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(00091) 03.04.2002 13:41

Eine Sprache stirbt aus: RUB-Forschungsprojekt in Ost-Timor


Bochum, 03.04.2002
Nr. 91


Eine Sprache stirbt aus
Spracharchiv für die Nachwelt
VW-Stiftung fördert RUB-Forschungsprojekt in Ost-Timor


Zwei- bis dreitausend Menschen sprechen sie noch – Waima’a,
eine vom Aussterben bedrohte Sprache Ost-Timors. Prof. Dr.
Nikolaus Himmelmann (Sprachwissenschaftliches Institut,
Fakultät für Philologie der RUB) will diese dokumentieren,
bevor es zu spät ist. Dieses und elf weitere Projekte
fördert die VolkswagenStiftung durch ihr Programm
„Dokumentation bedrohter Sprachen“ über zunächst drei Jahre
mit insgesamt 3,5 Millionen Euro. Zusammen mit zwei
australischen Kollegen wird Himmelmann nach Ost-Timor reisen
und dort das bisher vollkommen unerforschte Waima’a in Form
von Audio- und Videoaufzeichnungen für die Nachwelt
festhalten.

Waima’a auf dem Rückzug

Waima’a gehört zu den austronesischen Sprachen, die sich vor
Jahrtausenden von China über den pazifischen Raum bis nach
Neuseeland ausgebreitet haben. Nach der 450 Jahre währenden
Kolonialzeit unter portugiesischer Herrschaft und der
indonesischen Besetzung von 1975-1999 wird Ost-Timor heute
von der UN verwaltet. Portugiesisch und die weitverbreitete
Landessprache Tetun verdrängen nur von kleinen Teilen der
Bevölkerung beherrschte Sprachen wie Waima’a immer mehr –
das Ende der Besatzung hat die eigene Sprache als Ausdruck
des Widerstands überflüssig gemacht. Hinzu kommt der
ökonomische Migrationsdruck: Das Verbreitungsgebiet von
Waima’a ist geprägt durch mageres Weideland, das außer der
Haltung von Ziegenherden wenig Erwerbsmöglichkeiten bietet.

Breite Unterstützung

Neben Prof. Himmelmanns australischen Kollegen Dr. F. John
Bowden (Australian National University, Canberra) und Prof.
Dr. John Hajek (University of Melbourne) sind zwei
Muttersprachler als wissenschaftliche Mitarbeiter in das
Projekt eingebunden. Außerdem bestehen enge Kontakte zu
Anthropologen, Archäologen und Regionalwissenschaftlern, die
ihre Studien zu und in Ost-Timor gerade aufgenommen haben.
Sowohl lokale als auch internationale Institutionen in Ost
Timor (darunter das Nationale Sprachinstitut, das Kulturelle
Zentrum Ost-Timor und die Übergangsverwaltung der Vereinten
Nationen) unterstützen das Projekt. Das aufgezeichnete
Sprachmaterial soll ins Englische, Malayische und in Tetun
übersetzt werden, um es später z.B. zur Entwicklung von
Schulungsmaterial nutzen zu können.

Stammbaum für Sprachen

Im letzten Jahr hatte Prof. Himmelmann bereits ein kleineres
Erkundungsprojekt erfolgreich zum Abschluss gebracht. Er
besuchte die letzten Sprecher von Lóvaia (ebenfalls
Ost-Timor), das nur noch fünf bis acht Menschen beherrschen.
Der wissenschaftliche Wert solcher Projekte ist
unbestritten: Linguisten können anhand der gesammelten Daten
beispielsweise Sprachstammbäume erstellen, d.h. sie
bestimmen die Verwandtschaft heutiger Sprachen und
rekonstruieren deren Vorläufer. Dadurch gewinnen sie
interessante Erkenntnisse über prähistorische
Migrationsbewegungen, die zur heutigen Besiedlungssituation
der Weltbevölkerung geführt haben.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Nikolaus Himmelmann, Ruhr-Universität Bochum,
Sprachwissenschaftliches Institut, Tel. 0234/32-23910, GB
3/143, E-Mail: himmelma@linguistics.ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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