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(00347) 20.11.2002 12:11

Fallpauschalenregelung: Stationäre Behandlung von AIDS-Patienten in Gefahr


Bochum, 20.11.2002
Nr. 347

Stationäre Behandlung von AIDS-Patienten in Gefahr
Fallpauschalenregelung setzt Kosten zu niedrig an
AIDS-Gesellschaft kritisiert DRG-Verordnungen

Eigentlich sollte die Fallpauschalenregelung, die die Gesundheitsreform
2000 festlegte, mehr Transparenz in die Leistungen der Krankenhäuser
bringen und eine gerechtere Vergütung garantieren. Die jetzt vorgelegten
Rahmenbedingungen des neuen Abrechnungssystems gefährden allerdings die
Qualität der stationären Behandlung von HIV-Patienten: „Die
HIV-spezifischen Kosten sind so niedrig angesetzt, dass eine Behandlung
nach international anerkannten Standards in deutschen Krankenhäusern
nicht mehr möglich sein wird“, kommentiert der Präsident der Deutschen
AIDS-Gesellschaft und Chairman des Kompetenznetzes HIV/AIDS, Prof. Dr.
med. Norbert Brockmeyer (Dermatologische Klinik der Ruhr-Universität
Bochum) die Verordnung. Er appelliert an die Politik, die
Rahmenbedingungen zu überprüfen und zu korrigieren.

Mehr Transparenz durch „gleicher Preis für gleiche Leistung“

Nach dem pauschalierten Entgeltsystem auf der Basis der „Diagnosis
Related Groups“ (DRG) wird nach dem Prinzip „gleicher Preis für gleiche
Leistung“ ab 2003 für eine Therapie immer die gleiche Vergütung gezahlt
– egal, ob sie an einem Kreiskrankenhaus oder einer Uni-Klinik
durchgeführt wurde. Für die Fallpauschalenregelung wurden nach
australischem Vorbild alle Krankheitsbilder in ein festes Schema – den
Fallpauschalenkatalog – eingegliedert. Das bedeutet, dass
unterschiedliche Krankheitsverläufe gleich vergütet werden
(Casemix-Steuerung). Um das Klassifikationssystem für deutsche
Verhältnisse zu adaptieren, wurden in den letzten Monaten die Daten von
116 deutschen Krankenhäusern gesammelt und so ein
krankenhausindividueller Basisfallwert (Base Rates) ermittelt.

Angemessene Therapie wird unwirtschaftlich oder unmöglich

Seit einigen Tagen stehen nun die Eckdaten des Fallpauschalenkatalogs
für die stationäre Behandlung von HIV-Infizierten fest. Während der
Basisfallwert mit 2.950 Euro angemessen ausgefallen ist, sind die
HIV-spezifischen Kosten so niedrig angesetzt, dass nach den Berechnungen
der Deutschen AIDS-Gesellschaft eine kostendeckende Behandlung von
HIV-positiven Patienten nicht möglich sein wird. „Für ein Krankenhaus
kann es unwirtschaftlich oder gar unmöglich werden, bei HIV-Patienten
eine angemessene Therapie durchzuführen. Es ist klar absehbar, dass
dieser Sachverhalt die HIV-Versorgung in ihrem bisherigen Standard
essentiell gefährdet“, so Brockmeyer.

Appell an die Politik

Der Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft und Chairman des
Kompetenznetzes HIV/AIDS appelliert daher an die Politik, die
getroffenen Regelungen zu überprüfen und entsprechend zu korrigieren.
Die Einführung des DRG-Systems dürfe nicht dazu führen, dass Art und
Qualität der Therapie von HIV-Patienten eingeschränkt würden.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Sprecher KompNet HIV/AIDS, Klinik für
Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität, Gudrunstr. 56, 44791
Bochum, Tel.: 0234/509-3471,-3474, Fax: 0234/509-3472,-3475



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