Audimax der Ruhr-Universität Bochum

 

Vorstellung des Fachs

Gegenstand

Die Liturgiewissenschaft gehört seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zum Fächerkanon der Theologie. Ihr Gegenstand ist der Glaube der Kirche, wie er in den verbalen und nonverbalen Elementen der Liturgie zum Ausdruck kommt. Die Liturgiewissenschaft hält bewusst, dass die theologische Beschäftigung mit der Gottesfrage den reinen Diskurs übersteigt. Sie steht für die Überzeugung, dass die Theologie auf das Medium des Rituals angewiesen ist.

Methodik

Lange Zeit hat sich die Liturgiewissenschaft historischer und philologischer Methoden bedient. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wuchs das Bewusstsein, dass ein Gottesdienst ein vielfältiges Kommunikations- und Handlungs-geschehen darstellt, für dessen Erschließung ein breites Instrumentarium erforderlich ist. Heute wird sowohl innerhalb der Theologie als auch darüber hinaus interdisziplinär gearbeitet. Soziologie, Sprach- und Musikwissenschaften, Kunst sowie die Ritualforschung sind nur einige der Gesprächspartner, welche die Gottesdienstforschung erheblich befruchtet haben. Umgekehrt macht die Ausweitung der Methoden die Liturgiewissenschaft auch außerhalb der Theologie zu einem interessanten Gesprächspartner.

Hier wird deutlich, dass Liturgiewissenschaft mehr zu bieten hat als die Untersuchung und Begleitung innerkirchlicher Abläufe. Mit ihrem breiten Ansatz kann sie die Brücke zu anderen Disziplinen schlagen und die Stimme der Theologie im Konzert der Wissenschaften vernehmbar zu Gehör bringen. Wichtige Anstöße gibt eine ökumenische Zusammenarbeit.

Liturgiewissenschaft ist

• eine systematisch-theologische Wissenschaft, die – wie alle anderen theologischen Fächer – den Glauben reflektiert. Ihr besonderes Gepräge erhält sie, weil sie den Glauben reflektiert, so wie er sich in der Feier darstellt.

• eine historische Wissenschaft, die im engen Austausch mit der Geschichtsforschung arbeitet und die historischen Zusammenhänge gottesdienstlichen Handelns aufdeckt.

• eine praktische Wissenschaft, die Kriterien für den praktischen Vollzug des Gottesdienstes erarbeitet und reflektiert. Hier leistet sie einen Beitrag für eine sachgerechte und authentische Verlebendigung des liturgischen Lebens der Kirche.

• eine kulturwissenschaftlich arbeitende Wissenschaft, die sich im Gespräch mit der Anthropologie, der Soziologie, der Kunst, der Musik und vielen anderen Fächern in der Kunst des Verstehens von rituellem Handeln im religiösen Kontext übt.