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Blick unter die Schädelplatte: der „Kopfbohrer“

Operative Eingriffe am menschlichen Schädel zählen zu den ältesten chirurgischen Verfahren. Bereits die Inka in Altperu wandten derartige Praktiken an. In Anlehnung an Bohrer ägyptischer Zimmerleute entwickelten die Griechen den klassischen Kronenbohrtrepan. Zwar erweiterte sich in der Antike das Anwendungsfeld der Trepanation, doch warnten die Gelehrten immer vor deren Gefahren. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich eine regelrechte „Trepanationswut“ – allerdings mit hohen Komplikationsraten und Todesfällen.

Und so wurde der Kopfbohrer nach einer Fallgeschichte im Jahr 1870 eingesetzt: Der Heilkünstler versicherte sich der Zustimmung seines Patienten und verabreichte ihm ein genügendes „Quantum Branntwein“. Dann verstopfte der Assistent dem Patienten die Ohren mit Watte, damit er das „sehr unangenehme Sägeklirren des Knochen nicht höre“. Auf der rasierten Haut machte der Operateur dreieckige Einschnitte, klappte die Haut zurück, schabte das Fleisch ab und versorgte die Wunde mit blutstillenden pflanzlichen Mitteln. Dann nahm er den Trepan und drehte ihn an der ausgewählten Stelle, bis sich das Schädelstück ablösen ließ. Jetzt konnte die eigentliche Behandlung beginnen: das Entfernen von Fremdkörpern, Geschwüren, Eiter oder dergleichen. Der abgebildete Kopfbohrer stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Aus der Sammlung

Kopfbohrer

19. Jh.

Signatur: Chir.9

Länge: 12,5 cm