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(00227) 06.08.2001 12:03

MedRUBIN: Nervenzellen lernen nach Verletzung


Bochum, 06.08.2001
Nr. 227

Gehirn wird wieder jung
Nervenzellen lernen nach Verletzung
MedRUBIN: Zweites RUBIN-Sonderheft erschienen

Verletzungen im Gehirn oder ein Schlaganfall können einen
blinden Fleck im Gesichtsfeld verursachen. Die Nervenzellen,
die für diesen Sehbereich Signale aus der Netzhaut empfangen
und verarbeiten, sind verloren gegangen. Neurophysiologen um
Prof. Dr. med. Ulf Eysel (Neurophysiologie, Medizinische
Fakultät) haben jetzt herausgefunden, dass Nachbarzellen die
Aufgabe der zerstörten Gehirnbereiche mit übernehmen können.
Doch nur für kurze Zeit nach der Schädigung erhält das
Gehirn die Regenerationsfähigkeiten jugendlicher Zellen
zurück. Dieses “Zeitfenster” wollen die Forscher nun für
neue Therapien nutzen.

Beitrag und Bilder im Netz

Beitrag und Bilder zum Herunterladen im Netz:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/medrubin/artikel-fotos/neurophys.htm

Gehirnarbeit sichtbar gemacht

Die Neurophysiologen haben die „Gehirnarbeit“ mit der
Methode des „optical imaging“ sichtbar gemacht. Dabei
beleuchten sie das Gehirn. Aktive und inaktive Hirngebiete
reflektieren Licht unterschiedlich. Mit Hilfe eines
speziellen Computerprogramms werden die Reflexionen der
angestrahlten Zellen ausgewertet und die veränderten
Reaktionen erfasst. Dabei stellte sich heraus, dass die an
die zerstörten Zellen angrenzenden Hirnbereiche (rezeptive
Felder) Die verloren gegangenen Funktionen mit übernehmen
(neuronale Plastizität). Ein erwachsenes Gehirn erhält die
Fähigkeiten des jugendlichen Gehirns zurück: die
Nervenzellen verstärken alte Verschaltungen (Synapsen) oder
bilden neue aus.

Des Rätsels Lösung: die Gene

Mit molekularbiologischen Methoden untersuchen die Forscher
die Mechanismen der Selbstreparatur. Sie haben
herausgefunden, dass nach einer Schädigung im Nervensystem
bestimmte Wachstumsfaktoren vermehrt gebildet werden, die
das Entstehen neuer Synapsen fördern. Dabei werden Gene
aktiviert, die bereits nach der Geburt wirksam waren, im
erwachsenen Gehirn aber ruhen. Das könnte ein Grund dafür
sein, dass die Nervenzellen in der Umgebung des verloren
gegangenen Gehirnbereichs wieder lernfähiger sind.

Lichtblitze am Rand des Flecks

Da sich die rezeptiven Felder am Rand einer Hirnschädigung
durch Übung vergrößern lassen, haben Eysel und sein Team
gemeinsam mit der Neurologischen Universitätsklinik
Bergmannsheil ein Gesichtsfeldtraining entwickelt: Dem
Patienten werden auf einem Monitor immer wieder Reize am
Rand des ausgefallenen Sehbereichs gezeigt. Dabei werden
Teile des gesunden Gesichtsfeldes und Teile des blinden
Gebiets jeweils gemeinsam erregt. Nach und nach übernehmen
die gesunden Nervenzellen am Rand der Schädigung auch die
Bereiche des Gesichtsfeldes, die vorher von den verloren
gegangenen Zellen abgebildet wurden. Schwache
Zellverbindungen werden durch das „Training“ gestärkt oder
neue Zellverknüpfungen entstehen. Doch der Zeitraum für
diese maximale Lernbereitschaft der Zellen ist begrenzt.
Danach ist ein vergleichbarer Lernerfolg nur mühsam zu
erringen.

MedRUBIN erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in MedRUBIN 2001, neben
anderen Themen: Und immer ist der Arzt dabei (Chirurgie);
Abwehr aus dem Gleichgewicht: Allergie durch Grippeviren
(Allergologie); Ohne Schnitt unter die Haut (Dermatologie);
Ein (Kunst-)Herz für Kinder (Herzchirurgie); Mit
Blutstammzellen gegen Krebs (Innere Medizin);
Parkinsongenetik: Schutz und Vorsorge im Blick (Neurologie);
Endlich hinein in die Lehrpläne (Ethik und Schmerz); Weniger
Stress, weniger Rückenschmerzen (Medizinische Psychologie);
„Hauptsache gesund“ (Humangenetik); Dicht am Herzschlag
(Biomedizinische Technik); In der Bäckerhefe Erbkrankheiten
auf der Spur (Zellbiochemie). MedRUBIN ist für 9 DM im
Dekanat der Medizinischen Fakultät erhältlich (Tel.
0234/32-24960).

Weitere Informationen

Prof. Dr. med. Ulf Eysel, Institut für Physiologie,
Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, Tel.:
0234/32-23849, Fax: 0234/32-14192, Email:
eysel@neurop.ruhr-uni-bochum.de


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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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