RUBENS Nr. 180 - 1. Juli 2014
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Deutsch-serbische Partnerschaft

100 Jahre akademische Zusammenarbeit im Bauwesen

1913 verlieh die TH Darmstadt als erste deutsche Hochschule den akademischen Titel „Diplom Ingenieur“ an eine Frau (s. „Die Zeit“ vom 12.9.2013). Jovanka Bončić hatte ihrer Zulassung für das Studium in Deutschland an der serbischen Universität in Belgrad (Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen) erworben. Zu jener Zeit war der Diplom-Vordruck nicht für Frauen vorgesehen. Der Passus „Herr Diplom-Ingenieur“ musste daher von Hand durch „Fräulein Diplom-Ingenieur“ ersetzt werden.

Die Ruhr-Universität ging Mitte der Siebzigerjahre eine Partnerschaft mit der südserbischen Universität Niš ein. Diese Kooperation wird im Bauwesen bis heute durch den DAAD im Rahmen des Stabilitätspaktes für Südosteuropa mit Stipendien für Studierende dieser Region unterstützt. Im Projekt DYNET ist der internationale Bochumer Master-Studiengang Computational Engineering eingebunden. Die Zusammenarbeit erweiterte sich inzwischen in Südosteuropa zur grenzüberschreitenden, den Regeln von Bologna entsprechenden Doktorandenförderung SEEFORM (South Eastern Formation for PhD candidates). Die deutsche Koordinationsstelle von SEEFORM ist die RUB, die regionale die Universität Kiril und Methodius in Skopje, Mazedonien.
Anlass für diesen Bericht ist die Antrittsvorlesung von Sandra Klinge (geb. Ilić), Absolventin der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen in Niš. Sandra Klinge hatte sich 2000 in Bochum in Computational Engineering eingeschrieben und für ihre Leistungen den 1. Preis ihrer Kohorte erhalten. Anschließend promovierte sie mit Auszeichnung bei Prof. Klaus Hackl am Lehrstuhl für Allgemeine Mechanik und habilitierte sich ebenfalls dort für das Fachgebiet Allgemeine Mechanik. Ihre Antrittsvorlesung findet am 5. Juli in der Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der RUB statt. Dann gehört Sandra Klinge dem Kreis der Hochschullehrer dieser Fakultät an und verdoppelt dort gleichzeitig den Frauenanteil.
Von 2000 bis 2014 hat Sandra Klinge, von der Studentin in Niš bis zur Privatdozentin in Bochum, sehr erfolgreich die oben beschriebene deutsch–serbische Zusammenarbeit betrieben. Sie hat vor, in Deutschland ihre Hochschulkarriere fortzusetzen. Es ist daher zu befürchten, dass sie der RUB als Hochschullehrerin nicht sehr lange erhalten bleibt.
Der bisherige Frauenanteil der Fakultät wird übrigens durch Prof. Tamara Nestorović repräsentiert. Die gebürtige Serbin erwarb in ihren ersten akademischen Titel ebenfalls in Niš. Jetzt leitet sie im Institut für Mechanik den Lehrstuhl Mechanik Adaptiver Systeme.

 

G. Schmid; Foto: privat | Themenübersicht