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(00189) 04.07.2001 15:13

RUB-Studie: ÖPNV- und PKW-Nutzung in Bochum


Bochum, 04.07.2001
Nr. 190

Die Kosten spielen (noch) keine Rolle
RUB-Studie: ÖPNV- und PKW-Nutzung in Bochum
Gleiche Fahrzeiten, gravierende Preisunterschiede


Wann ist die Schmerzgrenze bei weiter steigenden
Benzinpreisen erreicht? In Bochum scheinbar noch lange
nicht, denn bei nahezu identischen Fahrzeiten, z. B. zur
Arbeit, nutzen Bochumer Bürger lieber das Auto statt den
öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – und das, obwohl
Strecken mit dem PKW erheblich teurer sind. Das ist das
zentrale Ergebnis einer Studie der Arbeitseinheit
Kognitions- und Umweltpsychologie (Leitung: Prof. Dr. Rainer
Guski, Fakultät für Psychologie der RUB).

Bilder im Netz

Bilder zum Herunterladen finden Sie unter
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen-2001/

Bochumer führten Fahrtenbücher

An der Untersuchung nahmen 212 Bochumer Bürgerinnen und
Bürger teil. Einziges Kriterium für die Teilnahme war, dass
die Personen einen Führerschein haben und über einen PKW
verfügen. In Bezug auf Alter, Familienstand, Einkommen und
Ausbildung entsprach dieser Personenkreis in etwa dem
Bochumer Durchschnitt, so dass sich die Ergebnisse der
Studie zuverlässig auf die gesamte Bochumer Bevölkerung
übertragen lassen. Die 212 Personen haben in einem
persönlichen Interview Fragen beantwortet und über einen
Zeitraum von vier Wochen ein Fahrtenbuch geführt. Hierin
haben sie ihre Standardstrecken zur Arbeit, zu
Freizeitzielen und zum Einkaufen protokolliert.

„Innere“ und „äußere“ Faktoren

Anhand der Interviews konnten die Bochumer Forscher die so
genannten „inneren“ Faktoren messen, die ausschlaggebend
dafür sind, welches Verkehrsmittel eine Person benutzt – z.
B. das Umweltbewusstsein. Zudem haben sie die „äußeren“
Faktoren bestimmt: Aus den Angaben über das Auto, das
ÖPNV-Ticket und die jeweilige Standardstrecke einer Person
haben die Wissenschaftler errechnet, wie viel eine gefahrene
Strecke mit dem PKW und dem öffentlichen Nahverkehr
tatsächlich kostet. Fuß- und Radwege wurden bei der Studie
nicht berücksichtigt.

Hohe PKW-Nutzung, hohe Preise

Drei Viertel der Befragten nutzen das Auto, um zur Arbeit zu
fahren (77,1%), obwohl genau für diesen Weg der
Preisunterschied zwischen PKW und ÖPNV am größten ist (10,37
DM für eine Fahrt mit dem PKW, 3,32 DM mit dem ÖPNV). Ein
ähnliches Preisgefälle zeigt sich bei den Wegen zu
Freizeitzielen, und hier ist der Anteil der PKW-Nutzer mit
ca. 90 Prozent noch höher. Lediglich die Fahrt zum Einkaufen
ist mit dem PKW genauso günstig wie mit dem ÖPNV, 93,7% der
Befragten nutzen zu diesem Zweck ihr Auto.

Autofahrer sind kaum schneller

Die Zeitersparnis ist im Vergleich dazu minimal:
Durchschnittlich vier Minuten schneller erreichen die
Autofahrer ihren Arbeitsplatz gegenüber den ÖPNV-Nutzern
(29,32 min. vs. 33,60 min.). Das gleiche Bild zeigt sich bei
den Wegen zu Freizeitzielen (28,74 min. vs. 31,86 min.). Um
zu ihrem Einkaufsziel zu gelangen, brauchen die Befragten
mit PKW sogar zwei Minuten länger (12,37 min. vs. 10,04
min.). Dabei haben die Bochumer Forscher auch berechnet,
dass der Weg zum Arbeitsplatz im Schnitt 16,4 Kilometer
beträgt, zu Freizeitzielen 15,7 Kilometer und zum Einkaufen
3,3.

„Innerer“ Faktor Umweltnorm

Das Umweltbewusstsein spielt eine zentrale Rolle bei der
Entscheidung, welches Verkehrsmittel die Befragten wählen.
Personen mit einer hohen Umweltnorm nutzen etwa zu 37
Prozent den ÖPNV, um zur Arbeit zu fahren, weil sie aufgrund
ihrer persönlichen Einstellung auf umweltfreundliche
Verkehrsmittel zurückgreifen. Umgekehrt weisen Befragte mit
einer niedrigen Umweltnorm auch geringe ÖPNV-Anteile auf,
bei der Fahrt zum Einkaufen z. B. nur mit 3 Prozent.

Am Wissen hapert es

Die Bochumer pauschal zu Autofahrern abstempeln wollen die
RUB-Forscher nicht. Immerhin zeigen ihre Ergebnisse, dass z.
B. 30 Prozent der Befragten auch den ÖPNV nutzen, um zur
Arbeit zu fahren, wenn diese Fahrt mit dem PKW teurer ist.
Das Wissen um die tatsächlichen (höheren) PKW-Kosten und die
nahezu identischen Fahrzeiten kann also bewirken, aus
Kostengründen eher auf die öffentlichen Verkehrsmittel
umzusteigen. Diese Ergebnisse der Studie ließen sich
einsetzen, um die Bürger gezielt zu informieren, damit sie
umweltfreundliche Verkehrsmittel wählen. Einen Anfang haben
die Psychologen der Ruhr-Uni schon gemacht: Alle Befragten
erhielten eine Auswertung ihrer je  individuellen Ergebnisse
– und dürften daraus ein paar neue Erkenntnisse gewonnen
haben.

Weitere Informationen
Dipl.-Psych. Claudia L. Preißner, AE Kognitions- und
Umweltpsychologie, Fakultät für Psychologie der RUB, GAFO
02/380, Tel. 0234/32-22668, Fax: 0234/32-14308, E-Mail:
Claudia.L.Preissner@ruhr-uni-bochum.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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