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(00029) 29.01.2002 11:32

Kleine Nadeln, große Wirkung: gerac-Studien prüfen die Akupunktur auf Herz und Nieren


Bochum, 29.01.2002
Nr. 30

Kleine Nadeln, große Wirkung
gerac: die weltweit größten Akupunkturstudien
Erste Ergebnisse liegen vor, randomisierte Studien starten


Gerade dann, wenn konventionelle Behandlungsmethoden nicht mehr greifen,
sind Heilverfahren wie die Akupunktur für viele Patienten der letzte
Rettungsanker. Doch wie wirkungsvoll ist die Akupunktur? Die weltweit
größten Akupunkturstudien gerac (german acupuncture trials) gehen der
Sache auf den Grund, erste Ergebnisse der Kohortenstudie mit ca. 40.000
Patienten liegen nun vor: Es zeigt sich, dass die Akupunktur eine
relativ sichere Behandlung ist. Bisher stellten die Wissenschaftler so
gut wie keine unerwünschten Wirkungen fest – hingegen trat bei 89,8
Prozent der Patienten eine Linderung der jeweiligen Beschwerden auf. Um
dieses Ergebnis zu objektivieren, starten nun die randomisierten
Studien. Damit tritt gerac in die entscheidende Phase.

gerac im Internet

Ausführliche Hintergrundinformationen zu den gerac-Studien finden sich
auch im Internet unter http://www.gerac.de

An einem Strang ziehen

Der Bundesausschuss der Ärzte hat im Oktober 2000 die Beratungen zur
Akupunktur abgeschlossen und beschlossen, eine Behandlung von
Patientinnen und Patienten bei bestimmten Indikationen modellhaft zu
erproben. Im März 2001 sind die weltweit größten Studien zur Akupunktur
– gerac – angelaufen. Federführend ist die Abteilung für Medizinische
Informatik, Biometrie und Epidemiologie (Prof. Dr. Hans-Joachim
Trampisch) der Medizinischen Fakultät der RUB. Biometriker,
Schulmediziner und Akupunkturspezialisten haben über Fachgrenzen hinweg
in gemeinsamer Arbeit die gerac-Studien auf den Weg gebracht. Die
Studien sind auch in der Geschichte bundesdeutscher Krankenkassen etwas
besonderes. Über Kassengrenzen und Konkurrenzdenken hinweg beteiligen
sich am Modellvorhaben die gesetzliche Krankenkassen AOK, BKK, IKK,
Bundesknappschaft, Landwirtschaftliche Sozialversicherung und die
See-Krankenkasse.

Volkswirtschaftlich relevante Erkrankungen

Die Krankenkassen bezuschussen in den nächsten Jahren innerhalb der
Modellvorhaben in erster Linie Behandlungen von volkswirtschaftlich
relevanten Erkrankungen wie chronischem Gelenkverschleiß,
Spannungskopfschmerz und Migräne sowie chronischem Kreuzschmerz.
Insgesamt wenden sie für gerac 7,5 Millionen Euro auf.

Die Kohortenstudie

Ziel der Kohortenstudie ist, mit einem hohen Stichprobenumfang an
Patienten quantitative Aussagen zu den unerwünschten Wirkungen einzelner
Therapieformen zu machen. Die ersten Ergebnisse der Kohortenstudie
(Teilstudie I) liegen vor. Bis Mitte Oktober 2001 behandelten 7.309
akkreditierte Prüfärztinnen und -ärzte insgesamt 40.123 Patienten. Die
behandelten Patienten waren im Mittel ca. 58 Jahre alt, die männlichen
durchschnittlich 3 Jahre jünger als die weiblichen Patienten. Es lassen
sich auch Hochbetagte mit Akupunktur behandeln, der Anteil der über
80jährigen betrug ca. 5 Prozent, der Anteil der unter 20jährigen lag
demgegenüber bei unter 1 Prozent. Gut die Hälfte der Patienten wurde
wegen Rückenschmerzen behandelt, ca. 26 Prozent wegen Kopfschmerz, mehr
als 10 Prozent wiederum litten an Knie- oder Hüft-Arthrose. Bei den
restlichen Patienten wurde entweder mehr als eine Schmerzindikation
behandelt oder – zu einem geringen Prozentsatz – die Indikationsstellung
lückenhaft dokumentiert. Bei 89,8 Prozent der Patienten stellten die
Forscher eine Linderung der jeweiligen Beschwerden fest. In 50,7 Prozent
der Hälfte der Fälle traten die Linderungen bereits nach weniger als
zwei Wochen (in der Regel 4 Behandlungen) auf. In 7,7 Prozent der Fälle
waren weniger als 10, in 2 Prozent mehr als 10 Sitzungen nötig. Schwere
unerwünschte Wirkungen traten nur sehr selten auf: Die Werte für lokale
Infektionen oder Kollapsneigung betrugen weit unter einem Prozent.
Bisher gab es auch keinen Todesfall.

Start der randomisierten Studien

Nun beginnen auch die randomisierten Studien (Teilstudie II). Sie sollen
nach etwa drei Jahren schwarz auf weiß zeigen, ob Akupunktur bei
bestimmten Formen des chronischen Schmerzes einsetzbar – und vor allem
wie wirkungsvoll sie im Vergleich zu konventionellen westlichen Methoden
ist. Das Ziel ist, die Akupunktur auf ihre anhaltende schmerzlindernde
Wirkung zu überprüfen. Die Wissenschaftler wollen für Schmerzpatienten
die bestmögliche Therapieform finden. gerac vergleicht dazu die von
führenden Experten empfohlene und bewährte Standardtherapie zur
jeweiligen Schmerzindikation mit zwei unterschiedlichen
Akupunkturbehandlungen – und zwar einer den Regeln der traditionellen,
chinesischen Medizin entsprechenden Akupunkturform ("Verum"-Akupunktur)
und einer unspezifischen, für diese Studien speziell entwickelte
Akupunkturform ("Sham"-Akupunktur = Akupunktur an "falschen" Punkten).

gerac-Studien bringen es an den Tag

Bisherige Studien zum Thema Akupunktur weisen zum Teil erhebliche
handwerkliche und methodische Mängel auf. Die Anbindung der Studie an
Biometrische Institute der Universitäten Heidelberg, Marburg, Mainz und
Bochum sichert höchste Studienqualität. Allein in die Kohortenstudie
gingen 400.000 Einzelbehandlungsdaten ein. gerac sind nicht nur bundes-
und europaweit, sondern weltweit die größten Forschungsvorhaben auf
diesem Gebiet. Untersuchungen im amerikanischen Raum umfassen im
Vergleich dazu im Höchstfall Datenmengen von unter 10.000 behandelten
Patienten. Im Schnitt sind es eher 2.000.

Gesicherte Datenqualität

40.000 Ärzte behandeln bundesweit mit Akupunktur. Nur etwa 15.000 haben
eine zertifizierte Grundausbildung, 1.500 eine Vollausbildung. An der
Studie können nur Ärzte mit mindestens einer Grundausbildung teilnehmen.
Damit sichert die gerac auf Seiten der Therapeuten die Datenqualität.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch, Abteilung für Medizinische Informatik,
Biometrie und Epidemiologie, Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität
Bochum, Tel. 0234/32-27790, Fax: 0234/32-14325, E-Mail: info@gerac.de,
Internet: http://www.gerac.de

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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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