängiges Schulsystem in der Weltgeschichte" (Groome) ist das katholische Schulsystem in den USA gleichzeitig Nährboden und Frucht des amerikanischen Katholizismus. Seit der Ankunft der ersten katholischen Siedler im bis dahin weitgehend protestantischen Amerika gab es zunächst zögerliche und nach 1850 immer selbstbewusstere Versuche, katholische Schulen zu errichten. Die Schulen sollten in erster Linie die eigenen Kinder vor der antikatholischen Polemik der öffentlichen Schulen schützen und gleichzeitig verhindern, dass katholische Kinder allzu "amerikanisch" würden. Nach seinem Höhepunkt in den sechziger Jahren wurde das katholische Schulsystem in der Folgezeit von mehren Krisen erschüttert, allen voran vom Rückgang der Anzahl an Ordensleuten in den Schulen. Seitdem versuchen Schulen, mit neuen Ansätzen dem Problem der steigenden Schulkosten und rückläufigen Schülerzahlen entgegenzutreten; die Antworten sind vielfältig und regional unterschiedlich. Gleichzeitig verfügen katholische Schulen heute sowohl im Bereich der akademischen wie auch religiösen Erziehung über einen guten Ruf und werden von Soziologen und Pädagogen als Vorbild für das öffentliche Schulsystem herangezogen.
Das Dissertationsprojekt untersucht zunächst die Geschichte und Gegenwart des amerikanischen katholischen Bildungssystems und seine Bedeutung für den amerikanischen Katholizismus. Schwerpunktmäßig sollen Entwicklungen und Fragestellungen der letzten zehn Jahre diskutiert werden. Steigende Zahlen an nichtkatholischen Schülern und Lehrern, der radikale Rückgang an Ordensleuten in den Schulen, alternative Bildungsangebote, aber vor allem die große finanzielle Belastung von Familien, Pfarreien und Diözesen fordern eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage nach der "Mission und Identität" von katholischen Schulen heute. Welche Ziele verfolgen katholische Schulen? Wen sprechen sie an? Was unterscheidet sie von anderen Schulen? Was legitimiert sie? Am Beispiel von katholischen High Schools in der Erzdiözese Chicago soll untersucht werden, wie die Schulen ihren Bildungsauftrag definieren und wie sie diesen im Schulalltag umsetzen.

Grundlage der Untersuchung sind die Mission Statements und weitere Schuldokumente und Veröffentlichungen der einzelnen High Schools in Chicago, Veröffentlichungen der Erzdiözese Chicago und der amerikanischen Bischofskonferenz sowie Zeitungsartikel.

Kontakt: Dr. phil. Anne Neyer

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Dr. theol. Verena Schmidt

Dissertation:

Pfarrgemeinde und Konzil. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in Pfarrgemeinden im Bistum Essen.

Die Rezeptionsgeschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) in den deutschen Pfarrgemeinden ist bis heute historisch unerforscht. Das Dissertationsprojekt setzt sich am Beispiel des Bistums Essen mit dem "Aggiornamento" der Pfarrgemeinden nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auseinander. Zunächst wird die Ausgangslage bei der Gründung des Bistums im Jahre 1958 in den Blick genommen: welche Binnenstrukturen und welche theologischen Leitmotive prägen das Gemeindeleben und die pastorale Programmatik der Bistumsleitung unter Bischof Hengsbach? Es folgt eine Analyse der Ereignisse in den Jahren 1962-1965 - während der römischen Kirchenversammlung. Wie wurden die Ereignisse verfolgt und interpretiert und wie machten sie sich im Gemeindeleben bemerkbar? Daran schließt sich eine differenzierte Bearbeitung der Entwicklungen nach 1965 an. Im Mittelpunkt stehen das Gefüge von Bistum und Pfarrgemeinden und, am Beispiel exemplarischer Pfarrgemeinden, die Veränderungen in den Binnenstrukturen der Gemeinden, insbesondere der Partizipationsstrukturen und der Liturgiereform.

Kontakt: Dr. theol. Verena Schmidt

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Dr. theol. Christian Schmidtmann

Dissertation:

Katholische Studierende 1945–1973. Ein Beitrag zur Kultur- und Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland, Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe B, Band 102, Paderborn 2006.

Die Untersuchung fragt nach den Veränderungen in kollektiver und individueller Identität katholischer Studierender im Rahmen des „westdeutschen Identitätswandels“ (Ulrich Herbert). Anders als etwa neuere sozialgeschichtliche Arbeiten zur Erforschung des katholischen „Milieus“, die ihr Augenmerk vor allen Dingen auf den Verfall traditioneller Formen der Frömmigkeit richten, geht sie nicht von einer einseitigen Anpassungsleistung der Katholiken und ihrer sozialen Formationen an eine sich „modernisierende“ Gesellschaft aus. Angenommen wird dagegen ein komplexes, prinzipiell reziprokes Gefüge von Wechselwirkungen, Kommunikations- und Interaktionsprozessen auf verschiedenen Ebenen, in dem „Katholizität“ von den Akteuren immer wieder neu definiert und das Verhältnis zur Gesellschaft immer neu ausgehandelt wurde. Allerdings soll es nicht allein um die Transformation von Religion gehen. Untersucht wird auch die Rolle von religiös konnotierten Denkmustern, Wahrnehmungsweisen und Orientierungen für die Strukturierung sozialer, kultureller und politischer Ordnung in der Bundesrepublik, mithin der Anteil katholischer Studierender und Akademiker am „Erfolgsmodell BRD“ (Axel Schildt). Methodisch werden Elemente der Sozialgeschichte mit kulturhistorischen, mentalitätsgeschichtlichen und diskursanalytischen Fragestellungen verbunden. Dazu werden nicht nur die üblichen Quellengattungen wie Zeitschriften und Aktenbestände herangezogen, sondern in einem eigenständigen Abschnitt auch autobiographische Texte und lebensgeschichtliche Interviews ausgewertet.

Kontakt: Dr. theol. Christian Schmidtmann

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Dr. theol. Kai Reinhold

Dissertation:

Die katholischen Pfarrgemeinden in den USA in Geschichte und Gegenwart. Eine Studie im Vergleich zur Entwicklung in Deutschland.

In den Vereinigten Staaten von Amerika geht die Gleichung von Modernisierung und Säkularisierung offenbar nicht auf. Spätestens seitdem George W. Bush Präsident der Vereinigten Staaten ist, haben das die meisten Europäer begriffen. Dass auch der Katholizismus in den USA eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, ist hierzulande nahezu unbekannt. Immerhin sind heute über 63 Mio. US-Amerikaner Katholiken. Das heißt auch, dass gegenwärtig nahezu jeder vierte US-Amerikaner katholisch ist - und dieser Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst weiter. Bereits seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Katholische Kirche die größte Einzeldenomination in einem sonst protestantisch geprägten Land. Besucher aus Europa berichten besonders vom Gemeindeleben, das sie zumeist sehr beeindruckt hat und von ihnen als ungewöhnlich "lebendig" beschrieben wird. Empirisch ist unbestritten, dass die Beteiligung der Katholiken am Gemeindeleben in den USA deutlich höher liegt, insbesondere auch durch junge Altersgruppen. So ist die Teilnahme am Sonntagsgottesdienst etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Diese Feststellung sagt aber noch nichts über die Ursachen aus. Tatsächlich handelt es sich bei der heutigen Situation nicht etwa um ein neues sondern um eine gewachsenes Phänomen. Das Projekt untersucht Geschichte und Gegenwart der Katholischen Pfarrgemeinden in den USA. Die Entwicklung soll schwerpunktmäßig für die Zeit der 1960er Jahre bis in unser neues Jahrtausend dargestellt werden, so dass die Situation der Pfarrgemeinden vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil besondere Berücksichtigung findet. Dass es in der Geschichte der Gemeinden in den USA und in Deutschland teilweise völlig unterschiedliche Entwicklungen gegeben hat, tritt bei eingehender Beschäftigung zu Tage. Das wird schon an zwei Beispielen deutlich: Während in Deutschland die katholischen Bekenntnisschulen alsbald nach Gründung der Bundesrepublik in staatliche Gemeinschaftsschulen überführt wurden, ist die Katholische Kirche in den Vereinigten Staaten mit ihren tausenden Schulen sogar der weltweit größte private Schulträger. Auch bei der Finanzierung der Pfarrgemeinden ging die deutsche Kirche seit den 50er Jahren mit Einführung der Kirchensteuer völlig andere Wege, während sich die US-amerikanischen Gemeinden seit ihren Anfängen im 18. Jahrhundert bis heute direkt selbst finanzieren und damit auch eine wesentlich höhere Eigenständigkeit in den Diözesen bewahrt haben. Solche Unterschiede haben Konsequenzen für das Gemeindeleben. Pfarrmitglieder in den USA, die ihre Gemeinden massiv finanziell unterstützen, identifizieren sich offensichtlich entsprechend stärker mit ihnen, stärker zumindest als deutsche Katholiken, die durch die Kirchensteuer einen Beitrag leisten, der zunächst in einen übergeordneten und anonymeren diözesanen Haushalt fließt. Bei all diesen bemerkenswerten Befunden befinden sich die US-amerikanischen Pfarrgemeinden jedoch zugleich - so wird auch in den Vereinigten Staaten allgemein konstatiert - in gewaltigen Umbrüchen und stehen vor großen Herausforderungen, etwa durch die massiven Zuwanderungen der zum großen Teil katholischen Hispanics aus Mittelamerika, den sich zuspitzenden Priestermangel, die Pädophiliekrise, die seit Anfang 2002 bei vielen Gemeindemitgliedern einen massiven Vertrauensverlust gegenüber Klerikern und insbesondere Bischöfen ausgelöst hat und die teils aus den unvergleichlich hohen Entschädigungszahlungen an die Opfer resultierende Finanzkrise in einigen Diözesen. Aufgrund dieser Situation ist auch in den USA eine weit gehende Reorganisation des kirchlichen Lebens im Gange. Insofern ist doch eine Parallele mit der Kirche in Deutschland zu beobachten, und so ist es Ziel der Studie, aus der Beschäftigung mit Geschichte und Gegenwart der US-amerikanischen Gemeinden neue Anstöße für oder Anfragen an unsere Gemeinschaftsformen und Seelsorge in Deutschland zu gewinnen, vielleicht auch die eine oder andere Bestätigung.

Kontakt: Dr. theol. Kai Reinhold

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