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Forschung - RÖmische Geschichte

Forschungskolloquium zur Alten Geschichte

Hier finden Sie die Kolloquiumspläne der letzten Semester:

Sommersemester 2013
Wintersemester 2013/14
Sommersemester 2014 fand ein Forschungsfreisemester statt
Wintersemester 2014/15

 

Forschungsschwerpunkte

Ⅰ. RELIGION UND REPUBLIKANISMUS

Die Forschung zur antiken Religion geht von der Annahme aus, dass die Untersuchung religiöser Weltbilder maßgeblich dazu beitragen kann, soziale Strukturen zu konturieren. Dabei erscheint es wichtig, nicht nur die oftmals beschriebenen Gemeinsamkeiten zwischen griechischer und römischer Religion zu betrachten, sondern gerade auch die Unterschiede in der Ausgestaltung der sakralen Sphäre (Sakrale Mächte, Rituale, Heiligtümer und Priester).
Die Analyse der religiösen Fundierung der griechischen und der römischen Gesellschaft soll darüber hinaus für eine weitere zentrale Fragestellung fruchtbar gemacht werden: Die Entstehung des europäischen Republikanismus in der Antike. Denn trotz der großen Bedeutung, die die Religion im Leben der Griechen und Römer spielte, bildete sich eine öffentliche, man könnte sagen: politische, Sphäre heraus, die kaum durch sakrale Normen eingeengt wurde. So entstanden im griechisch-römischen Kulturkreis Gemeinwesen, in denen Entscheidungen durch direkte Kommunikationssituationen anwesender Bürger diskutiert und getroffen werden konnten. Die Besonderheiten dieser im mediterranen Kontext entwickelten Strukturen sollen im welthistorischen Vergleich in ihrer Einmaligkeit herausgestellt werden.

Publikationen:

  • Bernhard Linke: Antike Religion (EGRA 13), München 2014.
  • Bernhard Linke: Die Patrizier, die Priester und die Transformation der Herrschaft. Die sakralen Würdenträger im Zeitalter der Ständekämpfe, in: Urso, Gianpaolo (Hg.): Sacerdos. Figure del sacro nella società romana. Atti del convegno internazionale, Cividale del Friuli, 26-28 settembre 2012, Pisa 2014, S. 13-38.
  • Bernhard Linke: Sacral Purity and Social Order in Ancient Rome, in: Frevel, Christian / Nihan, Christophe (Hgg.): Purity and the Forming of Religious Traditions in the Ancient Mediterranean World and Ancient Judaism (Dynamics in the History of Religions), Leiden / Boston 2013, S. 289-310.
  • Bernhard Linke: Die Einheit nach der Vielfalt. Die religiöse Dimension des römischen Hegemonialanspruches in Latium (5. – 3. Jahrhundert v.Chr.), in: Jehne, Martin / Linke, Bernhard / Rüpke, Jörg (Hgg.): Religiöse Vielfalt und soziale Integration. Die Bedeutung der Religion für die kulturelle Identität und die politische Stabilität im republikanischen Italien (Studien zur Alten Geschichte 17), Heidelberg 2013, S. 69-94.
  • Meret Strothmann: Himmel und Erde im Einklang. Augustus und der Eine Gott, in: B. Linke, M. Meier, M. Strothmann (Hgg.), Zwischen Monarchie und Republik. Gesellschaftliche Stabilisierungsleistungen und politische Transformationspotentiale in den antiken Stadtstaaten (Historia Einzelschriften 217), Stuttgart 2010, 213-229.
  • Bernhard Linke: Jupiter und die Republik. Die Entstehung des europäischen Republikanismus in der Antike, Chiron 39 (2009), 339-358.
  • Sakrale Sukzession und politische Rivalität. Die komplizierte Traditionsbildung in antiken Gesellschaften (im Druck)
  • Bernhard Linke: Religion von Sklaven und Freigelassenen, in: Handbuch der antiken Sklaverei, herausgegeben von der Mainzer Akademie der Wissenschaften (im Druck).

 

Ⅱ. DIE ‚VERFLÜSSIGUNG‘ DER GESCHICHTE DER RÖMISCHEN REPUBLIK

Aber nicht nur die Entstehung und Stabilisierung republikanischer Ordnungsstrukturen sind im Kontext früher Staatlichkeit ungewöhnlich, sondern auch – vor allem im Falle Roms – die Tendenzen zu einer strukturellen Expansion. Den Endpunkt der Entwicklung bildete hier das Phänomen einer ‚imperialen Republik‘, deren staatliche Ausformungen und herrschaftsorientierte Organisationsstrukturen vielfältige Besonderheiten aufwiesen. Erklärungen in der Forschung sind zumeist an Faktoren orientiert, denen eine erhebliche Stabilität zugeschrieben wird, so dass die Sichtweise auf die römische Republik durch eine Überbetonung struktureller Kontinuitäten bestimmt wird. Durch eine situative Dynamisierung der Betrachtung soll eine ‚Verflüssigung der historischen Rekonstruktion‘ erreicht werden, bei der die jeweiligen Konstellationen stärker aus der singulären Rahmung ihres historischen Kontextes erklärt werden. Auf dieser Grundlage soll die Verortung der jeweiligen Akteure und Prozesse in ihren spezifischen zeitgenössischen Kontexten und Handlungshorizonten gewährleistet werden und damit eine differenziertere Rekonstruktion historischer Kausalitäten ermöglicht werden.

Der konkreten Umsetzung dieser Zielsetzung dient eine Monographie zur Entwicklung der römischen Republik von 280 bis 70 v. Chr., die sich zur Zeit in der Abfassung befindet. Darüber hinaus wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Fabian Klinck (Juristische Fakultät / Bürgerliches Recht, Römisches Recht und Zivilverfahrensrecht) ein Projekt entwickelt, das durch die stärkere Vernetzung von althistorischer und rechtshistorischer Forschung die bisher weitgehend ungenutzten Informationen zum römischen Privatrecht und seiner Entwicklung seit der Frühzeit für eine differenziertere historische Rekonstruktion nutzbar machen soll.

 

Ⅲ. DIE ANALYSE DER ZENTRALEN BEDEUTUNG DER PERIPHERIE IN DER RÖMISCHEN REPUBLIK

Das Bemühen um die Dynamisierung der historischen Analyse soll auch den Weg für eine differenziertere Betrachtung der Wechselwirkung von Zentrum und Peripherie frei machen. Hierbei soll die Bedeutung der Peripherie, ihre Eigendynamik und Graviationskraft auf das Zentrum neu bewertet und auf diese Weise die zentrumsfokussierte Rekonstruktion der Gesellschaft überwunden werden.
Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Imperiumsbildung Roms war letztendlich die Etablierung einer stabilen Herrschaftsordnung in Italien. Diese zeichnete sich durch einen komplexen Aufbau unter dauerhafter Integration und Mobilisierung der besiegten italischen Völker – der Bundesgenossen – aus. Gleichzeitig erfuhr das römische Bürgergebiet eine massive Ausdehnung durch teilweise Konfiszierung und anschließende Verteilung eroberter Gebiete. Auffällig ist hierbei, dass die Ausdehnung des römischen Bürgergebiets durch keinerlei Anstrengung bezüglich der Integration der immer weiter entfernt lebenden Bürger durch repräsentative Strukturen aufgewogen wurde. Die Ausdehnung des römischen Bürgergebiets wurde lediglich von einer stärkeren Konzentration und Intensivierung der staatlichen Funktionen im imperialen Zentrum – der urbs Roma – begleitet. Trotz der in der Tiefe äußerst gering entfalteten Regelungstiefe produzierte diese Konstellation allerdings einen großen Zusammenhalt, der wohl vor allem durch die erfolgsversprechende externe Ressourcenabschöpfung mittels militärischer Unternehmungen zu erklären ist. Damit ermahnt das Beispiel der Römischen Republik auch dazu, Organisationseffizienz nicht zwangsläufig mit intensiv entwickelter staatlicher Durchdringung gleichzusetzen, sondern vielmehr die Aspekte der Partizipationsbereitschaft und Autonomiegarantie in den Vordergrund zu stellen.
Die interdisziplinäre Kooperation im Rahmen eines Forschergruppenantrags zu „Territorialisierungen. Prozesse sozialer und kultureller Gebietlichkeit‘ als wichtiger Impulsgeber für die Weiterentwicklung der Analysekategorien. Das eigene Projekt zielt dabei auf die Erstellung mehrerer Kartenserien, die die komplexe Interdependenz von Ansiedlungen und Koloniegründungen an der Peripherie (einschließlich ihrer baulichen Strukturen), den territorialen Konturen der republikanischen Gesellschaft und der Entwicklung zentraler Urbanität in der Stadt Rom (Einwohnerzahl, ökonomische und kommunikative Infrastruktur) jeweils zu bestimmten Zeitpunkten verdeutlichen sollen. Dies soll dem Rezipienten die Rekonstruktion einer situationsbezogenen Matrix ermöglichen, die die jeweiligen Rahmenkonstellationen der gesellschaftlichen Akteure transparenter machen soll.
Darüber hinaus befassen sich aktuell zwei Promotionsvorhaben (Marian Helm, M.A. zur frühen Republik und Stefan Schorning, M.A. zu Provinzialisierung in der Republik) mit diesen komplexen Konstellationen.

 

Ⅳ. DIE MEDITERRANE BEDINGTHEIT VON SEERÜSTUNG UND SEEHERRSCHAFT

Die maritime Kriegsführung in der Antike stellt einen breit gefächerten Forschungsgegenstand dar: von Salamis bis Actium rückt die Rüstung zur See immer wieder ins Zentrum der Geschehnisse. Hierbei fällt auf, dass die Ausrüstung von Flotten im Gegensatz zu Landstreitkräften einen ungeheuren finanziellen Kraftakt darstellte, wozu u.a. die Rekrutierung und Ausbildung von kompetenten und zahlreichen Rudermannschaften sowie die Etablierung einer leistungsfähigen Infrastruktur zum Erhalt der Streitkraft gehörten. Gemessen an den Möglichkeiten und Risiken der antiken Nautik bewegte sich die antike Seekriegsführung hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Analyse damit auf einem schmalen Grad.
Im Rahmen der Forschungen zum Thema zeichnete sich damit immer stärker ab, dass die maritime Kriegsführung weit über die eigentliche kriegerische Komponente hinaus gesellschafts-politische Wirkung entfaltete. Besonders die Aufwertung der Rudermannschaften in ihrem gesellschaftlichen Status sowie die Frage nach Finanzierung und Verwendung der Flotten werfen hierbei brisante Fragen auf. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Rom erst sehr spät - Mitte des 1. Jahrhunderts v.Chr. - aktiv und endgültig seine Herrschaft über das dann als „mare nostrum“ bekannte Mittelmeer etablierte und dies vor allem durch die Beherrschung der Küstenregionen bewerkstelligte, lädt zu einer kritischen Auseinandersetzung und Untersuchung der bisherigen Vorstellungen von antiker Seeherrschaft und Flottenrüstung ein.

Publikationen:

  • Bernhard Linke: Meer ohne Ordnung. Seerüstung und Piraterie in der Römischen Republik, in: Jaspert, Nikolas / Kolditz, Sebastian (Hgg.): Seeraub im Mittelmeerraum. Piraterie, Korsarentum und maritime Gewalt von der Antike bis zur Neuzeit (Mittelmeerstudien 3), Paderborn 2013, S. 265-280.
  • Die Republik und das Meer. Seerüstung und römische Innenpolitik im Ersten Punischen Krieg (im Druck).

 

Tagungen und Workshops

Workshops mit den Lehrstühlen für Alte Geschichte der TU Dresden und der Universität Bielefeld
Seit dem Jahr 2009 hat sich ein Austausch zwischen den Lehrstühlen für Alte Geschichte der Universitäten Bochum, Bielefeld und Dresden entwickelt, der seinen Ausdruck in gemeinsamen Workshops und Kolloquien findet. Exemplarisch seien hier drei Workshops aufgeführt, die an den drei Universitäten stattfanden.

Dresden, 24-26.6.2010: Konflikte und Gemeinsinn in der Antike

2010 wurde der Lehrstuhl für Römische Geschichte im Rahmen des SFB 804 (Teilprojekt B1) „Transzendenz und Gemeinsinn“ zu einer Tagung an die TU Dresden eingeladen. Dort hatte die studentische Forschungsgruppe Konflikt und Konsens die Möglichkei, erste Ergebnisse ihrer Arbeit vorzutragen.


Programm:

10:00-13:00
Studentische Forschungsgruppe Bochum (Michael Cramer, Marian Helm, Oliver Mergen, Britta Schroeter, Stefan Skowronski): Konflikt und Konsens in der römischen Republik

Meret Strothmann: Kulte und Feste als Ordnungskonzepte des römischen Kalenders

13:00-15:00    Mittagspause

15:00 - 19:00
Konrad Petzold: Der Akzeptanzverlust des Elagabal

Christina Fischer: "Latrocinium" oder "Freiheitskampf"? - Der Tacfarinas-Aufstand im 1. Jh. n. Chr.

Kevin Kuhne: Pluralität bei den Persern? Oder: Was sagen uns Anlagen wie Persepolis und Parsagadae?

Stefan Fraß: Die Bedeutung egalitärer Strukturen für die Staatsentstehung im archaischen Griechenland

 

Bielefeld, 14.-15.02.2011: Römische Religion zur Zeit der Republik im mediterranen Kontext

Eine weitere Einladung der studentischen Nachwuchsgruppe der Alten Geschichte erfolgte 2011 zur Tagung „Römische Religion zur Zeit der Republik im mediterranen Kontext“, die Teil der Arbeit des SFB 584 „Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte“ war.

Programm:
https://www.uni-bielefeld.de/geschichte/abteilung/workshop_roemischereligion_flyer.pdf

 

Montag, 14. Februar 2011
Beginn 13.00 Uhr

Günther Schörner (Erlangen): Religiöse Bildsprache im republikanischen Rom im Vergleich zu Griechenland

Klaus Freitag (Aachen): Die Etablierung römischer Herrschaft in Hellas und griechische Heiligtümer

Studentische Forschungsgruppe (Bielefeld): Werkstattbericht

Bernhard Linke (Bochum): Zwei Alte Geschichten – zwei Religionen? Überlegungen zu den Differenzen in den antiken Weltbildern

Dienstag, 15. Februar 2011
Beginn 9.00 Uhr
Veit Rosenberger (Erfurt): Nochmals Prodigien: Was ich schon immer über römische Religion wissen wollte, aber nie zu fragen wagte

Gemeinsame Quellenwerkstatt: Pragmatische pietas? – Selbst- und Fremdwahrnehmungen

Studentische Forschungsgruppe (Bochum): Der Einsatz religiöser Machtmittel in der römischen Republik

David Engels (Brüssel): Dionysios von Halikarnassos und die römische Divination

Ein Bericht zur Tagung findet sich hier: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3658

 

Bochum, 03.03.2012: Nachwuchstagung "Konflikt und Konsens in der römischen Republik"

Im März 2012 wurden die gastgebenden Lehrstühle der Jahre 2010 und 2011 nach Bochum eingeladen, um die Ergebnisse des studentischen Workshops „Konflikt und Konsens in der römischen Republik“ zu diskutieren.

Programm
10:00 Uhr Willkommenskaffee und Begrüßung durch Prof. Dr. Bernhard Linke
10:30 Uhr Vorstellung des Tagungskonzeptes
11:00 Uhr Entwicklung einer gemeinsamen Methodik
12:30 Uhr Mittagspause
13:15 Uhr Einführung in die Kleingruppenarbeit
13:30 Uhr Quellendiskussion in Kleingruppen

  • Sektion 1: Konflikte in der frühen Republik
  • Sektion 2: Konflikte im Inneren auf dem Weg zur Weltmacht
  • Sektion 3: Konflikte im 2. Jahrhundert v.Chr.
  • Sektion 4: Konflikte im Spannungsfeld von Religion und Politik
  • Sektion 5: Jenseits der Staatsführung - Konflikte mittlerer Ebene

15:00 Uhr Kaffeepause
15:15 Uhr Präsentation der Ergebnisse der Sektionen
16:30 Uhr Diskussion der Ergebnisse
17:00 Uhr Kaffeepause
17:15 Uhr Abendvortrag von Prof. Dr. Martin Jehne
18:00 Uhr Resümee

Die Geschichte hinter der Tagung
Seit dem Wintersemester 2009/10 besteht mit dem Workshop "Konflikt und Konsens in der römischen Republik" eine aus studentischer Initiative und Engagement gegründete Arbeitsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum. In wöchentlichen Sitzungen erarbeiteten die Studierenden ein Modell, mit dem Konfliktfälle und Konfliktlösungsstrategien in der römischen Republik untersucht und erklärt werden sollen. Die Arbeit in den freiwilligen Workshops basierte auf quellennaher Arbeit und einer zwanglosen Diskussion.
Im Wintersemester 2011/2012 wurden die Ergebnisse des studentischen Workshops Grundlage für ein Oberseminar.

Die Konzeption der Tagung
Die im Workshop und Oberseminar gesammelten Ergebnisse sollen nun durch die Tagung gebündelt und in einem größeren Rahmen weiter diskutiert werden. Die Auswahl des breit angelegten Themas Konflikt und Konsens beruht auf der anfänglichen Konzeption des studentischen Workshops, der hiermit gezielt einem möglichst großen Inter- essensspektrum entgegenkommen wollte. Im Rahmen der Arbeit des Workshops bewährte sich die Themenauswahl, da die Verwendung sozialwissenschaftlicher Konflikttheorien und Konsensstrategien neue Perspektiven auf das Quellenmaterial ermöglichte. Dies ist umso wünschenswerter, als die althistorische Forschung für den Zeitraum zwischen dem sogenannten Ausgleich der Stände und den Gracchen eine Konsensgesellschaft postuliert, die in solcher Form in der historischen Überlieferung nicht belegbar ist.
Die Tagung soll dabei allen interessierten Bochumer und auswärtigen Studierenden ein Forum zu einem produktiven Austausch und wissenschaftlicher Vernetzung bieten.Die positiven Erfahrungen der Arbeit im studentischen Workshop fließen dabei direkt in die Tagungsgestaltung ein. Im Zentrum der Tagung steht daher die gemeinsame, zwanglose Quellendiskussion.

Bericht zur Tagung
Die Nachwuchstagung „Konflikt und Konsens in der römischen Republik“, die am 3. März 2012 an der Ruhr-Universität Bochum stattfand, hatte zum Ziel, eine  zwanglose Diskussion zwischen Studierenden und Lehrenden verschiedener Universitäten zu ermöglichen. Der Tagung kam hierbei die rege Teilnahme von auswärtigen Studierenden und Lehrenden der Universitäten Dresden, Bielefeld und Düsseldorf zugute. Daneben nahmen auch zahlreiche Studierende der Ruhr-Universität an der Tagung teil, von denen die Mehrheit an dem vorbereitenden Oberseminar im Wintersemester 2011/12 teilgenommen hatte. Das Feedback der Studierenden der RUB fiel dabei außerordentlich gut aus, da man sich durch die Tagung gut auf die Modulabschlussprüfung im Fach Geschichte im Rahmen des Master of Education vorbereitet fühlte. Des Weiteren konnten zentrale Aspekte des Oberseminars im größeren Kontext besprochen werden, wobei die Bochumer Studierenden als Experten für ihr auch im Oberseminar bearbeitetes Teilgebiet fungierten.
In dieser Hinsicht war die Nachwuchstagung ein voller Erfolg, da auch in den vorbereitenden Veranstaltungen stets versucht worden war, eine zielorientierte Diskussionsrunde mit den jeweiligen Interessen und Bedürfnissen der Studierenden zu verbinden. Das positive Feedback basierte dabei nicht nur auf dem Eindruck der Vorträge, sondern vor allem auch auf der intensiven Behandlung der Thematik in den nach Epochen (Frühe Republik, Mittlere Republik, Späte Republik) aufgeteilten Workshops, in denen Studierende und Lehrende gemeinsam versuchten, epochenspezifische Handlungsmuster und Spielregeln von Konflikt- und Konsensverhalten zu ermitteln.
Diese Arbeit wurde dadurch erleichtert, dass in den vorangegangenen Vorträgen bereits allgemeine Überlegungen zu diesen Punkten angestellt wurden. Während die Bochumer Studierenden hier besonders Natur und Ablauf von Konflikten darstellten, bereicherten die Studierenden der TU Dresden die Ergebnisse durch die überzeugende Erarbeitung und Vorstellung der Funktion eines gesellschaftlichen Konsenses. Von besonderem Interesse war hierbei die Feststellung, dass jedem gesellschaftlichen Konflikt der elementare Konsens über die Anerkennung der Vergesellschaftung der betroffenen Gruppe zugrunde lag, so dass jede Form der Konflikthandlung gewissen Spielregeln unterworfen bleiben musste.
Auf dieser Grundlage konnte eine Auseinandersetzung mit der Thematik in den Kleingruppen am Nachmittag erfolgen. Die Ergebnisse dieser Überlegungen wurden am späten Nachmittag dem Plenum vorgetragen. Hierbei verwies Prof. Dr. Uwe Walter überzeugend auf ein Kernelement von Konflikten in Rom, das vor allem in der Tatsache bestand, dass die Akteure aufgrund der Konstruktion der jährlichen Magistraturen und der Bedeutung des Konsulats über einen äußerst begrenzten Zeithorizont verfügten, was die Ausprägung von stark situativen Handlungsdispositionen fördere. Außerdem hob Prof. Dr. Martin Jehne in dem Abendvortrag besonders hervor, dass es bei Konflikten stets darauf ankomme, in wie weit vom Konflikt Betroffene an der Entscheidung beteiligt sind. In der Frage, wie aus Unzufriedenheitspotential ein Konflikt entstehe, komme es im öffentlichen Raum darauf an, ob Skandalisierungsstrategien oder Mittel zur Kommunikationsverhinderung genutzt werden. Prof. Dr. Bernhard Linke führte zum Abschluss der Tagung die unterschiedlichen Fäden zusammen, indem er darauf hinwies, dass die betrachteten Konflikte einer Eigendynamik unterlägen, die sich – je nach Interessenlage der beteiligten Gruppen oder Personen – zu temporär verdichteten Konfliktsituationen ausweiten könnten. Letztlich handele es sich um eine Fiktion, eine gesellschaftliche Kohärenz für das republikanische Rom anzunehmen. Vielmehr müssten Konflikte stärker in den Blickwinkel rücken, um die Funktionsweise der römischen Republik zu verstehen.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Nachwuchstagung „Konflikt und Konsens in der römischen Republik“ ihr Ziel erreicht hat, Studierende und Lehrende unterschiedlicher Universitäten zusammenzubringen, um dadurch sowohl wissenschaftliches Arbeiten und überregionalen Austausch zu ermöglichen als auch unterschiedliche Perspektiven und methodische Vorgehensweisen kennenzulernen. Auch das durchgängig positive Feedback aller Teilnehmer sprach in dieser Hinsicht für den Erfolg der Tagung.
Zum Schluss ein Wort des Dankes: Wir möchten uns an dieser Stelle auch noch einmal beim Historischen Institut der Ruhr-Universität und beim Verein zur Förderung der Lehre am Historischen Institut bedanken, die es uns erst ermöglicht haben, diese Tagung in die Tat umzusetzen.
Michael Cramer, Marian Helm, Stefan Schorning

Zur antiken Religion

Bochum, 24.-25.6.2009: Religion für die Sinne. I. Teil: Zur religiösen Bedeutung von Musik, Prozessionen und bildender Kunst in Antike und Mittelalter
Programm: http://www.khk.ceres.ruhr-uni-bochum.de/static/uploads/khk/events/Flyer_Religion_fuer_die_Sinne_I_-_5neu.pdf
Bericht: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2763

Bochum, 25.-26.11.2009: Religion für die Sinne. II. Teil: Zur religiösen Bedeutung von Tanz, Ekstase und Heilkunde in Antike und Mittelalter
Programm: http://idw-online.de/en/attachmentdata654.pdf
Bericht: http://www.ceres.rub.de/static/uploads/khk/reports/religion_for_the_senses_ii.pdf

Bochum, 21.-22.04.2010: Religion for the Senses. Part III: Religious Meanings of Taste, Smell and Touch in Ancient and Medieval Asia and Europe
Bericht: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3253

 

Bochum, 23.-24.09.2010 und 21.10.2010: Emperor between Man and Deity. Configuration of the Sacral Presence in the Roman Empire
Programm: http://www.ceres.rub.de/static/uploads/khk/events/flyer-emperor_between_man_and_deity.pdf

 

Bochum, 24.-.25.10.2012: The Debate between Jews and Christians until the Age of Theodosius. The Process of Differentation from 2nd to the 4th Centuries CE Reconsidered
Programm: http://www.ceres.rub.de/static/uploads/khk/events/hasselhoff_strothmann_hollender_workshop_2012_klein.pdf
Bericht: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4632

 

Bochum, 04.-05.07.2013: Religio licita? Rom und die Juden von Pompeius bis Konstantin
Programm: http://www.khk.ceres.ruhr-uni-bochum.de/static/uploads/khk/events/workshop-20130704-religio-licita_0617_web.pdf
Bericht: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=5052

 

Zur Territorialisierung
Bochum, 03.-04.07.2014
Berlin, 12.-13.06.2015

Der Workshop geht von dem Forschungsstand aus, dass kulturelle und soziale Räume nicht gegeben sind, sondern geschaffen werden. Im Anschluss daran soll die Frage gestellt werden, ob Territorialität als eine Intensivierung der soziokulturellen Prägung von Räumen verstanden werden kann. Sollte sich dieses Konzept als tragfähig erweisen, interessieren auf besondere Weise die Übergangsformen von Raumbildung zu Territorialität. Dabei geht es um spezielle Formen der Raumaneignung und -konstruktion, die ihrerseits in vielfältigen Wechselbeziehungen zu den Identitätsentwürfen von sozialen Akteuren und Gruppen stehen. Hiermit sind solche personalen wie auch gruppenbezogenen Raumartikulationen gemeint, die sich durch die Bindung an eine bestimmte Fläche oder eine Gegend auszeichnen, um so Kommunikation zu vereinfachen. Für die gruppenbezogene Territorialität kann die Frage erhoben werden, ob sie räumlicher Ausdruck der Überwindung des räumlich gebundenen Selbst in einer sozialen Kollektivität ist, die sich durch Raumkonstruktionen aneignet und damit dem Raum eine identitätsstiftende Dimension verleiht? Dann stünde die interne Identität immer auch in einem reziproken Verhältnis zu Abgrenzungen und Ausschlüssen. Das Konzept der Territorialität enthält somit immer konstituierende und konkurrierende Elemente.
Der Workshop behandelt Phänomene der Raumaneignung, der Raumkonstruktion und -konkurrenz, wobei geprüft werden soll, inwieweit eine Unterscheidung von funktionalen und symbolischen Formen sinnvoll zu konzeptualisieren ist. Bei Territorialitätsentwürfen sollen demnach soziale und natürliche Umweltbedingungen sowie ihre Umformung untersucht werden. Zu beachten dabei ist, dass Territorialisierungsprozesse nicht an Epochen, insbesondere derjenigen des Nationalstaats gebunden sind, sondern eine zeitübergreifende Universalie gesellschaftlichen Lebens darstellen, die freilich unterschiedliche Ausprägungen erfahren. Vor diesem Hintergrund ist auch zu fragen, ob Globalisierung und neue Medien tatsächlich immer Deterritorialisierung des sozialen Lebens bedeuten oder ob nicht vielmehr neue Territorien generiert werden. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage, ob Territorialität immer ein flächendeckender Anspruch ist oder ob es hier auch überlappende Formen gibt.

Konzeption:
Prof. Dr. Cornelia Jöchner, Prof. Dr. Bernhard Linke

Programm: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10152515497656420&set=gm.1503509799879270&type=1&theater

 

Forschung -RÖmische Geschichte