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(00124) 06.05.2002 13:14

RUB-Dissertation: Fremdsprachen sind nicht nur Frauensache


Bochum, 06.05.2002
Nr. 122

Fremdsprachen sind nicht nur Frauensache
Auch die Forschung konstruiert Geschlechtsunterschiede
RUB-Dissertation deckt Widersprüche auf

Der Forschung auf die Schliche gekommen ist Dr. Barbara Schmenk in ihrer
Dissertation „Geschlechtsspezifisches Fremdsprachenlernen? Zur
Konstruktion geschlechtstypischer Lerner- und Lernbilder in der
Fremdsprachenforschung“. Stereotype Bilder von Männern und Frauen und
ihrem unterschiedlichen Lernverhalten stellten sich bei näherem Hinsehen
als stete Reproduktion von Alltagstheorien heraus: Fremdsprachen sind
keineswegs von Natur aus Frauensache. Die Arbeit, die an der Fakultät
für Philologie (Betreuerin: Prof. Dr. Inge Christine Schwerdtfeger)
entstand, ist jetzt im Stauffenburg Verlag erschienen.

Alltag und Wissenschaft sind einig

Frauen lernen Fremdsprachen erstens anders und zweitens auch besser als
Männer – dieses Vorurteil findet sich nicht nur im Alltag sondern auch
in wissenschaftlichen Studien. In einer ganzen Reihe von Publikationen
zum Thema Fremdsprachenlernen suchen Forscher nach Unterschieden
zwischen den Geschlechtern. Sie weisen Frauen und Männern, Mädchen und
Jungen z.B. unterschiedliche Motivationen zum Lernen einer Sprache und
unterschiedliche Lernarten nach. „Eine Bewertung dieser Unterschiede
liegt dann nahe, mit dem Ergebnis, dass man ein Geschlecht, in diesem
Fall die Frauen, für besser im Fremdsprachenlernen erklärt“, erläutert
Barbara Schmenk. „Fühlt man den einzelnen Forschungsarbeiten jedoch
genauer auf den Zahn, tun sich Ungereimtheiten und Widersprüche auf.“

Nicht so einfach: Was ist männlich und was weiblich?

Nach einer Sichtung dieser unbefriedigenden Forschungslage und einer
systematischen Auflistung ihrer Schwachstellen macht sich Barbara
Schmenk anhand neuerer Forschungsarbeiten aus Soziologie,
Sozialpsychologie, Kulturwissenschaften und Geschichte auf die Suche
nach den Gründen: Wie werden Theorien zur Geschlechterdifferenz in der
Fremdsprachenforschung konstruiert? In der neueren Geschlechterforschung
finden sich eine Reihe von Impulsen und Forschungsarbeiten, die zeigen,
dass das, was wir heute im Alltag als ‚Geschlecht’ verstehen, keine
feststehende Größe ist. Im Alltag erscheinen Männer und Frauen als
biologische Kategorien, die häufig automatisch mit qualitativen
Merkmalen wie „aggressiv und verstandesgeleitet“ oder „emotional und
fürsorglich“ assoziiert werden. Ganz so klar unterscheidbare Gruppen
sind Frauen und Männer aber nicht - es braucht eine wesentlich
differenziertere Betrachtung.

Die Forschung feminisiert das Fremdsprachenlernen

Die Frage lautet dann nicht, worin sich die Geschlechter unterscheiden –
eine Frage, die nur zu Vereinfachungen und Widersprüchen führen kann –
sondern, was im Alltag und in Forschungsdiskursen unter Männlichkeit und
Weiblichkeit verstanden wird. Barbara Schmenk liefert eine kritische
Analyse des Geschlechtsbegriffs in Arbeiten der Fremdsprachenforschung.
Sie zeigt, dass die Auffassung von Männern, Frauen und Fremdsprachen
dort mit schon als tradiert zu bezeichnenden Formen der
Theoriekonstruktion entsteht. Letztlich führt das dazu, dass die
Forschung selbst daran mitwirkt, Fremdsprachen zur Frauensache zu
erklären: weniger durch empirische Befunde als durch bestimmte Prozesse
der Theoriebildung.

Titelaufnahme

Barbara Schmenk: Geschlechtsspezifisches Fremdsprachenlernen? Zur
Konstruktion geschlechtstypischer Lerner- und Lernbilder in der
Fremdsprachenforschung. Stauffenburg Verlag, Tübingen 2002, ISBN
3-86057-923-1, Internet:
http://www.stauffenburg.de/asp/books.asp?id=873#

Weitere Informationen

Dr. Barbara Schmenk, Fakultät für Philologie der Ruhr-Universität, 44780
Bochum, Tel. 0234/32-26568, Fax: 0234/32-14-578, Email:
barbara.schmenk@ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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