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(00111) 27.04.2001 13:20

Mobilmachung gegen AIDS


Bochum, 27.04.2001
Nr. 112


Mobilmachung gegen AIDS
Prävention und Therapie stärken
Förderung von Forschungsprojekten rückläufig


Auf dem Aids-Gipfeltreffen in der nigerianischen Hauptstadt
Abuja forderte der Generalsekretär der Vereinten Nationen,
Kofi Annan, zur weltweiten Mobilmachung gegen die
Immunschwächekrankheit auf. „Diese muss auch darin bestehen,
dass in Ländern wie Deutschland Aids-Forschung wieder
ermöglicht wird“, fordert der Vorsitzende der Deutschen
Aids-Gesellschaft e.V. (DAIG), Professor Dr. Norbert
Brockmeyer, Dermatologische Klinik der Ruhr Universität
Bochum im St. Josef Hospital.

3,8 Mio. neu Infizierte in Afrika

„Gerade auf dem afrikanischen Kontinent werden die Folgen
deutlich, die dadurch entstehen, dass für Aids-Prävention,
-Therapie und -Forschung nur unzureichende Budgets zur
Verfügung stehen“, so Brockmeyer. Auf der südlichen Hälfte
des Kontinents leben nach Angaben von UNAIDS beinahe 70 %
der weltweit 36,1 Millionen HIV-Infizierten. 3,8 Millionen
Menschen haben sich dort im letzten Jahr mit dem HI-Virus
neu infiziert. „Die jetzt von Kofi Annan geforderte globale
Mobilmachung ist sinnvoll, richtig und dringend notwendig.
Denn gerade in Deutschland geht man beim Thema Aids gern zur
Tagesordnung über, als gebe es bereits eine Lösung. Das
Gegenteil ist der Fall“, sagt der Aids-Forscher. „Eine
simple, wirksame Schutzimpfung ist derzeit nach wie vor
nicht in Sicht, so dass Prävention und Therapie die
Hauptsäulen der Bekämpfung von AIDS bleiben.“

Lebenserhaltende Therapie

Die moderne, antiretrovirale Therapie ist trotz ihrer großen
Erfolge nicht lebensrettend, sondern lebenserhaltend. „Das
heißt, dass es ohne eine dauerhafte Einnahme der Medikation
mit den damit verbundenen Nebenwirkungen und Kosten keine
Erhaltung von Leben und Gesundheit der Patienten geben
kann“, so Brockmeyer weiter. Daraus folgt eine ständig
zunehmende Zahl zu behandelnder Patienten und damit eben
auch stetig steigende Medikamentenkosten. Notwendig sei,
einfache, kostengünstige und nicht lebenslange Therapien zu
entwickeln, und zwar insbesondere für die
Entwicklungsländer. „Obwohl die aktuelle Therapie diesen
Anforderungen noch nicht genügt, ist klar, dass nur eine
Intensivierung der Forschungsbemühungen in den
Industrieländern zur ihrer Entwicklung führen kann. Dabei
sind alle Staaten mit hoher wissenschaftlicher und
ökonomischer Potenz gefordert, dieses globale Problem
anzugehen. Auch aus einem vitalen Eigeninteresse heraus.
Denn Aids macht nicht vor Grenzen halt“, sagt der
Vorsitzende der Deutschen Aids-Gesellschaft.

Kürzungen durch das bmb+f

„Vor diesem Szenario erscheinen der Deutschen
Aids-Gesellschaft die erheblichen Kürzungen bei der
Förderung der HIV-/AIDS-Forschung in Deutschland
unverständlich“, so Brockmeyer. Zwei erfolgreiche
AIDS-Verbundprojekte seien ersatzlos im Februar 2001
ausgelaufen. Auch das BMBF-geförderte infektiologische
Stipendienprogramm werde Ende 2001 ersatzlos beendet. Die
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstütze mit ca. 6
Mio DM pro Jahr einen beträchtlichen Teil der
Grundlagenforschung zum Thema HIV-Infektion und AIDS,
erklärte Brockmeyer. Klinische Forschung im engeren Sinne
wird von der DFG allerdings nicht gefördert. Unter den
Bundesländern stellt allein der Freistaat Bayern jährlich
1,8 Mio DM aus Landesmitteln für die AIDS-Forschung zur
Verfügung. Brockmeyer: „Die HIV-Infektion stellt eine
Gefährdung für die gesamte Bevölkerung dar. Sie darf nicht
in Vergessenheit geraten oder verdrängt werden sondern muss
neu diskutiert werden. Dazu gehört auch eine Diskussion der
Forschungs- und Prävenstionsförderung.“

Weitere Informationen

Professor Dr. Norbert Brockmeyer
Dermatologische Klinik der Ruhr Universität Bochum im St.
Josef Hospital,
Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234/509-3471

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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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