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(00367) 15.12.2000 13:39

RUB-Biochemiker geheimnisvoller „kleiner RNA“ auf der Spur


Bochum, 15.12.2000
Nr. 364

Genforscher klettern die Evolutionsleiter abwärts
RUB-Biochemiker geheimnisvoller „kleiner RNA“ auf der Spur
RUBIN 2/00: Neue Modellvorstellungen zur Genaktivität


Dass die RNA nicht bloß ein „Stempel“ ist, der die
Informationen der DNA weitervermittelt, darin sind sich die
Experten heute einig. RNA-Moleküle können Informationen
speichern, katalytische Aktivitäten entfalten, sich perfekt
tarnen, und sie regulieren auch als Produkt ihre eigene
Synthese. Wie das funktionieren könnte, dafür haben Bochumer
Biochemiker um Prof. Dr. Bernd-Joachim Benecke (Fakultät für
Chemie) jetzt ein Modell entwickelt. Über die Ergebnisse
dieser Forschungen berichtet das aktuelle RUBIN 2/2000 -
Wissenschaftsmagazin der RUB.

Kleine RNA: im Schleimaal untergetaucht?

Die Bochumer Forscher wählten für ihre Untersuchungen u. a.
eine spezielle „kleine RNA“ (7S K-RNA), deren Funktion noch
völlig ungeklärt ist, die man aber an einer Schaltstelle der
Genexpression vermutet. Als Modellorganismus für die
Untersuchung von Genfunktionen dient die Hefe - ihre
Erbsubstanz ist gut erforscht. Aber wie das entsprechende
Gen in der Hefe finden? Gensonden wie bei der DNA helfen
hier nicht weiter, denn die RNA hat im Laufe der Evolution
nicht die Sequenzabfolge ihrer Bausteine beibehalten sondern
die Struktur der gefalteten Kette. Einzige Möglichkeit war,
die Leiter der Evolution abwärts zu klettern: über
Säugetiere, Vögel, Amphibien, Knochenfische bis zum
Knorpelfisch. Hier war Schluss: War die gesuchte RNA beim
Neunauge noch vorhanden, so war sie - als einzige - beim
Schleimaal nicht mehr zu entdecken; ein abruptes
„Redesigning“ dieser RNA, das vermutlich mit ihrer Funktion
in Beziehung steht. Da die Genexpression bei beiden Tieren
qualitativ gleich funktioniert, schlossen die Forscher
außerdem, dass sich 7S K-RNA beim Schleimaal tarnt.
Untersuchungen am Quastenflosser, einem „lebenden Fossil“,
sollen mehr Aufschluss über diese RNA geben.

RNA-Selbstkontrolle nach dem „Gummizug-Prinzip“

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aufklärung der Mechanismen,
die die Biosynthese der kleinen RNA steuern. Tests, die die
Promotoren (Kontrollelemente, die der RNA den Weg zum Gen
weisen) betrafen, schlugen bei 7S K-RNA fehl. Das brachte
die Forscher auf die Idee, dass die RNA selbst für ihre
eigene Synthese verantwortlich sein könnte. Sie entwickelten
ein neues Modell, nach dem die RNA, nachdem sie einen
DNA-Strang gelesen hat, wie ein Gummi zusammenschnellt und
dann direkt wieder von vorne mit dem Lesen anfängt. Durch
ihre enge Faltung trägt sie also zur Funktion des
Leseprozesses bei. In Tests, in denen die Forscher die
Faltung durch Abstandhalter beeinträchtigten, war die
Funktion der RNA gestört.

RUBIN 2/00 erschienen

In RUBIN 2/00 finden Sie außerdem folgende Themen: Sich
selbst vis-à-vis: Was Elstern wahrnehmen; Wenn der Whisky
ins Glas rieselt – na dann prost!; Netzwerksicherheit –
(k)ein Thema für Sozialwissenschaftler; Geographie des
Protestantismus: Zahlen versus Mythen; Den alten
Hüttenleuten auf die Finger geschaut; Antibiotikaresistenz:
„Fünf vor zwölf“ für neue Strategien. RUBIN ist bei der
Pressestelle (UV 3/368) für 5 DM erhältlich und steht im
Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Bernd-Joachim Benecke, Ruhr-Universität Bochum,
Biochemie, Fakultät für Chemie, 44780 Bochum, Tel.
0234/32-24233, Fax: 0234/32-14-244




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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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