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(00186) 03.07.2001 14:26

RUBIN 1/01: Antikes Militärgeld erzählt Geschichte


Bochum, 03.07.2001
Nr. 187

Von wegen friedliche „Pfeffersäcke“ ...
Münzen verraten: Karthager waren nicht nur Handelsvolk
RUBIN 1/01: Antikes Militärgeld erzählt Geschichte

Auf ungewöhnlichem Wege erforschen Bochumer Historiker alte
Zeiten. Nicht allein auf Texte stützen sie ihre Vorstellung
von der antiken Welt; sie lesen auch aus Münzen. Eine
Überraschung förderte so Prof. Dr. Linde Marie Günther
zutage: Ihre Interpretation Karthagischer Münzen, deren
Abbildungen und Macharten zeigte, dass die Karthager nicht –
wie üblicherweise angenommen – nur friedliche Händler waren.
Sie unterhielten auch Heerlager außerhalb ihrer eigenen
Stadt und prägten dort Geld, um die Soldaten zu entlohnen.

Beitrag und Bilder im Netz

Beitrag und Bilder zur Presseinformation zum Herunterladen
im Netz:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_01/fotodownload.htm

http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_01/geistes/Beitrag8/index.html

Texte informieren einseitig ...

Was wir heute über die politischen Verhältnisse und
Machtverteilungen der antiken Welt wissen, basiert zumeist
auf griechischen und römischen Texten. Die Karthager werden
darin einerseits als reiche, friedliche Händler beschrieben,
deren militärische Schwäche daherrührte, dass sie zu ihrer
Verteidigung nur schwach motivierte Söldner einsetzten.
Dieser Darstellung steht die Hetze von Kriegsgegnern
gegenüber, die den Karthagern Vernichtungsabsichten
unterstellten – wohl auch um eine extreme Angst der
Bevölkerung vor den Karthagern zum eigenen Vorteil
auszunutzen. Die karthagische Sicht der Dinge blieb lange
verschlossen. Prof. Günther hat nun gezeigt, dass manchmal
Münzen eine Geschichte erzählen.

... Münzen erzählen die Kehrseite der Geschichte

Die erste Münzprägung der Karthager fand nicht in Karthago
selbst, sondern zeitgleich mit dem ersten Krieg der
Karthager 410 v. Chr. in Westsizilien statt. Dort hatten sie
mehrere Städte erobert und behielten die Vorherrschaft bis
zum ersten punischen Krieg (ab 264 v. Chr.). Die dort
geprägten Münzen bestanden aus Silber und richteten sich
nach dem Gewichtssystem der Athener. Wie die Drachme wog
eine solche Münze ca. 4,5 Gramm. Die Aufschrift lautete
„Karthago“ und „Heerlager“. In Karthago selbst begann die
Münzprägung erst 30 bis 40 Jahre später, man verwendete das
phönizische Gewichtssystem und Gold als Material für die
Münzen. Die im Heerlager hergestellten Geldstücke waren also
nur für den dortigen Umlauf gedacht, was auch aus den
geprägten Werten hervorgeht: Es wurden ausschließlich
4-Drachmen-Stücke (Tetradrachmen) geprägt, mit denen sich
der Sold der Krieger auszahlen ließ.

Bilder als Hinweis auf politische Ansichten

Ähnlichkeiten zwischen den Münzen von Karthago und denen auf
Sizilien gibt es aber dennoch; beide zeigen ab der Mitte des
4. Jahrhunderts v. Chr. die typischen karthagischen
Münzbilder: Den Kopf der Göttin Tanit, ein Pferd und eine
Palme. Vorher waren die Münzbilder im Heerlager an
sizilische Bilder angelehnt. Erst ab diesem Punkt der
Übereinstimmung betrachteten die Karthager demnach
Westsilizien als ihre Provinz.

RUBIN 1/01 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in RUBIN 1/01. Dort
finden Sie außerdem die Themen: Alarm in der U-Bahn: Mit
„NADiS“ sicher aus dem Tunnel; Krebsgen gegen Nervenleiden;
Chemische Tricks mit molekularen Klümpchen; Checkpoint im
Gehirn: Jetzt in der Kulturschale; Stoßfrei durch die
Nanostruktur; Simulation Intelligenter Netze; Der Islam und
die europäische Kultur. RUBIN ist in der Pressestelle der
RUB für 5 DM erhältlich.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Linde Marie Günther, Lehrstuhl für Alte
Geschichte, Fakultät für Geschichtswissenschaft der
Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28689,
Fax: 0234/32-14367



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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