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(00178) 21.06.2002 10:41

RUBIN 1/2002: Harry Potter und die unsichtbare Religion


Bochum, 21.06.2002
Nr. 177

Harry Potter und die unsichtbare Religion
Studierende finden Parallelen zu christlichen Werten
Alle Genres vermischt

Seit Harry Potter lesen Kinder wieder mehr. Gut so, finden die einen –
besorgniserregend, finden die anderen, denn die Geschichten könnten ein
vereinfachtes Weltbild und ein ungesundes Interesse am Okkulten
vermitteln. Studierende von Matthias Frohmann (Evangelisch-Theologische
Fakultät der RUB) haben sich dieser Kontroverse in Seminaren und
Workshops angenommen. Sie können Zweifler beruhigen: Letztendlich baut
Harry Potter auf den humanistischen Idealen von Freundschaft,
Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Selbsterkenntnis auf.

RUBIN im Internet

RUBIN zum Herunterladen finden Sie im Internet unter
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_02/index.html

Hogwarts hat seine eigenen Regeln

Es ist tatsächlich so: Die Geschichten in Harry Potter leben vom
Gegensatz zwischen Gut und Böse, es wird also Schwarzweißmalerei
betrieben. Dennoch fördert dies kein vereinfachtes, unchristliches
Weltbild. Denn magische Fähigkeiten gibt es z. B. nur gepaart mit
Verantwortung; wer etwa einen Fluch anwendet, muss mit schrecklichen
Strafen rechnen. Und Harry Potter lebt nicht nur im Einklang mit den
Werten der jüdisch-christlichen Tradition, es finden sich sogar
Parallelen zu biblischen Motiven in den Geschichten. Dazu gehört z. B.
die Versuchung Harry Potters durch seinen bösen Gegenspieler Voldemort.
Dessen Namen nennen die Zauberschüler nicht, ebenso wie die Christen den
Namen des Teufels aus Angst nicht auszusprechen wagten. Die Zauberwelt
Hogwarts weist überdies Ähnlichkeiten zu religiösen Strukturen auf, ohne
dass Religion in den Büchern überhaupt vorkäme. Hogwarts ist ein
Sinnsystem mit eigenen Symbolen, etwa den Zauberstäben und Eulen, und
eigenen Ritualen wie der Zuweisung in die vier Häuser durch den
sprechenden Hut. Es gibt in Hogwarts eine unsichtbare Religion, in die
die Schüler sich einfinden müssen.

Das Geheimnis des Erfolgs

Mindestens ein Geheimnis des Erfolgs der Harry-Geschichten ist die
Genremischung der Bücher: Der Autorin ist es gelungen, eine kindgerechte
Parallelwelt zu entwerfen, phantastische Elemente hineinzumischen,
Schulgeschichten à la Hanni und Nanni unterzubringen, die
Identitätssuche Harry Potters mitfühlen zu lassen und erwachsene Themen,
wie etwa ethische Fragen, zu streifen.

Weitere Informationen

Matthias Frohmann, Evangelisch-Theologische Fakultät der
Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24808, E-Mail:
matthias.frohmann@ruhr-uni-bochum.de,
http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Matthias.Frohmann/

RUBIN 1/2002 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in RUBIN 1/2002, wo Sie auch
folgende Themen finden: Bildhauer ohne Hammer und Meißel; Produkte aus
dem Computer; Gezielt gegen Brustkrebs – Chemotherapie an Ort und
Stelle; Gefährliche Partnerschaft: Bakterien und Zigarettenrauch;
Besteuerung vereinfachen: Dann atmen Bürger und Beamte auf; Der
männliche Blick auf die weibliche Imagination; Vegetarische Vampire –
Flughunde als Gärtner im Regenwald; Wenn Marzipan nach Banane riecht –
Riechen bei Insekten erforscht; und in der Rubrik „Angewandte
Forschung“: Juristen lösen den Konflikt: Hochwasserschutz oder
Bautätigkeit? RUBIN ist bei der Pressestelle der Ruhr-Universität für
2,50 Euro erhältlich.



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