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(00290) 19.10.2000 16:20

RUB-Studie zu Dioxin-Belastung in Kindergärten


Bochum, 19.10.2000
Nr. 288

Acht von 15 Tagesstätten müssten saniert werden
Hohe Schadstoff-Konzentration überdauert Jahrzehnte
RUB-Mediziner misst Dioxin-Belastung in Kindergärten


Auch 15 bis 25 Jahre nach der Verwendung von
Holzschutzmitteln in Kindergärten ist die Belastung der
Raumluft mit krebserregenden Dioxinen und Furanen
unverändert hoch. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. rer. nat.
Karl-Heinz Jacobs (Medizinische Fakultät der RUB) in seiner
Dissertation „Belastung der Innenraumluft von Kindergärten
mit Dioxinen und Furanen aus Holzschutzmitteln in
Abhängigkeit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit“. Der
Sollwert des Bundesgesundheitsamtes für die Dioxinaufnahme
von drei- bis sechsjährigen Kindern und Säuglingen wird
überschritten, acht der 15 untersuchten Kindergärten sind
sanierungsbedürftig.

Sanierungsgrenze überschritten

Die in den Kindergärten gemessenen Schadstoffkonzentrationen
lagen zwischen 0,9 und 6,5 pg je Kubikmeter und damit alle
über der in der Fachliteratur vorgeschlagenen
Sanierungsgrenze von 0,5 pg je Kubikmeter. Der durch das
Bundesgesundheitsamt festgelegte Grenzwert der
Dioxinaufnahme wird für ein dreijähriges Kind bei
achtstündigem Aufenthalt im Kindergarten bei einer
Konzentration von 2,99 pg je Kubikmeter erreicht – acht
Kindergärten müssten also saniert werden. Legt man die
erwachsenen Erzieherinnen als Bewertungsmaßstab zugrunde,
war allerdings keine der Kindertagesstätten
sanierungsbedürftig: Selbst bei 24-stündigem Aufenthalt wird
der Interventionswert des BGA erst bei einer Konzentration
von 28 pg pro Kubikmeter erreicht, bei achtstündiger
Arbeitszeit erst bei 85 pg/m3.

Temperatur und Feuchtigkeit bestimmen die Schädlichkeit

Für seine Studie nahm Jacobs jeweils 70 Messungen im
Messraum und in Originalkindergärten vor. Bei den
systematischen Untersuchungen im Messraum untersuchte er den
Zusammenhang von Schadstoffkonzentration und den
Gegebenheiten des Raums. Sechs Faktoren bestimmen die
Innenraumbelastung: die diffusionsfähige Holzoberfläche, die
Luftfeuchtigkeit, die Temperatur, das Vorhandensein von
Altstäuben, die Einwirkung von Licht und die Neubildung.
Besonders Luftfeuchtigkeit und Temperatur beeinflussen die
Schädlichkeit der Stoffe stark. Der TEQ-Wert (Toxic
Equivalency Unit), der die Schädlichkeit ausdrückt,
verdoppelte sich im Luftfeuchtigkeitsintervall von 45-75
Prozent relativer Feuchtigkeit. Zwischen 22° C und 36° C
verzehnfachte sich der Gehalt der Luft an Dioxinen und
Furanen. Wie stark der Konzentrationsabbau der Schadstoffe
durch den Abtransport in die Außenluft beim Lüften ist,
konnten die Experimente nicht exakt zeigen, er scheint aber
geringer zu sein als bisher angenommen.

Weitere Informationen

Dr. Karl-Heinz Jacobs, Auf dem Ilberg 18, 58285 Gevelsberg,
(dienstl.) Marien-Hospital Witten, Marienplatz 2, 58452
Witten, Tel. 02302/173-0





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Mit freundlichen Gruessen

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
- Pressestelle -
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136
Josef.Koenig@ruhr-uni-bochum.de

Schauen Sie doch bei uns mal rein:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressestelle

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