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(00062) 07.03.2001 14:27

Parkinson-Syndrom erkennen und behandeln


Bochum, 07.03.2001
Nr. 63

Parkinson-Syndrom erkennen und behandeln
Neue Medikamente, OP-Techniken und Diagnosemethoden
Mögliche Ursache: Genetische und toxische Faktoren


Im Jahr 1817 hat James Parkinson die Schüttellähmung
erstmals als einheitliches Krankheitsbild des nach ihm
benannten Syndroms beschrieben. Noch immer ist die Ursache
der Krankheit weitgehend unbekannt, die Diagnose schwierig.
Aber es hat sich viel getan: Forscher haben mutierte Gene
und toxische Faktoren als mögliche Ursachen ausgemacht, neue
Medikamente sind auf dem Markt, die Einpflanzung von
Elektroden ins Gehirn des Patienten verspricht eine
Besserung der Symptome. Darüber diskutieren Wissenschaftler
aus dem In- und Ausland in Bochum an der RUB noch bis
Samstag auf dem 2. Parkinson-Kongress.

Mutierte Gene bei jungen Patienten

Besonders aus der genetischen Forschung kamen in den letzten
Jahren wegweisende Antworten auf die Frage nach der Ursache
der Parkinson-Krankheit. Durch die molekulargenetische
Untersuchung von Familien, in denen die Krankheit vererbt
wird, gelang die Identifizierung von Genen, deren Mutation
sie auslösen kann. Die meisten erblichen Parkinsonfälle
werden durch Mutationen im Parkin-Gen verursacht und
betreffen etwa jeden fünften Patienten, der vor seinem 45.
Lebensjahr erkrankt. Dieses Gen spielt eine Rolle beim
Eiweiß-Abbau innerhalb der Nervenzelle. Es ergeben sich
somit immer mehr Hinweise auf eine gesteigerte
Eiweißablagerung und einen gestörten Eiweißabbau im Gehirn
als mögliche Ursache für den Untergang von Nervenzellen bei
Parkinsonpatienten.

Auch Umweltgifte können Übeltäter sein

Ohne Zweifel sind jedoch auch andere Faktoren an der
Entstehung der Parkinson-Krankheit beteiligt; bei Patienten,
die in einem Alter von über 50 Jahren erkranken, spielen
insbesondere Neurotoxine vermutlich eine Rolle. Hierbei
handelt es sich um Umweltgifte oder Substanzen, die der
Körper selbst bildet. In Verdacht sind sie geraten, als das
Parkinson-Syndrom bei Heroinabhängigen beobachtet wurde, die
sich versehentlich den Heroinabkömmling MPTP gespritzt
hatten. Diese Substanz stört vor allem die Zellatmung. In
den letzten Jahren haben Forscher eine ganze Reihe von
Umweltgiften, allen voran Pestizide und Herbizide, entdeckt,
die ebenfalls diese Wirkung haben und möglicherweise zu
Parkinson führen können. Aber auch Stoffe, die über die
Nahrung in den Körper gelangen oder Stoffe, die durch
sogenannte Methylierungsenzyme vom Körper selbst in toxische
Substanzen umgewandelt werden, stehen im Verdacht, Parkinson
auslösen zu können. Möglicherweise sind im Alter diese
Enzyme überaktiv, so dass Substanzen, die in der Jugend
ungefährlich sind, im Alter toxische Wirkung entfalten
können.

Fechten kann helfen

Neben motorischen Symptomen wie Muskelsteifheit, einer
Verlangsamung der Bewegungen und der Schüttellähmung leiden
Parkinson-Patienten häufig auch unter Störungen der
Sinneswahrnehmung wie Riech- und Sehstörungen, unter
psychischen Störungen wie Depressionen und unter
Gedächtnisstörungen. Ehrgeiz der Mediziner ist es hier, die
Lebensqualität der Patienten zu steigern und zu erhalten.
Neue therapeutische Verfahren sind besonders rehabilitative
Trainingsmethoden zur Verbesserung dieser Symptome. Auch
alternative Möglichkeiten werden diskutiert, z. B. eine
Therapie durch Fechten.

Neue bildgebende Verfahren

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit erleichtern neue
bildgebende Verfahren. Neben der seit längerem bekannten
Positronen-Emissions-Tomographie hat besonders die
Entwicklung des chemisch umgewandelten Kokains 123
Jodbeta-CIT, eines neuen Radioliganden für die
Single-Photon-Emissions-Tomographie, einen Fortschritt
gebracht. Das Verfahren wird unter dem Namen „DaTSCAN“ beim
Kongress erstmals vorgestellt. Außerdem hat eine Würzburger
Arbeitsgruppe ein neues Ultraschallverfahren entwickelt, mit
dessen Hilfe schon vor Ausbrechen der Krankheit
Veränderungen im Gehirn nachgewiesen werden können. Das
Verfahren ist schonend und einfach anzuwenden und wird es in
Zukunft vielleicht ermöglichen, Symptome bereits vor ihrem
Ausbrechen zu behandeln und so zu verhindern.

Vor- und Nachteile von Therapien

Besonderes Gewicht liegt beim Kongress auf der
medikamentösen und operativen Therapie der
Parkinson-Krankheit. Neue Medikamente, vor allem
Dopaminagonisten wie Ropinirol, Pramiexol sowie andersartig
wirkende Substanzen wie z.B. Budipin wirken sich positiv auf
die motorischen Symptome aus. Jedoch muss der Arzt auch
Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Schlafattacken
berücksichtigen, die z.B. beim Autofahren gefährlich sein
können. Andere Medikamente wie L-Dopa, die den
Zellmetabolismus verbessern, stehen in Verdacht, womöglich
selbst indirekt neurotoxisch zu wirken. Ziel einer
zukünftigen Therapie wird es sein, dieses Risiko
auszuschließen. Neben der medikamentösen Therapie haben in
den letzten Jahren auch operative Verfahren zur
Parkinson-Behandlung von sich reden gemacht. Als wirksam
gegen die Symptome erwies sich insbesondere die
Hochfrequenzstimulation, für die dem Patienten ein bis zwei
Elektroden ins Gehirn implantiert werden, die unter der Haut
mit einem Impulsgerator verbunden sind, der seinerseits in
der Nähe des Schlüsselbeins implantiert wird. Auch die
Transplantation von menschlichem fötalen Mittelhirngewebe,
die in Deutschland verboten ist, hat einiges Aufsehen
erregt. In wieweit die Patienten von der Erforschung von
Stammzellen im Ausland profitieren werden, bleibt
abzuwarten.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Wilfried Kuhn, Neurologische Universitätsklinik
der Ruhr-Universität im St. Josef-Hospital, Gudrunstr. 56,
44791 Bochum, Tel. 0234/509-1, Fax: 0234/509-2414



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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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