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(00156) 12.06.2001 10:03

RUBIN 1/01: Wie Krebsgene Leben retten sollen


Bochum, 11.06.2001
Nr. 157

Wie Krebsgene Leben retten sollen
Forscher suchen Waffen gegen Nervenleiden
RUBIN 1/01: „Unsterbliche“ Nervenzellen


Was Tumore so heimtückisch macht, ist ihr uneingeschränktes,
unkontrolliertes Zellwachstum: Krebszellen altern nicht und
sterben nicht ab, sondern vermehren sich unaufhörlich. Eine
der Ursachen dafür ist ein Protein, das wie ein Schalter
funktioniert. Durch gezieltes Umlegen dieses Schalters
wollen Forscher um Prof. Dr. Rolf Heumann (Lehrstuhl für
Molekulare Neurobiochemie, Fakultät für Chemie) die
eigentlich krankhafte Eigenschaft von Krebszellen nutzen, um
das Absterben von Nervenzellen bei Verletzungen und
Neurologischen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson zu
verhindern.

Bilder im Netz:

Dieser Presseinformation sind drei Abbildungen beigefügt (s.
u.):
Abb. 1: Das dauerhaft aktivierte Ras-Transgen vergrößert die
Nervenzellen und letztlich das Gehirn (s. weiße Pfeile)
Abb. 2: Schnitte durch die Hirnrinde von Mäusen. Das Gehirn
von „Ras-Mäusen“ ist drastisch vergrößert, doch die Anzahl
der Nervenzellen ändert sich nicht.
Abb. 3 und 4: Könnte das gebändigte Krebsgen in den
Nervenzellen das Verhalten oder gar die Intelligenz
beeinflussen? Verhaltensstudien mit synRas-transgenen Mäusen
sollen es zeigen.

Ras schaltet Zellen ein und aus

Das Leben und Sterben der Nervenzellen liegt zum Teil in
ihnen selbst begründet: Schon bei ihrer Geburt, im
embryonalen Stadium besitzen sie ein
Selbstzerstörungsprogramm, das mittels bestimmter
Botenstoffe ausgeschaltet werden muss, damit sich die Zelle
entwickeln kann. So entstehen nur die Zellen, die auch
gebraucht werden. Verantwortlich dafür ist eine Art Schalter
in der Zelle, das Ras (Ratten Sarkom). Bestimmte Proteine
können es an- und wieder ausschalten. Tumorzellen haben
erhöhte Ras-Aktivität, sie sind immer „an“ und können
deshalb uneingeschränkt wachsen – sie sind unsterblich.
Dieser Zustand entsteht durch eine Mutation im Ras-Protein.
Ungehemmtes Zellwachstum und ein nicht ablaufendes
Todesprogramm der Zellen ermöglichen die Bildung eines
Tumors.

Unsterbliche Zellen machen krank – oder gesund

Die Wissenschaftler haben nun versucht, den Spieß
umzudrehen: Sie fragten sich, ob das mutierte Ras auch
Zellen aktivieren und sie damit überleben lassen könnte. Um
diese Frage zu beantworten, züchten sie Mäuse, in deren
fertig ausgebildeten Nervenzellen sich das mutierte Ras
befindet. So können sie das Ras im Gehirn der Mäuse
untersuchen, ohne durch seinen Einsatz eine Tumorbildung zu
provozieren. Bei den so genannten synRas-Mäusen ist das
Gehirn deutlich größer als beim Wildtyp, wobei die Anzahl
der Nervenzellen aber gleich ist. Bei Verletzungen, die mit
der Degeneration von Nervenzellen beim erwachsenen
Organismus einhergehen, z. B. der Durchtrennung des
Gesichtsnervs, zeigen sich bei den synRas-Mäusen keine
Schäden. Dieser Fund könnte etwa für die Transplantation von
Nervenzellen bei der Parkinson-Krankheit von Bedeutung sein:
Sterben in aktuellen Studien die meisten transplantierten
Zellen recht bald ab, könnten Zellen, in denen das mutierte
Ras erst nach der vollständigen Ausbildung der Zelle aktiv
wird, eine bessere Überlebensquote haben. In diesem Fall
wäre eine Therapie denkbar, bei der synRas in Stammzellen
(d.h. noch undifferenzierte Zellen) übertragen wird, die dem
eigenen Knochenmark des Patienten entnommen sind. Die
veränderten Zellen werden dem Patienten dann Implanitert.
Erst in der erwachsenen Zelle wird das Ras aktiv und bewahrt
die Zelle vor dem Untergang.

RUBIN 1/01 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in RUBIN 1/01. Dort
finden Sie außerdem folgende Themen: Alarm in der U-Bahn:
Mit „NADiS“ sicher aus dem Tunnel; Chemische Tricks mit
molekularen Klümpchen; Checkpoint im Gehirn: Jetzt in der
Kulturschale; Stoßfrei durch die Nanostruktur; Simulation
Intelligenter Netze; Der Islam und die europäische Kultur;
Münzen machen Geschichte. RUBIN ist in der Pressestelle der
RUB für 5 DM erhältlich.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Rolf Heumann, Lehrstuhl für Molekulare
Neurobiochemie, Fakultät für Chemie der Ruhr-Universität,
44780 Bochum, Tel. 0234/32-28230, Fax: 0234/32-14105, Email:
rolf.heumann@ruhr-uni-bochum.de



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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