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(00251) 11.09.2002 14:33

Krupp überlässt der RUB das Hexapod-Teleskop


Bochum, 11.09.2002
Nr. 252

Sternstunde für RUB-Astronomen
Krupp überlässt der RUB das Hexapod-Teleskop
Aus dem Botanischen Garten in die Wüste nach Chile

Das Hexapod-Teleskop (HPT), das die Krupp Industrietechnik (KI) zusammen
mit dem Astronomischen Institut der RUB (AIRUB) seit den 80er Jahren
entwickelt hat, wechselt am 11. September seinen Eigentümer und bald
auch seinen Standort: Die Krupp Industrietechnik überlässt das Teleskop
der Ruhr-Universität, die es schon bald nach Chile bringen und für
wissenschaftliche Beobachtungen nutzen will.

Zwei Forschungsprojekte sind geplant

Das HPT ist der Prototyp für ein innovatives Teleskopdesign. Sein Bau
wurde seinerzeit vom NRW-Wirtschaftsministerium mit etwa 8 Mio. DM
gefördert. Die Fördermittel des Landes waren als Investition in neue
Technologien gedacht, so dass nach der technischen Fertigstellung des
Teleskops das Ziel erreicht war – es standen keine weiteren Mittel für
astronomische Tests und eine wissenschaftliche Nutzung an einem
klimatisch günstigen Ort zur Verfügung. Dieses Problem löste das AIRUB
1997, in dem Prof. Dr. Rolf Chini das HPT vom Eigentümer KI zur RUB
brachte und mit Mitteln des MSWWF seine astronomische Inbetriebnahme
vorbereitete. Hierzu mussten verschiedene elektronische Komponenten
optimiert und ein modernes Steuerprogramm entwickelt werden.

Beobachten auf dem hohen Berg

Inzwischen genügt das 1,5 m Teleskop aber auch astronomischen Ansprüchen
und soll daher – vorausgesetzt, die erforderlichen Mittel können
beschafft werden – im nächsten Jahr nach Chile gebracht werden. Dort,
auf dem 3064 m hohen Cerro Armazones, betreibt das AIRUB bereits ein
kleines 84 cm Teleskop zusammen mit der Universität von Antofagasta. Die
Akademie der Wissenschaften des Landes NRW hat Personalmittel für zwei
Wissenschaftler sowie eine gewisse Summe an Betriebsmitteln für zwei
Forschungsprojekte mit dem HPT bereitgestellt, die insbesondere die
Entwicklung junger Sterne sowie die Energieausbrüche von Quasaren näher
untersuchen sollen.

Der Trick: Sechs Beine

Das HTP ist eine Synthese mehrerer neuartiger Komponenten, die im
herkömmlichen Teleskopbau bisher nicht eingesetzt wurden. An Stelle der
klassischen Zwei-Achsen-Montierung, mit der bisher alle Teleskope
ausgerüstet sind, dienen beim HPT sechs, in der Länge verstellbare Beine
(Hexapod) mit hochpräzisen Spindeln dazu, das Teleskop auf das
gewünschte Objekt zu richten und entsprechend der durch die Erdrotation
verursachten Bewegung der Gestirne nachzuführen. Durch die Anordnung der
optischen Struktur oberhalb der sechs Beine werden die
Ausgleichsgewichte klassischer Teleskope vermieden und so das Gewicht um
mehr als das Zehnfache reduziert. Das Hexapod erlaubt komplizierteste
Bewegungen. So können z.B. Schwingungen, wie sie beim Einsatz von
Teleskopen auf Stratosphärenballons, Flugzeugen und Satelliten
auftreten, ebenso leicht kompensiert werden wie Bildfeldrotationen beim
erdgebundenen Einsatz. Die Rotationsfähigkeit des Systems kann weiterhin
dazu benutzt werden, Polarisationseigenschaften des Sternlichtes (d.h.
winkelabhängige Intensitätsschwankungen) zu untersuchen, was sonst nur
mit komplizierten Zusatzgeräten möglich ist.

Dünner Spiegel spart Kosten und schont die Umwelt

Der Hauptspiegel besteht aus einer Konstruktion aus
kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff und einer 55 mm dicken
Zerodurplatte. Ferner halten keramische Positionierelemente den dünnen
Hauptspiegel computergesteuert in der idealen Form. Gegenüber
klassischen Konzepten, wo ein vergleichsweise dicker Spiegel in einer
überwiegend geschlossenen Metallspiegelzelle von mehreren Tonnen
untergebracht ist, hat das HPT zahlreiche Vorteile: Insgesamt ist es
leichter; das spart Kosten bei Luft- und Raumfahrtprojekten und schont
die Umwelt. Durch die offene Struktur und die extrem kleinen Massen ist
der Hauptspiegel in kürzester Zeit im thermischen Gleichgewicht mit
seiner Umgebung, was sich in einer besseren und stabileren Bildqualität
ausdrückt. Der HPT-Spiegel ist der erste Hauptspiegel, der aufgrund
seiner festen Verbindung mit 36 Unterstützungspunkten sowohl auf Druck
als auch auf Zug reagiert und damit eine Konstanz der idealen, optischen
Oberfläche gewährleistet; damit wird er zum genauesten Teleskopspiegel
weltweit. Beim HPT sorgt eine weitere rechnergesteuerte Hexapodhalterung
dafür, dass sich auch der Sekundärspiegel unabhängig von der
Teleskopposition immer in der optimalen Lage befindet. Bei geeignetem
Standort mit stabilen atmosphärischen Bedingungen lässt sich daher mit
dem HPT eine Bildschärfe erreichen, wie sie derzeit nur vom Weltraum aus
möglich ist.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Rolf Chini, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Physik und
Astronomie, Astronomisches Institut , Lehrstuhl für Astrophysik, 44780
Bochum, Tel. 0234/32-25802, Fax: 0234/32-14412, E-Mail:
chini@ruhr-uni-bochum.de

Bildunterzeile

Das Hexapod Teleskop hat seinen Eigentümer gewechselt und gehört jetzt
der RUB. V.l. Werner Klemps (Controlling Krupp Industrietechnik), Thomas
Ölschläger (Geschäftsführer Krupp Industrietechnik) und Prof. Dr.
Dietmar Petzina (Rektor der RUB) nach der Vertragsunterzeichnung.

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