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(00078) 26.03.2001 15:13

RUB-Studie ergänzt Wissen um antike Architektur


Bochum, 26.03.2001
Nr. 79

Schlüsselrolle der Kragsteintore belegt
Günstige und verbreitete Bauweise
RUB-Studie ergänzt Wissen um antike Architektur


Einer bisher vernachlässigten Torform der Antike, deren
örtliche und zeitliche Verbreitung und Entwicklung noch
unklar waren, widmet sich Dipl.-Phys. Andreas Rathke, M.A.,
in seiner Abschlussarbeit „Griechische Kragsteintore“, die
an der Fakultät für Geschichtswissenschaft der
Ruhr-Universität entstanden ist. Aus seiner Arbeit ist neben
einer Chronologie der Denkmälergattung auch eine Typologie
der Kragsteintore hervorgegangen. Außerdem konnte er die
Datierung einiger griechischer Festungen und Stadtmauern
näher bestimmen oder berichtigen. Für seine Arbeit, die
demnächst in Buchform erscheint, wurde Andreas Rathke mit
einem der Preise an Studierende 2000 der Ruhr-Universität
ausgezeichnet.

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Treppenförmiger Abschluss zeichnet Kragsteintore aus

Kragsteintore waren vom 6. bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. im
griechischen Kulturraum vor allem als Stadt- und
Festungstore weit verbreitet. Ein solches Tor zeichnet sich
dadurch aus, dass am oberen Ende der Wandöffnung mehrere
Steinlagen treppenartig in die Öffnung vorgebaut werden, bis
sie schließlich in der Mitte zusammentreffen. Der
vorspringende Teil der Kragsteine ist dabei meist behauen.
Je nach Bearbeitung stellt sich der obere Teil des Tores als
Rundbogen, Spitzbogen, Dreieck oder Trapez dar. Bei der
Trapezform bildet ein längerer Steinbalken den oberen
Abschluss.

Kostengünstige und sichere Bauweise

Die Kragsteinbauweise hatte gegenüber anderen Torformen
viele Vorteile: Die benötigten Steine konnten wesentlich
kleiner sein als solche, die die ganze Breite des Tores
überspannen mussten. Kleinere Steine waren im Steinbruch
leichter zu gewinnen und ließen sich mit geringerem
Kraftaufwand vermauern, was die Baukosten senkte. Die
Kragsteinbauweise stand der Torüberdeckung mit Steinbalken
an Festigkeit nicht nach. Auch bei großen Haupttoren mit
einer Breite von mehr als 2,5 Metern verkürzte man die
Spannweite für den Monolithen durch Kragsteine. Selbst
nachdem in der Mitte des 4. Jahrhunderts Keilsteinbögen
begannen, die Kragsteintore allmählich abzulösen, bevorzugte
man bei kleineren Toren und Pforten die kostengünstigere und
ebenso standsichere Kragsteinbauweise, deren großer Vorteil
gegenüber der Keilsteinbauweise war, dass kein Baugerüst
notwendig war: Während Keilsteinbögen gestützt werden
müssen, bis der letzte Stein eingesetzt ist, sind
Kragsteintore schon während des Baus selbsttragend.

Bedeutung für die Erfindung des Gewölbes

Andreas Rathke konnte die Behauptung widerlegen, dass
Kragsteintore mit Rundbogenstirn Keilsteinbogentore
nachahmen. Kragsteintore gehen diesen sogar voraus und
spielen vermutlich eine Rolle bei der Erfindung des
Gewölbes. Neben der Chronologie der Kragsteintore gelang ihm
auch eine Typologie. Ausgehend von den Grundformen der Tore
lassen sie sich in regionale Gruppen einteilen, so kommen z.
B. auf dem Peloponnes nur Tore mit Dreiecksstirn vor. Die
Idee, seine Abschlussarbeit den Kragsteintoren zu widmen kam
Andreas Rathke bei der Lektüre einer RUB-Dissertation vom
Anfang der 80er Jahre. Deren umfassende Erforschung von
Keilsteinbogentoren soll das neue Wissen über Kragsteintore
ergänzen.

Weitere Informationen

Andreas Rathke, M.A., Universität Freiburg, Fakultät für
Physik, Hermann-Herder-Str. 3, 79104 Freiburg, Tel.
0761/203-5846, Fax: 0761/203-5967, Email:
andreas.rathke@physik.uni-freiburg.de

Titelaufnahme

Rathke, Andreas: Griechische Kragsteintore. Typologie,
Konstruktion und Verbreitung vom 6. bis 2. Jahrhundert v.
Chr. (= Internationale Archäologie 67), Verlag Marie Leidorf
2001. ISBN 3-89646-339-X




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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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