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Prof. Dr. Eva Belke

Biographische Rahmendaten:
Eva Belke forscht und lehrt seit 2009 an der RUB, ihr Fachgebiet ist empirische und simulative Psycholinguistik.

Eva Belke

Interview mit Eva Belke

Sie sind Professorin an der Fakultät für Philologie. Worum geht es bei Ihrer Arbeit?

In meiner Forschungsarbeit interessiere ich mich dafür, wie es Menschen gelingt, Äußerungsideen in Sprache umzuwandeln. Wie sie dabei auf ihr mentales Lexikon zurückgreifen, die richtigen Wörter finden, die richtigen Wörter rechtzeitig in den Äußerungen parat haben. Genau das gleiche auf der Seite des Sprachverstehens: Wie gelingt es uns, gesprochene oder gelesene Informationen zu verstehen?

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Forschungsfeld?

Dass ich mich mit Sprache beschäftige, die wir so selbstverständlich verarbeiten, obwohl es sich dabei um hochkomplexe Prozesse handelt.

Haben Sie bereits während Ihres Studiums an eine akademische Karriere gedacht?

Nein. Ich bin für einen sehr praktischen Beruf ausgebildet worden, nämlich als klinische Linguistin und damit für den Bereich Sprachtherapie. Aber ich habe damals den universitären Ausbildungsweg statt einer Logopädieausbildung gewählt, weil mir das die Option gab, mich nach dem Studium auch anders zu entscheiden. Nicht unbedingt für eine akademische Karriere, sondern für eine anspruchsvollere Tätigkeit.

Was war Ihr Plan B? Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?

Dann wäre ich heute wohl Sprachtherapeutin.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?

Wandern. Lange wandern. Besonders gerne in Großbritannien, da reizt mich die Landschaft sehr.

Sie haben auch an einer englischen Universität gearbeitet. Warum haben Sie sich entschieden, Ihre akademische Karriere in Deutschland weiter zu verfolgen?

Das hatte zum einen private Gründe, zum anderen wollte ich einer Karriere in Deutschland eine Chance geben. Ich bin, finanziert durch eine „Eigene Stelle“ aus DFG-Mitteln, zurückgekommen und habe mir gesagt: ich will es einmal versuchen. Wenn ich in Deutschland nicht längerfristig Fuß fassen kann, kann ich immer noch zurück ins Ausland gehen. Aber es hat geklappt, dass ich hier bleiben konnte und Bochum passt sehr gut vom Standort her.

Wenn Sie heute Rektorin der RUB wären, was würden Sie als erstes tun?

Eine Idee, die ich aus England mitgebracht habe, die wir hier am Institut erfolgreich eingeführt haben und die insgesamt der Uni sehr gut tun würde: Mentoring im Studium. Im Ausland habe ich das als „progress review“ kennen gelernt: Jeder Lehrende betreut aus jedem Jahrgang jeweils eine kleine Gruppe von Studierenden. Wir treffen uns hier am Institut mit den Studierenden im zweiten Semester das erste Mal und besprechen, wie es im Studium läuft. Danach können sie sich dann bei Bedarf melden. Ein Jahr vor dem Bachelor treffen wir uns dann noch einmal, um die weitere Studienplanung zu besprechen. Der Vorteil: Wir haben eine Idee davon, wo die Studierenden sind, sie fallen nicht mehr so leicht durchs Netz, oft können wir ganz konkrete Tipps geben. Und wir erleben die Studierenden ganz anders, wenn sie uns im persönlichen Gespräch gegenüber sitzen als im Hörsaal.

Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft schauen, was möchten Sie dann erreicht haben?

Für mein Labor habe ich einige Forschungsideen, mit denen ich die Arbeitsgruppe innerhalb meines Fachbereichs mit innovativen Themenbereichen etablieren könnte – das möchte ich schon in den nächsten Jahren erreichen. Ansonsten freue ich mich darauf, in zehn Jahren von den Studierenden, die ich mit ausgebildet habe und die den Kontakt zum Institut halten, zu wissen, was aus ihnen geworden ist.

01.07.2010