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Prof. Dr. Ines Härtel

Biographische Rahmendaten:
Ines Härtel forscht und lehrt seit 2009 an der RUB. Sie leitet den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Verwaltungs-, Europa-, Agrar- und Umweltrecht.

Motto: Carpe Diem – beginne jeden Tag mit Fröhlichkeit.

Ines Haertel

Interview mit Ines Härtel

Sie sind Professorin an der Fakultät für Rechtswissenschaft. Worum geht es bei Ihrer Arbeit?

Ich habe drei aktuelle Forschungsschwerpunkte: Der erste Bereich betrifft den Föderalismus. Ich gebe dazu gerade ein großes dreibändiges Handbuch heraus, mit 100 Autoren aus verschiedenen Disziplinen. Der zweite Schwerpunkt betrifft die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik 2013 – ein wichtiger Bereich für die Landwirte und die ländlichen Regionen. Der dritte Bereich ist das Klimaschutz- und Klimawandelfolgenrecht. Ich hoffe, dass es bald eine Lösung zur Bewältigung des Klimawandels geben wird. Darüber hinaus macht mir natürlich die Arbeit mit den Studentinnen und Studenten sehr viel Freude.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?

An meinem Forschungsfeld fasziniert mich besonders, dass ich mit Fragen zu tun habe, die die Menschen bewegen, und dass Lösungen gesucht werden, die wir dringend in der Gesellschaft brauchen. Dann die Tatsache, dass meine Forschungsfelder international ausgerichtet sind. Das Recht wird ja zunehmend globalisiert sein. So bin ich Ende Juli 2010 in Washington auf dem Weltkongress für Rechtsvergleichung als Landesberichterstatterin für das Verfassungsrecht eingeladen. Und außerdem nehme ich teil am deutsch-chinesischen Rechtsdialog und kooperiere mit chinesischen Universitäten im Agrar- und Umweltrecht.

Haben Sie bereits während Ihres Studiums an eine akademische Karriere gedacht?

Ja, daran habe ich schon ganz früh gedacht. Professorin zu werden, schwebte mir schon im Studium vor Augen. Der Umgang mit vielem Wissen hat mich immer beeindruckt. Deshalb war mir klar, dass ich erst promovieren und dann mich habilitieren wollte, auch wenn das wirklich viel Arbeit war. Aber es hat mich auch gepackt.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?

Nach dem Studium hätte ich auch in eine größere Anwaltskanzlei gehen können oder in ein Bundesministerium – da kamen auch Angebote. Aber für mich war es einfach reizvoller, an einer Universität zu arbeiten und zu wirken.

Karriere und Familie/Partnerschaft – wie bringt man das unter einen Hut?

Ich hoffe, dass sich im universitären Bereich noch einiges weiter entwickelt in puncto Familienfreundlichkeit. Dazu gehört, ob die Universität Angebote machen kann, wenn ein Partner in der Region einen Job sucht, damit beide am selben Ort zusammen leben können. In manchen Ländern erfolgt das ja schon.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?

Ich arbeite sehr gerne (lacht), aber wenn ich nicht arbeite, gehe ich gerne in die Oper, als sehr kulturinteressierter Mensch. Ich bin ganz beeindruckt, wie sich das Ruhrgebiet hier gerade als europäische Kulturhauptstadt präsentiert, was da alles auf die Beine gestellt worden ist! Für mich wächst Europa so wirklich zusammen.

Wenn Sie heute Rektorin der RUB wären, was würden Sie als erstes tun?

Ich würde schauen, welche sind die drei wichtigsten Bereiche für die Universität, die vorangebracht werden müssten. Da würde ich als erstes auf die Frauenförderung schauen, sie sollte weiter vertieft und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vereinfacht werden. Wir sollten in der Zukunft mehr Frauen in der Universität verankern. Ich finde auch, dass Frauen in der Wirtschaft höhere Positionen bekleiden sollten. Wir brauchen das Wissen der Frauen! Da geht noch so viel verloren.

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft schauen, was möchten Sie dann erreicht haben?

Wenn ich nach zehn Jahren zurückschaue, dann würde ich mich sehr freuen, wenn die Doktoranden, die ich betreut habe, auf ihrem Weg ein gutes Stück vorwärts gekommen sind. Ebenso möchte ich sagen können, dass es mit meinen Forschungsprojekten gelungen ist, die Forschung etwas voranzubringen.

05.07.2010