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Prof. Dr. Nora Prochnow

Biographische Rahmendaten: Frau Prochnow forscht seit 2006 und lehrt seit 2007 an der RUB.    

Motto für Forschung und Lehre: Hirn braucht Arbeit, Diät und Belohnung, sonst sind wir nicht effektiv.

Julia Bandow

Interview mit Nora Prochnow

Sie sind Juniorprofessorin für Experimentelle Neurobiologie in der Abteilung für Neuroanatomie und Molekulare Hirnforschung der Medizinischen Fakultät – worum geht es bei Ihrer Arbeit?
Ich beschäftige mich vornehmlich mit der Funktion von Pannexin1-Kanalproteinen auf Zellen des zentralen Nervensystems. Hierbei handelt es sich um einen teilchenleitenden Kanal mit einer sehr großen Öffnung; Pannexin1 findet sich in ganz unterschiedlichen Strukturen des Gehirns, so zum Beispiel der Retina des Auges oder dem Hippocampus, einer wichtigen Struktur für Lernen und Gedächtnisbildung. Ich schaue mir dort gezielt an, welchen Einfluss dieser Kanal auf synaptische Übertragung nimmt und welche Rolle er gegebenenfalls im Rahmen neurologischer und neurodegenerativer Erkrankungen spielt.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?
Mein Forschungsfeld ist spannend, zurzeit noch wenig untersucht und klinisch relevant. In meinem Labor kann ich Fragestellungen und Problemlösungen erarbeiten. Hier ist Platz für teilweise etwas unkonventionelle Ideen und ich freue mich, in Zukunft einen Beitrag leisten zu können, der zum Beispiel das Verständnis zur Entstehung und Vermeidung von Epilepsie erleichtern wird.

Haben Sie bereits während des Studiums eine akademische Karriere geplant?
Ich habe schon seit der Schule eine akademische Karriere geplant! Ich habe in der Schule mit „Jugend forscht“ angefangen und wusste schon mit 15 Jahren ganz genau, dass ich später mal medizinische Forschung machen möchte. Ja, und dann habe ich das umgesetzt und mache medizinische Forschung.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gerne beruflich gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
Es gab in dieser Hinsicht keinen Plan B. Wenn ich eines Tages von der Uni fliege, weil das Hochschulrahmengesetz greift, ich keinen Ruf bekommen sollte oder die Hochschulwelt zusammenbricht, dann werde ich Fußpflegerin (grinst).

Sie haben einige Zeit im Ausland verbracht. Warum haben Sie sich entschieden, Ihre akademische Karriere in Deutschland weiter zu verfolgen?
Ich wollte eigentlich im Ausland weiterforschen, weil Deutschland durchaus nicht immer diese Anreize bietet, die man im Ausland haben kann, wenn man sich bemüht. Ich bin zurückgekommen, weil ich zum einen meinen PhD in Neuroscience an der International Graduate School of Neuroscience an der RUB beenden wollte, und ich bin letzten Endes hier geblieben, weil ich den Unfall hatte. Zum damaligen Zeitpunkt wäre das logistisch etwas schwierig gewesen. Bei guter Zukunftsperspektive bleibe ich gerne hier, zumal ich mich mit meinen Studierenden und den Kollegen in der Medizinischen Fakultät hier in Bochum sehr wohl fühle.

Karriere und Familie – wie bringt man das unter einen Hut?
Ich plane nicht, Kinder zu haben. Bei mir sind es eher mein Mann und mein Pferd, die mich neben Labor und Vorlesungen in sehr positiven Sinne auf ‚Trab‘ halten. Ich reite immer noch, das macht mir Spaß. Das kriege ich auch unter einen Hut. Man muss dieser wichtigen Zeit einen Platz geben. Das hat das Leben hier mich gelehrt.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?
Ich setze mich auf mein Pferd und reite aus; auch wenn ich nicht laufen kann, ich reite aus – zack. Zudem interessiere ich mich für Kultur und wusele gerne in der Mischung aus Industrie und Kunst herum. Des Weiteren erfreue ich mich an Ruhe und schlafe gerne.

Wenn Sie heute Rektorin der RUB wären, was würden Sie als erstes tun?
Das Hochschulrahmengesetz – so wie es ist - abschaffen! Und gute Leute, die nachweislich qualitativ gute Arbeit an der Universität leisten, mit Dauerstellen versehen und weiterfördern. Das ist Qualitätsmanagement in meinen Augen, keine Einwegartikelwirtschaft in punkto wissenschaftliche Mitarbeiter. Ich habe zu viele gute Dozenten gehen sehen!

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft sehen – was möchten Sie dann erreicht haben?
Ich möchte gerne eine W2-Professur haben. Wenn es machbar wäre, würde ich sogar hierbleiben. Ich möchte in meinen Projekten zielführend sein, gerade auch was die transnationalen Neurowissenschaften anbelangt, die Vereinigung aus Grundlagenforschung und klinischer Anwendung. Außerdem möchte ich auf jeden Fall eine gesunde Work-Life-Balance beibehalten; das ist mir ganz wichtig, man lebt nur einmal.

Was ist Ihr Motto für Forschung und Lehre?
Hirn braucht Arbeit, Diät und Belohnung, sonst sind wir nicht effektiv.

 

21. Mai 2012