RUBENS Nr. 176 - 1. Feb. 2014
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Schärfer als Pfefferspray

Im Botanischen Garten entstand ein Buch über Chili & Paprika

Drei Mitarbeiter des Botanischen Gartens haben ein Buch über Chili und Paprika geschrieben, das kürzlich im Wittener Formosa-Verlag erschienen ist. Darin stellen Jan Rasche, Timo und Jan Riering 120 der interessantesten, schmackhaftesten, schärfsten und farbenprächtigsten Paprika- und Chilisorten vor.


Chili und Paprika sind nicht nur einfach Gemüse. In vielen Ländern gehören die scharfen Früchte schon lange zum täglichen Leben und es hat sich eine wahre Fankultur gebildet. Auch in Deutschland gibt es eine stetig größer werdende Gemeinde von begeisterten Hobbyzüchtern, Gourmets und „Chiliheads“, die sich diesen faszinierenden Nachtschattengewächsen widmen.
Im Botanischen Garten der RUB gibt es bereits seit einigen Jahren eine Sammlung vieler unterschiedlicher Chili- und Paprika-Sorten. Sie ist dank der Pflege des Zierpflanzengärtners Jan Rasche mit den Jahren immer mehr gewachsen. Rasche betreut das Kalthaus-Revier, zusätzlich kümmert er sich um Anzucht, Pflege und Ausstellung der Chilisammlung mit zuletzt über 120 verschiedenen Sorten. Um im Sommer und Herbst prächtige, gesunde Pflanzen voller Früchte präsentieren zu können, beginnen die Gärtner ihre Arbeit schon im Winter. Ende Januar bis Anfang Februar wird Chili (botanisch: Capsicum) ausgesät. Die Samen keimen bereits nach zwei bis drei Wochen. Mithilfe einer Zusatzbeleuchtung bleiben die Pflanzen gesund und kompakt. Schließlich stammt die Gattung Capsicum ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika, das natürliche Lichtangebot in unseren Breiten reicht im Winter nicht aus. Wenn die Jungpflanzen kräftig genug sind, kommen sie in große Töpfe und werden für die Besucher des Gartens anschaulich präsentiert.

Pfiffige Rezepte

Anfang 2013 suchte der Formosa-Verlag aus Witten einen Autor für ein geplantes Buch über Chili und Paprika. Durch Vermittlung von Martin Drews, der früher eine Ausbildung zum Zierpflanzengärtner im Botanischen Garten absolviert hat, konnten die Verleger Torsten und Bettina Ulmer Kontakt zu Jan Rasche aufnehmen, der sofort begeistert vom Buchprojekt war. Jan Rasche ist aber nicht der einzige Chilibegeisterte im Botanischen Garten. Auch die Auszubildenden Jan und Timo Riering (beide im dritten Ausbildungsjahr) haben durch die Chilisammlung ihre Leidenschaft für die scharfen Beeren entdeckt (genau das sind Chilis nämlich botanisch gesehen, nicht wie oft angenommen Schoten oder gar Gemüse). Also fragte Jan Rasche die Zwillingsbrüder, ob sie nicht Lust hätten, beim Projekt „Chili & Paprika“ mitzuarbeiten.
Durch das Buchprojekt wuchs automatisch auch die Arbeit mit den Capsicum-Pflanzen: Alle Sorten mussten gepflegt, fotografiert, dokumentiert und nicht zuletzt probiert werden. Das ist leichter gesagt als getan, schließlich sind in der Sammlung auch einige der schärfsten Chilisorten der Welt vertreten. Die damals schärfste Chilisorte der Welt, „Trinidad Scorpion Moruga“, war nur eine von vielen Leidensprüfungen. Sie erreicht bis zu 2 Mio. Scoville-Einheiten (darin wird die Schärfe von Chilis gemessen), damit ist sie etwa so scharf wie Pfefferspray.
Ende 2013 waren alle Fotos geschossen, war das Buch fertig geschrieben und konnte endlich gedruckt werden. Nun ist es beim Formosa-Verlag und bei allen wichtigen Buchhändlern (Amazon, Weltbild, Bücher.de, etc.) für 14 Euro erhältlich. Es stellt dem Leser 120 der interessantesten, schmackhaftesten, schärfsten und farbenprächtigsten Paprika- und Chilisorten vor und liefert wichtige Daten zu Frucht, Pflanze, Geschmack, Schärfe, Verwendung und Besonderheiten. Anzucht und Pflege der Pflanzen werden detailliert beschrieben, es gibt Informationen zu Geschichte und Botanik und nicht zuletzt einige pfiffige Rezepte, um die hoffentlich reiche Ernte zu verarbeiten.


Mehr Infos zum Buch: www.formosa-verlag.de und www.facebook.com/ChiliundPaprika.

Jan und Timo Riering; Foto: privat | Themenübersicht