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(00145) 04.06.2002 12:45

RUBIN 1/02: Steuertricks bald ausgestorben - vereinfachtes Recht lässt alle aufatmen


Bochum, 04.06.2002
Nr. 143


Steuertricks – bald ausgestorben
Vereinfachtes Steuerrecht lässt Bürger und Beamte aufatmen
RUBIN 1/2002 ist erschienen


Damit Finanzbeamte und Steuerzahler gleichermaßen aufatmen
können, muss das deutsche Steuerrecht grundlegend reformiert
werden, fordert Prof. Dr. Roman Seer (Juristische Fakultät),
und hat auch gleich Ideen, wie das machbar wäre. Statt
Steuererklärung und Aktenflut schlägt er eine
Selbstveranlagung nach amerikanischem Vorbild vor: Die
meisten Bürger zahlen pauschal, die anderen lassen sich
professionell beraten. Steuerberater werden zu
Rechtspflegern, Finanzbeamte überwachen und prüfen.

RUBIN im Internet

RUBIN mit Bildern zum Herunterladen finden Sie im Internet
unter:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_02/

Der innere Schweinehund wird arbeitslos

Die meisten Deutschen fechten alle Jahre wieder einen harten
Kampf mit ihrem inneren Schweinehund aus: Die
Steuererklärung ist fällig. Wo sind meine Belege? Was kann
ich von der Steuer absetzen? Mit welchen Tricks komme ich
vielleicht besser weg? Und auch die Finanzbeamten haben ihre
Not mit der Aktenflut, die vor allem schnell abgearbeitet
werden will. Wollten sie jede Erklärung tatsächlich prüfen,
würden sie nie fertig. So werden nur Stichproben gemacht,
fast nur unter den Steuerpflichtigen, die mehr als 150.000
DM jährlich angeben. Wobei das womöglich die ehrlichen Leute
sind – wer weiß, wie viele mehr verdienen, sich aber „arm
rechnen“ und ungestraft davon kommen?

Online statt Akten

Reformen sind überfällig, stellt Prof. Seer fest. Eine gute
Alternative wäre die Selbstveranlagung. Viele Bürger
bräuchten überhaupt keine Steueranmeldung mehr, weil sie
pauschale Beträge zu festen Terminen zahlen. Diejenigen,
deren Einkommensverhältnisse sich nicht in eine
Pauschalkategorie einordnen lassen, würden verpflichtet,
sich professionelle Hilfe zu holen. Der Staat würde diese
Beratung finanziell unterstützen. Der Beruf des
Steuerberaters würde sich in Richtung eines Rechtspflegers
entwickeln. Finanzbeamte müssten nicht mehr nur abhaken,
sondern könnten gezielt dort recherchieren, wo sie
Steuerbetrug vermuten. Dabei könnte man die Steuerzahler in
Risikoklassen einteilen. Wer immer termingerecht und ehrlich
seine Steuer überwiesen hat, würde selten überprüft, wer
schon durch Steuerbetrug aufgefallen ist, würde besser
überwacht. Die meisten Bürger könnten ihre Daten online
übermitteln, was eine weitere Arbeitsersparnis gegenüber dem
heutigen Aktenberg mit sich brächte. Sinnvoll findet Seer
eine sog. „Compliance-Strategie“: Mit Werbung, z.B.
TV-Spots, sollte der Staat den Bürgern die Besteuerung
plausibel machen. Seer hält eine Reform des deutschen
Steuerrechts noch in diesem Jahrzehnt für machbar.
Ausführlich stellt er das Modell in seinem Buch „Das
Besteuerungsverfahren in den USA und der Bundesrepublik -
ein Rechtsvergleich“ vor, das jetzt im Verlag Recht und
Wirtschaft erscheint.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Roman Seer, Juristische Fakultät der
Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28269,
Fax: 0234/32-14614, E-Mail: LS.seer@jura.ruhr-uni-bochum.de

Titelaufnahme

Roman Seer, Das Besteuerungsverfahren in den USA und der
Bundesrepublik - ein Rechtsvergleich. Verlag Recht und
Wirtschaft, Heidelberg 2002

Themen in RUBIN 1/2002

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in RUBIN 1/2002, wo Sie
auch folgende Themen finden: Bildhauer ohne Hammer und
Meißel; Produkte aus dem Computer; Gezielt gegen Brustkrebs:
Chemotherapie an Ort und Stelle; Gefährliche Partnerschaft:
Bakterien und Zigarettenrauch; Der männliche Blick auf die
weibliche Imagination; Vegetarische Vampire – Flughunde als
Gärtner im Regenwald; Wenn Marzipan nach Banane riecht –
Riechen bei Insekten erforscht; in der Rubrik „Angewandte
Forschung“: Juristen lösen den Konflikt: Hochwasserschutz
oder Bautätigkeit? RUBIN ist bei der Pressestelle der
Ruhr-Universität für 2,50 Euro erhältlich.



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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