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(00190) 05.07.2001 18:09

[Fwd: Barthaare weisen Seehunden den Weg]


Bochum, 05.07.2001
Nr. 191

Barthaare weisen Seehunden den Weg
SCIENCE: Neues Unterwasser-Orientierungssystem entdeckt
Wahrnehmung hydrodynamischer Spuren


Mit ihren Barthaaren (Vibrissen) können Robben sich in
trüben Gewässern orientieren: Sie sind in der Lage, winzige
Wasserbewegungen, die von bewegten Körpern unter Wasser
ausgehen, über Distanzen bis zu 40 Metern zu verfolgen.
Diese erstaunliche Fähigkeit der marinen Säugetiere wiesen
Biologen der Ruhr-Universität (PD Dr. Guido Dehnhardt,
Allgemeine Zoologie und Neurobiologie) in Zusammenarbeit mit
Forschern der Universität Bonn (Prof. Dr. Horst Bleckmann,
Abteilung für Vergleichende Neurobiologie) jetzt in
Verhaltensexperimenten nach. Über ihre Funde berichtet das
Wissenschaftsmagazin SCIENCE in seiner Ausgabe vom 5. Juli.

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Im Trüben fischen ...

Ebenso wie andere marine Säuger leben Robben häufig in
Gewässern, in denen die Sicht durch Dunkelheit oder Trübung
begrenzt ist. Während Zahnwale diese Einschränkung in der
Sichtweite offensichtlich durch aktive Echoortung als
Fernerkundungssystem kompensieren können, konnten
Wissenschaftler diese Fähigkeit bei Robben trotz intensiver
Studien nie nachweisen; sie nahmen bisher an, dass Seehunde
und Seelöwen sich neben dem begrenzten Einsatz ihrer Augen
hauptsächlich durch ihr passives Gehör in den Ozeanen
orientieren und Beute machen.

... mit genauer Ortung

Allein auf Augen und Ohren beschränken sie sich jedoch
nicht: Sie nutzen zur Ortung bewegter Objekte unter Wasser
ihr Vibrissensystem. Mit ihren Barthaaren können sie –
ähnlich wie Fische mit ihrem Seitenliniensystem –
Wasserbewegungen in der Größenordnung von weniger als ein
Tausendstel Millimeter wahrnehmen. Solche Wasserbewegungen,
die etwa von den Schwimmbewegungen eines Fisches ausgehen,
manifestieren sich als stabile hydrodynamische Spuren; ihre
Form ist die von strickleiterartig angeordneten,
gegenläufigen Wirbeln. „Die Strömungsspur eines Goldfischs
lässt sich selbst mit relativ einfachen Methoden im Labor
noch nach fünf Minuten nachweisen“, erklärt Bleckmann.

Robben mit Strumpfmaske und Kopfhörern

Der Nachweis dieser Fähigkeit gelang den Forschern in
Verhaltensexperimenten mit zwei Seehunden. Ein autonom
laufendes Mini-U-Boot, das in ihrer Nähe gestartet wurde,
erzeugte hydrodynamische Spuren, sowohl gerade als auch
welche mit Kurven. „Wir stationierten die Versuchstiere
zunächst in einem Ring über Wasser. Damit sie das U-Boot
weder sehen noch hören konnten, setzten wir ihnen
undurchsichtige Strumpfmasken und Kopfhörer auf“, erläutert
Dr. Dehnhardt den Versuchsablauf. Nachdem das U-Boot einige
Sekunden lang auf einem nicht vorhersehbaren Kurs gefahren
war, schaltete es sich ab und trieb lautlos im Wasser. Das
Absetzen der Kopfhörer war für die Seehunde das Startsignal.
Immer noch mit der Maske geblendet, verließen sie den
Stationierungsring, tauchten langsam ab und suchten nach der
Spur des U-Boots. Sobald sie sie kreuzten, zeigte ein
deutlicher Richtungswechsel in ihrem Schwimmverhalten, dass
sie die Spur gefunden hatten und ihr jetzt folgten.
„Analysen von Video-Aufnahmen bestätigen, dass die Tiere die
Richtung des U-Boots stets richtig bestimmten und jede
kleine Kursänderung genau verfolgten“, so Dehnhardt. „Lief
dagegen der Motor des U-Boots noch, wenn den Robben die
Kopfhörer abgenommen wurden, orientierten sie sich am Klang
und schwammen direkt auf die Schallquelle zu“, erklärt
Zoologie-Professor Bleckmann, der die Bonner Abteilung für
vergleichende Neurobiologie leitet. „Die Orientierung
erfolgt in der Realität multimodal, also mit den Ohren, der
Nase und den Vibrissen.“

Impulse für die weitere Forschung

Dehnhardt und Bleckmann sind überzeugt, dass die Entdeckung
der Forschung neue Impulse geben wird: „Unsere Versuche zur
Verfolgung hydrodynamischer Spuren demonstrieren ein völlig
neues Orientierungssystem für den aquatischen Lebensraum.
Die Nutzung einer bisher unvermuteten Sinnesqualität zur
Orientierung mariner Säuger öffnet damit die Tür zu einem
sehr spannenden Forschungsfeld.“

Weitere Informationen

PD Dr. Guido Dehnhardt, Allgemeine Zoologie und
Neurobiologie, Fakultät für Biologie der Ruhr-Universität
Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27709, Fax:
0234/32-14278, Email:
dehnhardt@neurobiologie.ruhr-uni-bochum.de

Prof. Dr. Horst Bleckmann, Abteilung für Vergleichende
Neurobiologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Bonn, 53113 Bonn, Tel.: 0228/73-5453, Fax: 0228/73-5458,
Email: bleckmann@uni-bonn.de





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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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