[ vorherige ] [ nächste ] [ Übersicht nach Zeit ][ alphabetische Übersicht ]

(00152) 05.06.2001 14:42

Gentransfer hält Gefäße offen


Bochum, 05.06.2001
Nr. 153

Gentransfer hält Gefäße offen
Neuer Therapie-Ansatz bei koronarer Herzkrankheit
RUB-Studie: Genprodukt im Test


Ein neues Genprodukt soll Patienten mit koronarer
Herzkrankheit zukünftig mehrfache Eingriffe wie wiederholte
Ballondilatationen oder Bypassoperationen ersparen.
Erstmalig wird im Rahmen einer Multicenter-Studie der
Gentransfer im kardiovaskulären Bereich eingesetzt: Das
iNOS-Lipoplex-Genprodukt, das während des ersten Eingriffs
an der Engstelle in die Gefäßwand injiziert wird, soll eine
Wiederverengung von einmal gedehnten Herzkranzgefäßen
verhindern.. Das Medikament wird zurzeit an der
Universitätsklinik der RUB St. Josef-Hospital (Prof. Dr.
Andreas Mügge, Dr. Christoph Hanefeld), an der Frankfurter
Universitätsklinik und an drei Zentren in den USA erstmals
an Menschen getestet.

Befreiter Blutfluss schnell wieder dicht

Rund eine Million Menschen jährlich werden weltweit mit der
Ballondilatation behandelt. Dabei werden verengte
Herzkranzgefäße durch Aufblasen eines kleinen Ballons wieder
aufgedehnt und z. T. mit einer stählernen Gefäßstütze
(Stent) versehen, damit sie sich nicht wieder verschließen.
Trotz dieser Bemühungen kommt es in 15-35 Prozent der Fälle
gleich in den ersten Monaten nach dem Eingriff zu einer
erneuten Gefäßverengung an derselben Stelle. Grund dafür
sind z. B. Narben, die sich an Verletzungen durch die
Ballondilatation oder die Stentimplantation bilden. Bei der
Narbenbildung wuchern Zellen und wachsen durch die
Drahtmaschen des Stents hindurch, so dass das Gefäß sich
erneut einengt.

Gen regt Bildung des Schutzschildes an

Gegen dieses Phänomen haben die Mediziner mit dem
Gentransfer nun eine neue Strategie entwickelt: Das
iNOS-Lipoplex-Genprodukt (CAR-MP 583 genannt) enthält ein
Gen, das die Bildung der so genannten induzierbaren
NO-Synthase veranlasst. Dieses Enzym produziert in der
Gefäßwand Stickstoffmonoxid (NO), das eine gefäßschützende
Wirkung hat. Ein Zuwenig dieses Stoffes begünstigt
wahrscheinlich die Wiederverengung der behandelten Stelle –
von einer dank Genprodukt höheren Produktion erhoffen sich
die Mediziner einen besseren Schutz davor. Zur
Genübertragung in die Zellen des Blutgefäßes dient ein auf
Lipiden (Fetttröpfchen) basierendes System, das sich als
sehr verträglich herausgestellt hat.

Das Medikament in die Gefäßwand schleusen

Für den Patienten entstehen nach jetzigem Wissenstand durch
den Einsatz der Substanz keine zusätzlichen
Unannehmlichkeiten. Nach der etablierten Ballondilatation,
die das verengte Gefäß weitet, wird das Genprodukt mit Hilfe
eines Infiltrator-Katheters in die Gefäßwand gebracht.
Dieser Katheter endet in einem kleinen Ballon, dessen
Oberfläche miniaturisierte Austrittsöffnungen hat. Beim
Aufblasen drückt der Ballon gegen die Gefäßwände und gibt
nach Injektion das Genprodukt an sie ab. Je nach Länge der
Engstelle kann diese Prozedur bis zu drei Mal durchgeführt
werden. Ist der Katheter dann wieder entfernt, wird wie
üblich ein Stent eingesetzt. Die Interventionsszeit
verlängert sich durch die Injektion nur um eine
Viertelstunde. Im Tierversuch zeigte die Substanz eine gute
Wirksamkeit ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Weitere Informationen

Dr. Christoph Hanefeld, Medizinische Klinik II am St.
Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum,
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-1, Fax:
0234/509-2303, Email: christoph.hanefeld@ruhr-uni-bochum.de



--
RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB

Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB - RUB



zurück zur Übersicht nach Zeit | alphabetisch