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(00032) 30.01.2002 10:48

Verkehrssicherheit an Steigungsstrecken - wo Zusatzfahrstreifen nützen


Bochum, 30.01.2002
Nr. 33

Verkehrssicherheit an Steigungsstrecken
Kriterien für Zusatzfahrstreifen
Richtlinientaugliches Bewertungssystem

Ein richtlinientaugliches Verfahren zur Ermittlung der Notwendigkeit von
Zusatzfahrstreifen an Steigungsstrecken entwickelte Dr.-Ing. Andrea
Breßler im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen. Für ihre
Dissertation „Verkehrssicherheit und Verkehrsablauf an Steigungsstrecken
– Kriterien für Zusatzfahrstreifen“ (Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Werner
Brilon, Lehrstuhl für Verkehrswesen der RUB) untersuchte sie
Geschwindigkeiten, Unfalldaten und Verkehrsqualität auf Landstraßen und
Autobahnen. Das neue Bewertungssystem soll alte und z. T.
widersprüchliche Verfahren ablösen.

Veraltetes Verfahren

An Steigungsstrecken stellen langsame Lkw oft erhebliche
Verkehrsbehinderungen dar. Abhilfe kann ein zusätzlicher Fahrstreifen
schaffen. Aber in welchen Fällen funktioniert das und in welchen nicht?
Die Richtlinien für die Anlage von Straßen schlagen z.T.
widersprüchliche und veraltete Verfahren zur Ermittlung der
Notwendigkeit von Zusatzfahrstreifen vor – eine Überarbeitung war
dringend erforderlich.

Geschwindigkeiten und Reisezeit messen

Um herauszufinden, wann es unter Berücksichtigung von
Verkehrssicherheit, Verkehrsqualität und Wirtschaftlichkeit sinnvoll
ist, einen zusätzlichen Fahrstreifen anzulegen, untersuchte Andrea
Breßler sowohl Landstraßen als auch Autobahnen. Sie ermittelte die
Geschwindigkeiten im Bereich von Steigungsstrecken mit und ohne
Zusatzfahrstreifen, indem sie Reisezeitmessungen über einen längeren
Streckenabschnitt sowie lokale Geschwindigkeitsmessungen durchführte.
Auch das Kolonnenverhalten der Fahrzeuge beobachtete sie.
Lkw-Geschwindigkeiten ermittelten die Forscher mit Hilfe eines
Messfahrzeugs, das den Lkw verfolgte und sein Tempo aufzeichnete.

Befragungen und Verfolgungsfahrten

Ausschlaggebend für das Geschwindigkeitsverhalten eines Lkw ist das
Verhältnis zwischen seiner Motorleistung (PS bzw. KW) und der Ladung,
also das Verhältnis PS/t bzw. KW/t. Um Erkenntnisse über den
Geschwindigkeitsabfall eines “typischen” beladenen Lkw in einer Steigung
zu gewinnen, befragten die Forscher zunächst bei Routinekontrollen des
Bundesamtes für Güterverkehr die Lkw-Fahrer zu ihren Fahrzeugen, der
zulässigen und tatsächlichen Ladung. Ergänzend wertete Andrea Breßler
Daten von Dauerzählstellen an Steigungsstrecken von Autobahnen aus und
führte Simulationen des Verkehrsablaufs auf Landstraßen und Autobahnen
durch. Die Simulation des Verkehrsablaufs ermöglicht es, den Datenumfang
zu vergrößern, indem man Strecken- und Verkehrsverhältnisse erzeugt, die
bei den Messungen nicht ausreichend erfasst werden konnten.

Zusammenhang nur bei Autobahnen

Eine Unfalldatenuntersuchung, bei der Zusammenhänge zwischen
Längsneigung und Zusatzfahrstreifen analysiert wurden, gab Aufschluss
über die Verkehrssicherheit an Steigungsstrecken. Dort kommt es aufgrund
langsamer Fahrzeuge häufig zu Auffahrunfällen oder riskanten
Überholmanövern. Interessantes Ergebnis: Während der Zusammenhang
zwischen Unfallgeschehen, Längsneigung und Zusatzfahrstreifen auf
Autobahnen klar erkennbar war, konnten die Forscher ihn auf Landstraßen
nicht nachweisen. Bei anschließenden Wirtschaftlichkeitsrechnungen
stellte Andrea Breßler die volkswirtschaftlichen Nutzen (eingesparte
Zeitkosten aufgrund höherer Geschwindigkeiten und weniger Stau sowie
eingesparte Unfallfolgekosten) und Kosten (Bau- und Unterhaltungskosten)
von Zusatzfahrstreifen gegenüber. So konnte sie ein neues,
richtlinientaugliches Berechnungsverfahren für die Anlage von
Zusatzfahrstreifen an Steigungen auf Landstraßen und Autobahnen
entwickeln.

Weitere Informationen

Dr.-Ing. Andrea Breßler, Tel. 02602/951538, Email:
Andrea.Bressler@web.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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