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(00243) 30.08.2002 12:59

Wenn die Luft nicht richtig zirkuliert: RUB-Geographen erforschen Innenstadtbepflanzung


Bochum, 30.08.2002
Nr. 244


Wenn die Luft nicht richtig zirkuliert
Innerstädtische Bepflanzung ist kein Allheilmittel
RUB-Geographen forschen im EU-Projekt „BUGS“


Bäume in der Innenstadt verbessern nicht automatisch das
Stadtklima: Ist das Kronendach zu dicht, kann es die
Luftzirkulation in der Straße von der frischen Luft über den
Dächern abkoppeln. Das ist ein zentrales Zwischenergebnis
des EU-Forschungsprojekts BUGS (Benefits of Urban
Greenspace), in dem Wissenschaftler der Arbeitsgruppe
Klimaforschung der Ruhr-Universität Bochum (Geographisches
Institut) mitarbeiten. Ihre Erkenntnisse fließen in das
Computermodell ENVI-met ein, mit dem es möglich ist, das
städtische Mikroklima in einer hohen Auflösung zu berechnen.

Dicht bepflanzt: tagsüber kühler, nachts wärmer

BUGS geht nun ins zweite Jahr. Im ersten Jahr haben die
RUB-Forscher untersucht, inwieweit sich Straßenbäume auf das
Klima und die Luftqualität unterhalb des Kronendachs
auswirken. Sie fanden heraus, dass die Luft unter den Bäumen
bei sommerlichen Hitzeperioden bis zu drei Grad kühler ist
als in vergleichbaren Straßen ohne Bäume. Nachts allerdings
kühlt es sich langsamer und weniger ab, so dass es dort bis
zu zwei Grad wärmer bleibt. Die Forscher haben in der
Bochumer Innenstadt gemessen: am Westring (dicht bepflanzt)
und am Nordring (kaum bepflanzt).

Positive Effekte ausschöpfen

Die Forschungsergebnisse tragen dazu bei, das Computermodell
ENVI-met zu verbessern. Mit seiner Hilfe können die
Wissenschaftler simulieren, wo und wie viele Bäume am besten
angepflanzt werden müssten, um positive Effekte
auszuschöpfen und negative zu verhindern. ENVI-met wird nun
eingesetzt, um unterschiedliche europäische
Bebauungsstrukturen zu untersuchen und zu vergleichen.

Bis zum Herbst: Messen in Essen

Im zweiten Jahr interessieren sich das BUGS-Team für
innerstädtische Grünanlagen und die Frage, welche
Auswirkungen sie auf das Lokalklima und die Luftqualität
haben. Noch bis in den Herbst hinein messen die Bochumer
Forscher in Essen, inwiefern Grünflächen als Kalt- und
Frischluftproduzenten das Klima der Umgebung positiv
beeinflussen können. Im Juli haben sie mehrere Messstationen
im und um den Stadtgarten in direkter Nähe des
Hauptbahnhofes installiert. Diese messen alle zehn Minuten
die Lufttemperatur, die relative Luftfeuchte, die
Windgeschwindigkeit und -richtung. Nächtliche Messgänge zu
fuß, der Klimabus des Geographischen Instituts der RUB sowie
eine Spezialstation, die an zehn Punkten die
Temperaturverteilung im Kronendach einer Zierkastanie
erfasst, ergänzen die Datensammlung zum Mikroklima der
Umgebung.

Staubbelägen auf der Spur

Darüber hinaus erforschen die Wissenschaftler, wie sich die
Grünfläche auf die Luftqualität auswirkt. Drei weitere
Messpunkte erfassen Schadstoffe, und zwar in feuchter, im
Niederschlag gelöster als auch in trockener Form
(Staubniederschläge). Die Analyse der Proben wird Aufschluss
geben über die Zusammensetzung und Quellen der
Luftverschmutzung im Umfeld des Essener Stadtgartens. Die
Forscher wollen zudem herausfinden, welche Filterwirkung die
Parkbäume haben. Daher untersuchen sie zusammen mit dem
Geographischen Institut der Universität Köln die
Staubbeläge, die sich auf den Blättern der Bäume ansammeln.
Mithilfe der so genannten Atom-Absorptions-Spektrometrie
analysieren sie deren Zusammensetzung und Herkunft.

Weitere Informationen

Dr. Michael Bruse, Geographisches Institut der
Ruhr-Universität Bochum, NA 4/172, Tel. 0234/32-24244,
E-Mail: michael.bruse@ruhr-uni-bochum.de, Internet:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/bugs/


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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