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(00372) 05.12.2002 11:14

„Kein Zeuge darf überleben“: Vortrag zum Völkermord in Ruanda


Bochum, 05.12.2002
Nr. 372

„Kein Zeuge darf überleben“
Vortrag über den Völkermord in Ruanda
Amerikanische Menschenrechtsexpertin an der RUB

Die bislang noch immer nicht völlig aufgeklärten Hintergründe des
Genozids im afrikanischen Ruanda 1994 sind Forschungsgegenstand der
amerikanischen Menschenrechtsexpertin Alison Des Forges, die über ihre
Recherchen am 11. Dezember 2002 in der RUB (16 Uhr, Hörsaal GA 03/149)
referiert. Organisatoren der Veranstaltung sind das Institut für
Diaspora- und Genozid-Forschung an der RUB und das Hamburger Institut
für Sozialforschung.

Kein Ausbruch kollektiver Gewalt

Bis zu einer Million Menschen wurden 1994 in dem kleinen
zentralafrikanischen Land Ruanda innerhalb von nur 13 Wochen getötet.
Obwohl die Täter ausschließlich zu den Hutu und die Opfer zum weitaus
größten Teil zu den Tutsi zählten, war der Genozid kein spontaner
Ausbruch kollektiver Gewalt oder ethnischer Spannungen. Alison Des
Forges vertritt die These, dass eine kleine, privilegierte Gruppe ihre
Entmachtung durch die wachsende Opposition im Lande fürchtete und
deshalb den Massenmord initiierte.

Das Massaker hätte verhindert werden können

Der Genozid in Ruanda war nicht nur einer der schrecklichsten des
Jahrhunderts, er gilt auch als ein beschämendes Beispiel für das
Versagen internationaler Friedens- und Menschenrechtspolitik. Zwar sind
in Ruanda heute Tausende – mutmaßlicher – Schuldiger inhaftiert, und ein
internationaler Strafgerichtshof konnte einige wenige Verantwortliche
verurteilen. Doch viele Hintergründe, gerade was die Rolle von Staaten
wie Frankreich, Belgien oder den USA betrifft, sind immer noch unklar.
Diese Staaten wussten ebenso wie die Vereinten Nationen von den
Vorbereitungen für die Massaker. Wären sie auf politischer oder
militärischer Ebene entschlossen und gemeinsam vorgegangen, hätte das
Blutvergießen möglicherweise verhindert oder wenigstens schnell beendet
werden können.

Umfangreiche Dokumentation durch Alison Des Forges

Alison Des Forges ist Senior Adviser der Afrika-Abteilung von Human
Rights Watch, einer 1978 gegründeten amerikanischen
Nichtregierungsorganisation, die weltweit Verstöße gegen Menschenrechte
untersucht und veröffentlicht. Des Forges hat in jahrelanger akribischer
Arbeit Akten aufgearbeitet und Überlebende, Täter und „Zuschauer“ des
Völkermords in Ruanda interviewt. Die Ergebnisse ihrer Recherchen hatte
sie 1999 in einer umfangreichen Untersuchung zusammengefasst, welche die
Diskussion um Möglichkeiten und Grenzen internationaler
Menschenrechtspolitik neu in Gang gebracht hat. Die deutsche Übersetzung
unter dem Titel „Kein Zeuge darf überleben. Der Genozid in Ruanda“ ist
gerade in der „Hamburger Edition“ erschienen und kostet EUR 40,-. Das
Buch ist bei der Veranstaltung erhältlich. Der Vortrag findet auf
Deutsch statt; der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen

Dr. Gerd Krüger, Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der
Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-29702, E-Mail:
gerd.krueger@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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